Tatort Apotheke - Die PTA ermittelt: Acetylsalicylsäure

Kopfschmerzmittel in der Schwangerschaft

Abbildung © Jayson Punwani / www.iStockphoto.com. Die PTA ermittelt. © Jayson Punwani / www.iStockphoto.com. Die PTA ermittelt.

Auch Schwangere haben mal Kopfschmerzen und möchten dann ein für Mutter und Kind unschädliches Schmerzmittel einnehmen. Hier besteht Beratungsbedarf.

Der Fall Frau Staudt ist heute schon mit Kopfschmerzen aufgewacht. Sie hat noch ein paar Tabletten mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure zu Hause. Aber darf sie das Mittel bedenkenlos nehmen? Schließlich ist sie schwanger. Um keinen Fehler zu machen, ruft sie vorsichtshalber in ihrer Apotheke an.

Pharmakologischer Hintergrund Man unterscheidet während der Schwangerschaft vier Entwicklungsperioden. Die Gametogenese ist die Phase vor der Empfängnis, wenn männliche und weibliche Keimzellen heranreifen. Die Blastogenese geht bis zum 18. Tag der Schwangerschaft. In dieser Zeit nistet sich die Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut ein. Die anschließende Phase wird Embryogenese genannt. Jetzt findet der Anschluss an den mütterlichen Kreislauf und die Bildung und Differenzierung sämtlicher Organe statt.

Die Entwicklung nach der achten Schwangerschaftswoche bis zur Geburt wird als Fetogenese bezeichnet. Der Fetus wächst in dieser Zeit, die Organe reifen weiter aus. Blastopathien, also Störungen während der Blastogenese, führen entweder zum Keimtod oder heilen vollständig aus. Die noch wenig differenzierten Zellen sind in hohem Maße regenerierungsfähig. Trifft die Schädigung ein Organ in seiner Differenzierungsphase, so entsteht als typische Embryopathie eine Einzelmissbildung des betreffenden Organs. Eine bestimmte Missbildung kann also nur in einem speziellen Zeitraum ausgelöst werden. Schädliche Einflüsse bewirken nach Abschluss der Embryogenese nur noch Störungen des Wachstums und der Organfunktion.

Die Frage, welches Arzneimittel nun tatsächlich eine toxische Wirkung auf das Ungeborene hat, ist schwer zu beantworten. Aus ethischen Gründen können solche Untersuchungen am Menschen nicht durchgeführt werden. Bei der Acetylsalicylsäure geht man davon aus, dass sie bei üblicher Dosierung nicht zu Missbildungen führt. Zwar haben sich im Tierversuch bei chronischer Einnahme unerwünschte Effekte gezeigt, aufgrund der bisherigen Erfahrungen scheint das Risiko beim Menschen allerdings gering zu sein.

Empfohlen wird vorsichtshalber während der ersten sechs Monate die maximale Einnahme von 150 Milligramm pro Tag – und das unter ärztlicher Aufsicht. Im letzten Trimenon darf ASS überhaupt nicht genommen werden. Es besteht die Gefahr eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus botalli. Dies ist eine Verbindung zwischen Aorta und Lungenarterie, die im fetalen Kreislauf benötigt wird, da die Lunge noch nicht arbeiten soll. Das Blut wird unter Umgehung der Lunge direkt in den Körperkreislauf weiter geleitet. Der Ductus verschließt sich normalerweise in den ersten Lebenstagen, wenn die Lunge ihre Tätigkeit aufgenommen hat.

ASS kann auch eine Wehenhemmung und dadurch die Verzögerung der Geburt bewirken. Die beiden genannten Komplikationen werden durch die Hemmung der Prostaglandinsynthese ausgelöst, daher besteht die Kontraindikation auch für alle anderen Schmerzmittel mit diesem Wirkungsmechanismus. Außerdem können unter ASS Geburtskomplikationen, wie zum Beispiel eine erhöhte Blutungsneigung durch Hemmung der Thrombozytenaggregation, auftreten.

Zurück zum Fall Die PTA fragt die Kundin, in welchem Schwangerschaftsmonat sie sich befindet. Als sie sagt, sie wäre im neunten Monat, kurz vor dem errechneten Geburtstermin, erklärt ihr die PTA, dass sie auf keinen Fall ASS oder ein anderes übliches Schmerzmittel nehmen darf. Stattdessen bietet sie ihr Minzöl an, mit dem sie sich die Schläfen massieren kann. Sie gibt ihr auch den Tipp, viel zu trinken. Denn zuwenig Flüssigkeit kann auch Kopfschmerzen auslösen. SB

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 04/10 auf Seite 19.

Stichworte: ASS, Acetylsalicylsäure, Analgetika, Kopfschmerzen, Kopfschmerzmittel, Missbildungen, Schmerzmittel, Schwangerschaft, Trimenon

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