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Trockene Heizungsluft, eisige Kälte und intensive UV-Strahlung im Schnee: Die kalte Jahreszeit ist für unsere Haut Stress pur. Typische Symptome sind Austrocknung, Risse und Irritationen.
Die menschliche Haut ist im Winter dünner und heller als im Sommer und der Eigenschutz vermindert. Doch je kälter es draußen ist, desto stärker wird die Haut beansprucht - gerade die Hautstellen, die nicht durch Kleidung geschützt sind. Die Durchblutung von Händen, Füßen, Ohren und Nase sowie der gesamten Haut wird bei Minusgeraden reduziert, um den Körper vor Auskühlung zu schützen. So verlangsamt sich die Erneuerung der obersten Hautschicht und Reparaturmechanismen finden vermindert statt.
Bereits ab einer Temperatur von acht Grad Celsius stellt die Haut ihren Stoffwechsel um: Die Talgdrüsen produzieren weniger Hautfett. Der noch gebildete Talg ist hart und fest und kann sich somit nicht mehr auf der Haut verteilen. Die Folge: Der Hydrolipidfilm auf der Hautoberfläche enthält dann zu wenig Fett, um einen wirksamen Schutz gegen eindringende Reizfaktoren zu bilden. Schädliche Stoffe, die in die Haut eindringen und Entzündungen oder Allergien auslösen können, haben nun leichtes Spiel. Die Haut reagiert mit Spannungsgefühl, Trockenheit, unangenehmen Juckreiz oder Schuppenbildung.
Das bekommen insbesondere Neurodermitiker, die ohnehin unter trockener Haut leiden, verstärkt zu spüren. Ekzeme, die im Sommer gut abgeheilt sind, treten plötzlich wieder auf. Doch selbst Hautgesunde spüren einen deutlichen Unterschied. „Alle Hauttypen leiden im Winter, da wir uns meist in geheizten Räumen aufhalten, die der Haut Feuchtigkeit entziehen. Dadurch ist die Haut öfter spröde und rissig und für alle Einflüsse von außen sehr anfällig. Besonders leiden in diesem Zusammenhang ältere Menschen, deren Haut sowieso schon feuchtigkeitsarm und entfettet ist. Kinderhaut ist auch extrem empfindlich, da die Haut in den ersten Jahren noch nicht voll entwickelt ist“, erklärt Thomas Schwennesen, erster Vorsitzender des Deutschen Neurodermitis Bundes e.V. (DNB).
Ziel der Hautpflege im Winter sollte es sein, die schützende Barriere der Haut aufzubauen und zu stärken und die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Der hauteigene Fettschutzmantel reicht in der kalten Jahreszeit nicht aus. Durch den fehlenden Fettfilm verdunstet das Wasser von der Hautoberfläche. Die geringe Luftfeuchtigkeit bei niedrigen Temperaturen und die trockene Luft in überheizten Räumen begünstigen das Verdunsten zusätzlich.
Das winterliche Pflegeprogramm sollte individuell auf den jeweiligen Hauttyp abgestimmt werden. Gegen trockene Haut im Winter helfen Hautöle und fettreiche Kälteschutzcremes auf einer Wasser-in-Öl-Basis. Sie bilden eine dünne Isolations- und Schutzschicht auf der Haut, halten durch den hohen Fettanteil die Kälte ab und verhindern die übermäßige Verdunstung der Hautfeuchtigkeit. Schwennesen empfiehlt zudem, „zweimal am Tag den ganzen Körper einzucremen. Das sollte man zu einem Ritual machen!“
Präparate mit großem Lipidanteil wirken intensiv rückfettend und helfen, die natürliche Hautbarrierefunktion zu regenerieren. Bei längerem Aufenthalt in beheizten Räumen sollten fettreiche Cremes allerdings wieder entfernt werden, um eine Überwärmung der Haut zu verhindern.
Für rote und rissige Hände bietet sich ein spezielles Handbad in speziellen Ölbädern sowie Handpackungen über Nacht. Fettcremes in Baumwollhandschuhen können so optimal einwirken. Hochwertige Pflegeprodukte enthalten neben Fett, auch Collagen und Vitaminzusätze. „Ein Inhaltsstoff, der die Feuchtigkeit optimal bindet ist Urea. Hier sind Präparate mit vier bis zehn Prozent des Harnstoffes sinnvoll“, erklärt DNB-Vorstand Schwennesen. Urea ist ein natürlich vorkommender Feuchthaltefaktor in der Haut, den viele Neurodermitiker von Basistherapeutika kennen. Er speichert das Wasser in der obersten Hautschicht und bindet die Feuchtigkeit der Haut.
