Kopf-an-Kopf-Rennen

Kopfläuse

Abbildung © Jani Bryson / www.iStockphoto.com © Jani Bryson / www.iStockphoto.com

Zu jeder Jahreszeit können sich trotz täglicher Haarwäsche bei jedem Menschen Kopfläuse einnisten. Besonders Kinder sind betroffen.

Schon die alten Ägypter litten unter Kopfläusen, wie man an Mumien nachweisen konnte. Auch in Europa sind sie seit jeher heimisch. In Deutschland werden jährlich bis zu zwei Millionen Kinder und Jugendliche von Pediculus humanis capitis heimgesucht. Experten schätzen, dass die Pedikulose mittlerweile nach dem Schnupfen als die am häufigsten übertragene Kinderkrankheit gilt.

Die flügellosen Insekten ernähren sich ausschließlich von Blut, das sie mit einem Saugrüssel alle zwei bis sechs Stunden aus der Kopfhaut ihres Wirtes trinken. Beim Stechen sorgen sie mit ihrem Speichel dafür, dass das Blut flüssig bleibt. Ähnlich wie bei Mücken verursacht dieses gerinnungshemmende Sekret einen Juckreiz. Die ungeliebten Parasiten übertragen zwar in unseren Breiten keine Krankheiten, verbreiten sich aber sehr leicht weiter. Fäkalienausscheidungen der Laus können zu Juckreiz führen. Häufig entstehen durch unwillkürliches Kratzen auch kleine Hautwunden, die sich entzünden. Dies kann zu bakteriellen Hautinfektionen und in schweren Fällen sogar zu Schwellungen der Lymphknoten führen. In diesem Fall ist ärztlicher Rat gefragt.

Flinke Kletterkünstler Der Lebenslauf der Laus verläuft über verschiedene Stadien vom Ei über die Larve bis zur erwachsenen, geschlechtsreifen Laus. Die Eier, deren sichtbare Chitinhüllen auch als Nissen bekannt sind, werden von den Läuseweibchen in der Nähe der Kopfhaut wasserunlöslich aufs Haar geklebt. Acht bis zehn Tage nach der Eiablage schlüpfen aus den Eiern Larven, die sie wiederum innerhalb von neun bis elf Tagen zu erwachsenen, geschlechtsreifen Läusen entwickeln – der Kreislauf beginnt von Neuem.

Vom Ei bis zur ersten Eiablage des Weibchens dauert es etwa 17 bis 22 Tage. Das befruchtete Weibchen legt täglich mehrere Eier – insgesamt während ihres etwa vierwöchigen Lebens zwischen 100 und 300. Das Leben der etwas kleineren Männchen dauert zwischen zwei und drei Wochen. Außerhalb des Kopfes – ohne Blutmahlzeit – sterben die Läuse spätestens nach zwei bis drei Tagen. Die sechsbeinige ausgewachsene Laus ist zwischen 2,1 und 3,3 Millimeter groß und meist von bräunlich-gräulicher Farbe. Nach Nahrungsaufnahme bekommt sie einen rötlichen Farbton.

Sie lebt in der Regel permanent auf ihrem Wirt im Kopfhaar. „Befallen werden hauptsächlich Kinder“, erklärt Jan Krüger, Vorstand der Deutschen Pediculosis Gesellschaft e.V. „Enge zwischenmenschliche Kontakte, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche, begünstigen ihre Verbreitung. Kopfläuse können weder springen noch fliegen, sind aber auf die Fortbewegung an Haaren spezialisiert und legen pro Minute bis zu 30 Zentimeter zurück.“

Die Ansteckung erfolgt in nahezu allen Fällen von Kopf zu Kopf. Wenn Kinder die Köpfe zusammenstecken, beim vertrauten Umgang mit Schul- und Kindergartenfreunden oder gemeinsamen Übernachten in einem Bett, krabbeln die erwachsenen Läuse von einem Kopf auf den anderen. Eine Ausbreitung über Gegenstände wie Kuscheltiere, Fahrradhelmen oder Mützen ist laut Deutscher Pediculosis Gesellschaft hingegen eher unwahrscheinlich, denn die Parasiten verlassen nicht freiwillig ihren Wirt. Eine Übertragung über Kämme und Bürsten ist vorstellbar, denn die Läuse können zwischen den Zinken eingeklemmt werden und einige Zeit im Kamm überleben. Spätestens wenn der Kopf juckt, bringt ein Test Klarheit.

