Tatort Apotheke

Sildenafil: Die PTA ermittelt

Abbildung © Jacob Wackerhausen / www.iStockphoto.com © Jacob Wackerhausen / www.iStockphoto.com

Vorwiegend ältere Männer sind am häufigsten von erektiler Dysfunktion und kardiovaskulären Erkrankungen betroffen. Die medikamentöse Behandlung beider Probleme – eine vielleicht tödliche Kombination!

Der Fall Herr Winter kommt gerade vom Urologen und legt ein Privatrezept über 12 Tabletten mit 50 Milligramm des Wirkstoffs Sildenafil auf den HV-Tisch. Die PTA holt das Arzneimittel und scannt den Code auf der Packung in die Kasse ein. Da Herr Winter regelmäßig in diese Apotheke kommt, ist er im Computer als Stammkunde angelegt. Sein Glück, denn als die PTA seinen Namen eingibt, erscheint eine Warnung: Schwerwiegende Wechselwirkung!

Mit einem Blick erkennt die PTA die Ursache. Der ältere Herr bekommt von seinem Kardiologen regelmäßig den Wirkstoff Isosorbidmononitrat in einer retardierten Form gegen seine koronare Herzkrankheit verordnet. Die Frage, ob er dem Urologen von seiner Herzerkrankung berichtet habe, erstaunt Herrn Winter. „Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?“

Pharmakologischer Hintergrund Bei der koronaren Herzkrankheit ist die Durchblutung des Herzens gestört. Verbraucht der Herzmuskel mehr Sauerstoff als die Herzkranzgefäße liefern können, kommt es zur Angina pectoris. Isosorbidmononitrat ist ein Nitrovasodilatator, ein gefäßwirksames Nitrat, das im Körper schnell zu Stickstoffmonoxid (NO), einem körpereigenen Botenstoff, abgebaut wird. NO erweitert die großen Koronararterien und verbessert dadurch die Durchblutung des Herzens. Außerdem erweitert es die kleinen Blutgefäße der Venen, sodass das Blut langsamer und in geringerer Menge zum Herzen zurückfließt. So wird das Herz entlastet.

Isosorbidmononitrat muss täglich angewendet werden. Sildenafil ist ein Phosphodiesterase- 5-Hemmer zur Behandlung der erektilen Dysfunktion. Durch die Enzymhemmung kommt es zur Erschlaffung der glatten Gefäßmuskulatur und damit zu einer Vasodilatation. Auch in die Schwellkörper des Penis kann dadurch mehr Blut fließen. Bei sexueller Stimulation wird so die Erektionsfähigkeit verbessert. Mögliche Nebenwirkungen bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren sind unter anderem Herzinfarkt und plötzlicher Herztod.

Patienten, die bereits einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben oder an Angina pectoris leiden sowie Patienten, die NO-Donatoren verwenden, dürfen daher kein Sildenafil oder verwandte Substanzen einnehmen. Bei der gleichzeitigen Gabe von Sildenafil und Isosorbidmononitrat kann es durch die starke Vasodilatation zu einem massiven Blutdruckabfall mit Kreislaufversagen und ebenfalls plötzlichem Herztod kommen.

Zurück zum Fall Die PTA klärt Herrn Winter über den Zusammenhang auf, doch der Kunde ist noch nicht überzeugt. Zu groß ist der Wunsch nach dem Medikament. Er schlägt vor, bei Einnahme von Sildenafil das Herzmedikament an diesem Tag einfach wegzulassen. Wenn beides eine ähnliche Wirkung auf die Gefäße hat, könne doch dem Herzen gar nichts passieren. Er meint sogar, dies als Empfehlung im Internet gelesen zu haben. Die PTA weist ihn darauf hin, dass ihm dann aber niemand für die Wirksamkeit und die Sicherheit seiner Therapie gegen die koronare Herzkrankheit garantieren könne. Denn das wäre die Missachtung einer absoluten Gegenanzeige. Nun bekommt Herr Winter doch Bedenken und einigt sich mit der PTA darauf, den Urologen noch einmal aufzusuchen und eine andere Lösung für sein Problem zu finden.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 02/10 auf Seite 24.

Sabine Bender, s.bender@uzv.de

Stichworte: Isosorbidmononitrat, Kontraindikationen, Sildenafil, Wechselwirkungen

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