Neben Harnstoff unterstützen unter anderem auch Hyaluronsäure, Vitamin E, hochkonzentrierte Phytosterole und Kollagen die Regulation des Feuchtigkeitsgehaltes und halten sie geschmeidig. Auch der Zusatz von Johanniskraut-Extrakt hat sich klinischen Studien zufolge als sinnvoll erwiesen „Bei Neurodermitikerhaut fehlen der Haut spezielle Fettsäuren, insbesondere Omega Fettsäuren, die unter anderem in Nachkerzensamenöl enthalten sind. Lotionen sind meist zu wässrig, Cremes schon fettiger und Salben am fettesten. Allzu duftende Produkte weisen meist auf sehr viele Inhaltsstoffe hin, die die Haut nicht benötigt und die eher noch eine Hautirritation hervorrufen.“
Um das Pflegeprogramm individuell und optimal auf den jeweiligen Hauttypen abzustimmen, sind Produktproben für die Kunden in der Apotheke das A und O. Aknepatienten oder Menschen mit fettiger Haut sollten auch im Winter bei den gewohnten Pflegeprodukten bleiben, damit nicht die Bildung von Talgverstopfungen und Pickeln gefördert wird.
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Milde Hautreinigung Nicht zu häufig und nicht zu heiß, sondern lauwarm duschen und baden: Schonende Reinigung lautet bei der Hautreinigung die Devise, um der Haut möglichst wenig Feuchtigkeit und Fett zu entziehen. Vollbäder sind jetzt auf höchstens zweimal pro Woche und eine Dauer von bis zu 15 Minuten zu beschränken. Die Wassertemperatur liegt im Idealfall zwischen 32 und 35 Grad Celsius. Gegen Juckreiz helfen Gerbstoffe oder anästhetische Wirkstoffe aus der Apotheke. Auch Harnstoffcremes sind empfehlenswert. Hamamelis- und Kamillezusätze zeigen gerade bei sensibler Haut beruhigende und wohltuende Wirkung.
Beim Duschen und Baden sollte man unbedingt darauf auf seifenhaltige Produkte verzichten. Rückfettende Dusch- oder Badeöle reinigen sanft und hinterlassen einen pflegenden Film auf der Haut. Waschsubstanzen, die auf den pH-Wert 5,5 der gesunden Haut abgestimmt sind, schützen zudem dem Säureschutzmantel. Wichtig: Nach dem Baden mit einer Öl-in-Wasser-Emulsion eincremen. Von Peelings und alkoholhaltigen Gesichtswässern ist gerade in der kalten Jahreszeit gänzlich abzuraten.
Winterliche Einflüsse strapazieren Kinderhaut Die Haut von Kindern ist etwas dünner als die der Erwachsenen. Besonders in den ersten Lebensmonaten sind bei Säuglingen die Unterschiede sehr stark ausgeprägt, unter anderem weil die Schutzfunktionen der Haut erst unzureichend ausgebildet sind. Talgdrüsen, die um den Geburtszeitpunkt sehr viel Fett produzieren, gehen gleich nach der Geburt in den Ruhestand über, der erst mit Beginn der Pubertät endet. Aus diesem Grund ist der schützende Hydrolipid- Film auf der Oberfläche der Haut nur schwach ausgebildet. Der Säureschutzmantel der Haut ist bei Säuglingen zwar schon vorhanden, jedoch ist das Neutralisationsvermögen gegenüber alkalischen Substanzen gering. So besteht eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber hautreizenden Stoffen.
„Besonders gute Pflegewirkung haben die Duschöle oder das Duschgel“, erläutert der Hautexperte Schwennesen. Der Vorteil ist, dass man während des Bades hautpflegerisch tätig ist und danach kaum noch Hautpflege benötigt wird, wobei die Hautareale um die Windel herum immer besonderer Beachtung bedürfen. Wichtig bei Duschölen oder Duschgels ist, dass man danach nicht alles gleich wieder abduscht oder ins Handtuch rubbelt. Also: Trockentupfen! Da Kinder im Winter nicht so viel schwitzen und durch Kleidung gegen Schmutz geschützt sind, sollte auch nicht zu häufig gebadet werden. Dadurch wird die Haut vor unnützer Austrocknung geschützt.“
Gut geschützt auf die Piste Gerade beim Skifahren in alpinen Höhen ist die Haut Extrembedingungen ausgesetzt. Die UV-A- und UV-B-Strahlung ist hier besonders gefährlich, da sie in der dünneren Luft sowie die Reflexion im Schnee verstärkt werden. In den Wintermonaten wärmt die Sonne zwar nicht gut, aber brennt fast genauso stark, wie in den anderen Jahreszeiten – nur durch Wind und Kälte wird die Sonnenwirkung kaum wahrgenommen. Je höher und kälter es ist, desto höher sollte auch der Sonnenschutz gewählt. Denn: Pro 1 000 Höhenmeter nimmt die UV-B Strahlung um etwa 15 Prozent zu, und die Reflektion kann die Einwirkung um 90 Prozent verstärken.