Auf Behandlungsfehler hinweisen Eine gute und detaillierte Beratung in Apotheken ist bei Pedikulose das A und O, um Anwendungsfehler bei der Therapie sowie jegliche Gerüchte über Kopfläuse im Vorfeld aus dem Weg zu räumen. Wider aller Behauptungen übertragen Haustiere keine Kopfläuse, der Befall hat nichts mit unzureichender Hygiene zu tun, Kinder gehören nicht in Quarantäne und auch die komplette Familie muss nicht „mitbehandelt“ werden. Zudem bringen auch Saunabesuche oder die wochenlange Lagerung des Lieblingsstofftiers im Gefrierfach nicht den gewünschten Erfolg.

„Manche Menschen, insbesondere Mädchen, werden offenbar häufiger von Kopfläusen befallen als andere. Woran das liegt, ist unbekannt. Herausgefunden hat man, dass die Haarfarbe und Haarlänge sowie die Häufigkeit dafür keine Rolle spielen. Lediglich in Haaren unter zwei Zentimeter Länge haben die Parasiten Schwierigkeiten“, informiert Krüger.

Kopfinspektion Ob in Schule, Kindergarten oder im Freundeskreis: Insbesondere wenn Kopflausbefall im nähren Umfeld bekannt wird, sollten unbedingt die Köpfe aller Familienmitglieder genau kontrolliert werden. Wenn auf dem Kopf lebende Läuse, Larven oder Nissen gefunden werden, die weniger als ein Zentimeter von der Kopfhaut entfernt am Haar kleben, weist dies eindeutig auf eine Pedikulose hin. Leider sind Läuse schnell und lichtscheu und deswegen leicht zu übersehen. Eine Lupe ist daher hilfreich. Besonders gut sind die Eier der Läuse hinter den Ohren sowie in der Schläfen- und Nackengegend zu entdecken.

Bei massivem Befall können gelegentlich auch andere behaarte Stellen des Oberkörpers wie Bart, Augen- und Achselhaare in Mitleidenschaft gezogen werden. Sobald die Kopfhaut juckt, sollte diese umgehend untersucht werden, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Der Vorstand der Deutschen Pediculosis Gesellschaft erklärt: „Kinder, die schon öfter Kopfläuse hatten, können selbst die Anwesenheit einer einzigen Laus am Juckreiz erkennen. Hautrötung oder kleine rote Pünktchen auf der Kopfhaut, insbesondere im Nackenbereich und hinter den Ohren, können zudem Hinweis auf eine Pedikulose sein. Durch den Juckreiz kommt es in vielen Fällen auch zu unruhigem Schlaf.“

Bei der Diagnose wird empfohlen, das mit Wasser und einer handelsüblichen Pflegespülung angefeuchtete Haar mittels eines Läusekamms zu untersuchen. Die Zinken dieser speziellen Kämme sind nicht mehr als 0,2 Millimeter voneinander entfernt, wenig elastisch und in Apotheken erhältlich. Ausgehend vom Haaransatz wird Strähne für Strähne bis zu den Haarspitzen durchgekämmt. Auf einem weißen Tuch oder Küchenpapier wird der Kamm abgestrichen. Fast immer findet man bei Kopflausbefall Nissen (Eihüllen) auf dem Kopf. Die 0,8 Millimeter kleinen, tropfenförmigen Gebilde ähneln Haarschuppen, lassen sich aber im Gegensatz zu diesen nicht abstreifen, sondern bestenfalls mit dem Läuse- bzw. Nissenkamm entfernen. Die auffälligeren weißlich schimmernden leeren Eihüllen sind leichter zu entdecken.

Da Kopfläuse ihre Eier ein bis zwei Zentimeter von der Kopfhaut ablegen, die Larven nach sechs bis zehn Tagen schlüpfen und das Haar etwa zehn Millimeter pro Monat wächst, sind Eihüllen, die weiter als ein Zentimeter von der Kopfhaut entfernt sind, in der Regel leer.

