Interview: Dr. Angela Weigert

Magnesium hilft hyperaktiven Kindern

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Junge Zappelphilippe, die an einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) leiden, profitieren von der Gabe dieses Mineralstoffes. Die Biochemikerin Dr. Angela Weigert erklärt, was dahinter steckt.

ADHS bei Kindern – wie kam es dazu, das Augenmerk auf Magnesium zu richten?
Die Magnesiummangel-Symptomatik (z.B. Unruhe, Nervosität, Übererregbarkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen) ist der ADHS-Symptomatik (Hyperaktivität, Impulsivität, Konzentrationsstörungen) sehr ähnlich. Dies führte zu der Überlegung, dass Magnesium bei ADHS eine Rolle spielen kann beziehungsweise Magnesiummangel eine Ursache dafür sein könnte. Außerdem stellte man fest, dass bei ADHS-Kindern sehr häufig ein Magnesiummangel vorkam.

Deshalb wurde eine Doppelblind-Studie durchgeführt, unter der Leitung des Schweizer Kinderarztes Professor Kurt Baerlocher. 230 Kinder mit funktionellen, neurovegetativen und zum Teil hyperaktiven Beschwerden wie Konzentrationsschwäche, vorschnelle Ermüdbarkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Bauch- und Muskelschmerzen wurden drei Wochen lang entweder mit Magnesiumaspartat-hydrochlorid oder mit einem Aktivplacebo (Kalzium) behandelt. Die Magnesiumtherapie zeigte einen statistisch signifikanten Erfolg bei 80 Prozent der behandelten Kinder. Diese Studie belegt, dass es wichtig ist, bei ADHS-Kindern auch an Magnesium zu denken.

Warum haben diese Kinder so oft einen Magnesiummangel?
Die Hauptursache dürfte psychischer Stress sein. Untersuchungen zeigen, dass der Körper in Stresssituationen Magnesium über den Urin verliert. Ausgelöst wird dies durch die verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen. Wenn solche Stressphasen länger anhalten, führt dies zu einem Magnesiummangel. Man muss bedenken, dass es eine ganze Reihe von Stresssituationen für Kinder gibt. Wenn ein Kind zum ersten Mal von der Mutter weg allein in den Kindergarten gehen soll oder in die Schule und dort auch noch so lange stillsitzen muss, dann ist das Stress. Diesem ist das Kind in hohem Maße auch dann ausgesetzt, wenn die Eltern sich dauernd streiten oder sich gar scheiden lassen, wenn die Großeltern krank sind oder sterben. Auch Trauer ist Stress.

Wenn der Magnesiumwert normal ist – kann trotzdem ein Mangel vorliegen?
Ja, durchaus. Der Magnesiumspiegel im Serum ist sehr häufig im Normbereich, weil die Blutmagnesiumkonzentration so lange aus den Knochenspeichern konstant gehalten und aufgefüllt wird, solange in den Speichern Magnesium noch verfügbar ist. Klar formuliert: Ein erniedrigter Serum-Magnesiumspiegel ist beweisend für einen Mangel, aber ein normaler Wert schließt ein Defizit nicht aus.

Können Eltern eines ADHS-Kindes „einfach so“ mit der Magnesiumgabe anfangen?
Da ein Magnesiummangel nicht nur laborchemisch, sondern auch anhand von Symptomen festgestellt werden kann und die ADHS-Symptomatik der Magnesiummangelsymptomatik so sehr gleicht, kann aus dem Vorliegen dieser Symptomatik auf einen Magnesiummangel geschlossen werden. Die Eltern haben also durchaus einen Anhaltspunkt.

In welcher Höhe empfiehlt sich eine tägliche Zufuhr?
In der bereits genannten Studie erhielten die Kinder zweimal täglich 121,5 Milligramm Magnesium.

Sind bestimmte Magnesiumverbindungen anderen überlegen?
Organische Magnesiumverbindungen wie Magnesiumaspartat-hydrochlorid, Magnesiumcitrat oder Magnesiumaspartat nimmt der Körper besser auf als anorganische wie Magnesiumoxid. Dies hat auch Auswirkungen auf die Verträglichkeit, da nicht resorbiertes Magnesium über den Stuhl ausgeschieden wird und durch seine stark wasseranziehende Wirkung weiche Stühle oder Durchfall verursachen kann.

Reicht nicht auch eine magnesiumreiche Ernährung aus?
Wenn bereits ein Mangel mit entsprechenden Beschwerden vorliegt, nein. Hinzu kommt, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen einen höheren Magnesiumbedarf haben. Die höchsten Gehalte finden sich in Mais, ungeschältem Reis, Schokolade, Nüssen und Vollkornmehlen. Bei Vollkornerzeugnissen ist dann noch zu beachten, dass diese auch hohe Mengen Phytate enthalten, die das Magnesium binden und damit die Verfügbarkeit für den Körper verschlechtern.

Können bei der Gabe von Magnesium Nebenwirkungen auftreten – und wie kann man diese verhindern?
Nicht resorbiertes Magnesium kann wie bereits erwähnt Durchfall verursachen. Dies kann man zum einen vermeiden oder zumindest vermindern, indem man gut resorbierbare organische Verbindungen einsetzt. Zum anderen wird Magnesium besser vom Körper aufgenommen, wenn man mehrmals täglich kleine Mengen einnimmt. Eine Verteilung der Tagesdosis auf kleine Portionen erhöht daher auch die Verträglichkeit.

Gibt es Studien zur Wirkung von Magnesium bei Erwachsenen mit ADHS?
Nein, dazu sind mir keine Studien bekannt. Aber auch da ist wichtig, dass man einfach an die Möglichkeit eines Magnesiummangels denkt.

VITA
Dr. Angela Weigert ist Leiterin der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung der Firma Verla-Pharm und zudem Schriftführerin der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Die Biochemikerin befasst sich seit mehr als 25 Jahren mit der Magnesium-Forschung.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 04/10 ab Seite 24.

Das Interview führte Dr. Petra Kreuter

Stichworte: ADHS, Angela Weigert, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, Hyperaktivität, Magnesium, Magnesiumaspartat, Magnesiumaspartat-hydrochlorid, Magnesiumcitrat, Magnesiummangel, Magnesiumoxid, Mineralstoffe, Studie, Zappelphilip

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