Akute Sonnenbrände oder chronische Lichtschäden können so begünstigt werden und langfristig zu Hautalterung und Hautkrebs führen. Ein sehr hoher Lichtschutzfaktor von mindestens 20 ist daher ein Muss. Die Wirkung des Fahrtwindes beim Wintersport wird zudem häufig unterschätzt. Schon bei einer milden Außentemperatur um die null Grad kühlt bei der Abfahrt die Hautoberfläche auf bis zu minus 15 Grad ab (Windchill- Effekt) und kann zu einem Ausfall des Talgschutzes führen.
Hautpflege von innen Während des Beratungsgesprächs in der Apotheke können PTA zudem auf folgende Punkte hinweisen: Täglich eineinhalb bis zwei Liter Wasser, Kräuteroder Früchtetee versorgen die Haut mit Feuchtigkeit, die ihr im Winter entzogen wird. Mit Hilfe von Wasser sondert sie außerdem Schadstoffe und Abbauprodukte ab.
Auch eine ausgewogene Ernährung stärkt die Haut: Frisches Obst und Gemüse führen der Haut wichtige Vitamine, Spurenelemente und Feuchtigkeit zu. Vitamin C (unter anderem enthalten in Zitrusfrüchten, Paprika oder Kiwis) stärkt das Immunsystem, steigert die Zellaktivität und festigt die Haut. Vitamin E wirkt als Radikal fänger umweltbedingter Haut alterung entgegen. Es ist in Getreidekeimen, Fleisch, Milch oder Eigelb enthalten und wirkt auf die Haut beruhigend und feuchtigkeitsspendend.
Trotz der Empfindlichkeiten der Haut gehört der Aufenthalt im Freien sowie regelmäßige, körperliche Ausdauerbelastung wie Joggen oder Gymnastik an der frischen Luft zum Winter einfach dazu. Bei kalten Außentemperaturen ist dabei auf ausreichendes Aufwärmen und Dehnen zu achten. Denn erst gewärmte Muskeln sind voll leistungsfähig. Die Muskeln brauchen bei Minusgeraden länger, um richtig belastet zu werden. Bewegung, Wechselduschen oder Wechselbäder fördern die Durchblutung der Haut. Wichtige Nährstoffe werden somit schneller an strapazierte Hautstellen transportiert. Auch regelmäßiges und langes Lüften beheizter Räume sowie Luftbefeuchter erhöhen die Luftfeuchtigkeit.
DARAUF SOLLTEN SIE IM WINTERURLAUB ACHTEN:
- Gegen Abfahrtswind beim Skilaufen schützen spezielle Kälteschutzcremes, die bei längerem
Aufenthalt in Innenräumen wieder entfernt werden müssen.
- Fetthaltige Cremes verwenden (Wasser in Öl) – diese wirken als zusätzlicher Kälteschutz
- Durch hohe UV-Strahlung im Gebirge Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden
- Schnee reflektiert: Augen sollten mit einer Sonnenbrille geschützt werden
- Feuchtigkeitscremes mindestens 30 Minuten vor dem Gang ins Freie einziehen lassen. Ohren nicht
vergessen!
Passend gekleidet „Für jede Haut gilt natürlich auch in der Winterzeit modischer, textiler Hautschutz“, erklärt Schwenessen. Denn falsche Kleidung beim Wintersport kann zu Überhitzung des Körpers oder zu Auskühlung führen. Erkältungen, Grippe und Kreislauferkrankungen sind die Folge. Der überhitzte Körper schwitzt sehr stark. Bei unbedeckten Körperstellen kann die Verdunstungskälte Erkältungen begünstigen. Die richtige Kleidung ist winddicht, um den eisigen Wind abzuhalten, und gleichzeitig atmungsaktiv, um Stauhitze zu vermeiden. Das „Zwiebelsystem“ ist in den Wintermonaten ein guter Schutz gegen zu viel oder zu wenig Kleidung.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 01/10 ab Seite 14.
Kirstin Engelbracht, k.engelbracht@uzv.de
Stichworte: Haut, Hautpflege, Hautpflege im Winter, Kälte, Winter, trockene Haut