Kopflaustherapie Eine optimale Behandlung besteht laut Robert Koch-Institut in der Kombination chemischer, mechanischer und physikalischer Wirkprinzipien, sodass synergetische Effekte genutzt werden können. Die Klassiker unter den Läusemitteln in Deutschland basieren auf insektiziden Inhaltsstoffen, die entweder aus Chrysanthemen gewonnen (Pyrethrum) oder synthetisch hergestellt werden (Permethrin, Allethrin). Zur besseren Wirksamkeit werden diese teilweise mit Hilfsstoffen kombiniert, die auf die Nerven der Kopfläuse wirken (neurotoxisch), sie unbeweglich machen und dann abtöten.

In Studien im Ausland (zum Beispiel USA, England, Israel und Tschechien) sind Resistenzen gegen diese Insektengifte gefunden worden. Es ist davon auszugehen, dass es auch bei uns in Deutschland resistente Läuse gibt, das Ausmaß ist allerdings noch unklar. „Wenn unmittelbar nach Ende der Einwirkzeit noch lebendige Läuse zu finden sind, ist das noch kein Hinweis auf eine Resistenz. Die Insektizidkonzentration der in Deutschland erhältlichen Mittel ist gering, um den Menschen nicht unnötig zu belasten. Das führt dazu, dass die Gifte langsam wirken. Ab dem Tag nach der Erstbehandlung sollte keine lebendige Laus mehr zu finden sein“, teilt Krüger mit.

Andere Produkte enthalten das Silikonöl Dimeticon, das in die Atemöffnungen der Läuse (Spirakel) eindringt. Durch das Kriechöl wird das „Ausschwitzen“ von Wasser behindert, die Läuse sterben ab. Resistenzen sind nicht bekannt und möglicherweise auch nicht zu erwarten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) warnt Anwender von silikonölhaltigen Mitteln vor der leichten Entflammbarkeit einiger Mittel und der da mit verbundenen Verbrennungsgefahr.

An Gebrauchsanweisung halten Für alle betroffenen Kunden gilt: Im Hinblick auf die angegebene Menge, Verteilung und Einwirkzeit des Läusemittelpräparates muss streng nach der Gebrauchsanweisung vorgegangen werden – da sonst der Behandlungserfolg gefährdet ist. Laut BZgA wirken die meisten Läusemittel sehr gut gegen die erwachsenen Läuse und Larven, aber nur eingeschränkt gegen die Eier in den Nissen. Deshalb können an den Tagen nach der Erstbehandlung mit Läusemittel Larven nachschlüpfen. Aus diesem Grund ist es bei allen Mitteln unbedingt notwendig, am Tag acht, neun oder zehn nach der Erstbehandlung eine Wiederholungsbehandlung mit dem Läusemittel durchzuführen. Erst bei der zweiten werden die Larven vernichtet, die bei der ersten Kopfwäsche geschlüpft sind.

Begleitend zur Therapie sollte das Haar alle vier Tage (an den Tagen eins, fünf, neun, dreizehn) erneut nass mit Läusekamm und Spülung ausgekämmt werden, um nachgeschlüpfte Larven zu entfernen. „Für PTA halte ich es für wesentlich, betroffenen Kunden den Lebenszyklus der Läuse genau zu erklären, um die Bedeutung der Erst- und Wiederholungsbehandlung zu unterstreichen“, erklärt Krüger. Auch detaillierte Infobroschüren mit Leitfaden wie integriertem Behandlungsschema sowie Pflichten für Eltern und Erzieher sollten immer vorrätig sein, um Apothekenkunden zu unterstützen.

„Für die Therapie gilt: 1. Nach der ersten Behandlung können wieder Larven ausschlüpfen, das ist kein Grund zur Sorge, 2. Die Wiederholungsbehandlung nach acht bis zehn Tagen darf nicht vergessen werden. Wenn eine Mutter mit runtergezogenem Hut und Sonnenbrille in die Apotheke kommt, schadet es sicher nicht zu erwähnen, dass auch andere Kinder betroffen sind, um der Angelegenheit die Spitze zu nehmen.“

Während der Schwangerschaft und Stillzeit dürfen laut BZgA einige Präparate nicht verwendet werden, sondern ausschließlich die Methode des nassen Auskämmens mit Pflegespülung und Nissenkamm zum Einsatz kommen. „Tatsächlich steht die Behandlung durch nasses Auskämmen, das so genannte „Bug Busting“, stets als Alternative zur Verfügung, wenn andere Mittel nicht angewendet werden können. Allerdings ist die zu erwartende Erfolgsquote nicht so hoch wie bei den Insektiziden. Nasses Kämmen hat seine Stärken bei der Diagnose und Erfolgskontrolle. Ein guter Läusekamm zur Nachkontrolle durch nasses Auskämmen gehört auf jeden Fall bei jeder Behandlung dazu, es gibt keine andere Möglichkeit nachzusehen, ob die Läuse wirklich weg sind“, klärt Krüger auf.

Gemeinsam agieren Erzieher und Betreuer von Gemeinschaftseinrichtungen sollten über ein Grundwissen bezüglich der notwendigen Maßnahmen der Verhütung und Bekämpfung verfügen sowie umfangreiches Informationsmaterial vorrätig haben. Die Leiter sind zudem gesetzlich verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich über einen festgestellten Kopflausbefall zu benachrichtigen und personenbezogene Angaben zu machen. Auch Eltern müssen der Einrichtung den Befall umgehend melden (§ 34 Abs. 5 bzw. 6 IfSG) und die Freunde des Kindes unterrichten.

Das Robert Koch-Institut warnt: Wird die Pedikulose nicht prompt und konsequent behandelt, kommt es, je nach Wissensstand und Kooperationsbereitschaft von Eltern, Erziehern und Lehrern, zu einer Monate, manchmal Jahre, fortbestehenden infektionsepidemiologischen Problematik in der Einrichtung. Pediculus capitis verursacht dem Gesundheitswesen zudem erhebliche Kosten, führt zu Unterrichtsausfall und – besonders bei alleinerziehenden Eltern – zu Konflikten in der Berufsausübung.

Um eine Verbreitung zu verhindern, müssen sich Betroffene einer Erstbehandlung mit geeigneten Mitteln zur Tilgung des Kopflausbefalls unterziehen, bevor sie zur Einrichtung zurückkehren. Familienmitglieder brauchen nicht vorsorglich mitbehandelt werden, da die Wirkstoffe zur Pedikulose-Behandlung nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen sind. Die „Bug-Busting-Methode“ ist jedoch dringend zu empfehlen, um Klarheit zu schaffen. Der Experte von der Deutschen Pediculosis Gesellschaft bemerkt: „Eine vorsorgliche Behandlung ist zum einen Geldverschwendung, belastet die Umwelt und kann zum anderen die Bildung von Resistenzen begünstigen.“

Da Kopfläuse sich nur auf dem menschlichen Kopf ernähren und vermehren können, sind Reinigungs- und andere Maßnahmen von untergeordneter Bedeutung und dienen vorsorglich der Unterbrechung eventuell möglicher Übertragungsvorgänge. Das Robert Koch-Institut empfiehlt jedoch die Reinigung von Kämmen, Bürsten, Haarspangen und -gummis in heißer Reinigungslösung. Schlafanzüge, Handtücher und Bettwäsche sollten zudem gewechselt und bei 60 Grad gewaschen werden. Kopfbedeckungen, Schals und weitere Gegenstände, auf die Kopfläuse gelangt sein könnten, sollten drei Tage in Plastiktüten verpackt aufbewahrt werden, um die Parasiten auszutrocknen. Insektizid-Sprays sind nicht nötig.

Am Tag nach dem Behandlungsbeginn können Kinder wieder in die Schule oder den Kindergarten, denn es sind dann keine Läuse mehr vorhanden, die andere Kinder anstecken könnten. Es besteht keine generelle Attestpflicht, die durchgeführte Behandlung kann von den Eltern selbst bestätigt werden. Ob diese Bestätigung schriftlich oder mündlich erfolgt, hängt von den örtlichen Regelungen ab. Davon abweichend können einzelne Gesundheitsämter andere Regeln festlegen. Leere Eihüllen stellen laut BZgA keine Übertragungsgefahr für andere dar und können unter Umständen noch lange nach einer erfolgreich bekämpften Pedikulose an den Haaren haften, weil sie sich relativ schwer entfernen lassen. Sie sind allenfalls ein kosmetisches Problem.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 02/10 ab Seite 14.

Kirstin Engelbracht, k.engelbracht@uzv.de

Stichworte: Kopfläuse, Läuse, Pedikulose, pediculus capitis

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