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Fast jeder zweite Mann muss mit Haarausfall rechnen, doch auch bei Frauen ist Alopezie ein ernstzunehmendes Problem. Viele Betroffene reagieren mit Kummer, Betroffenheit bis hin zu innerem Rückzug.
Glänzendes, volles und gesundes Haar steht gerade bei Frauen für Weiblichkeit, Vitalität und Schönheit. Doch jede fünfte Frau unter 40 wird mit Haarausfall konfrontiert, nach der Menopause sind es sogar bis zu 30 Prozent. Laut Definition liegt eine Alopezie dann vor, wenn Haare über einen längeren Zeitraum vermehrt ausgehen und dies sichtbare Spuren hinterlässt. Als Richtwert gelten hier mehr als 100 Haare pro Tag. Genetische Disposition, Hormonumstellung, Stress oder akute Krankheiten können die Gründe hierfür sein.
Eine ausgewogene Ernährung, unter anderem mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst, kann einer Alopezie entgegenwirken und dem Körper die nötigen Mineralien und Vitamine zuführen. Stoffwechselvorgänge in den Zellen, und somit auch in den Haarwurzeln, werden insbesondere durch B-Vitamine aktiviert, die in Getreide und Nüssen reichlich enthalten sind. Haarausfall ist ein ernstzunehmendes Problem, das zeigt eine aktuelle Studie. Die deutschlandweite Befragung von insgesamt 1140 Patientinnen über 30 Jahre hat ergeben, dass sich die Betroffenen mit Haarausfall gehemmt und unsicher fühlten. Häufig geht Haarausfall mit einem Verlust der weiblichen Identität einher und die Patientinnen entwickeln ein Gefühl der Isolation und Bestürzung. Wird die Ursache des Haarausfalls rechtzeitig erkannt, kann er in vielen Fällen durch geeignete Gegenmaßnahmen gestoppt werden.
Eine erste gute Anlaufstelle bei Haarproblemen ist die Apotheke. Dort gibt geschultes Fachpersonal Antworten auf drängende Fragen oder kann einen spezialisierten Arzt empfehlen, der organische Ursachen wie Hormonveränderungen, Krankheiten oder Mangelzustände feststellen kann. In Gesprächen geben Kunden in der Regel einen vermehrten Haarausfall (Effluvium) oder eine sichtbare Lichtung des Kopfhaars (Alopezie) an. „Haarausfall beeinträchtigt das Selbstwertgefühl der Betroffenen sehr. Aber nur wenige Kundinnen sprechen ihr Problem offen an.
Der Umgang mit diesem Thema erfordert deshalb gerade in Apotheken viel Einfühlungsvermögen, Fachkenntnis und Fingerspitzengefühl“, erklärt Monika Hagenhoff aus Dortmund. Seit vielen Jahren führt die Apothekerin regelmäßig Fortbildungsver anstaltungen für Apotheker und PTA durch. Neben der Vermittlung des nötigen Fachwissens gibt die Referentin zudem wichtige Tipps, wie man Kundinnen mit Alopezie kompetent, individuell und sensibel berät.
HAARFAKTEN:
Der Körper produziert über den ganzen Kopf verteilt etwa 30 Meter Haar pro Tag – eine enorme Leistung, für die eine optimale Nährstoffversorgung erforderlich ist. Der Mensch besitzt insgesamt zwischen 70 000 und 100 000 Haare, die in ihrer zwei- bis sechsjährigen Lebenszeit diverse Zyklen durchleben:
Zwei bis sechs Jahre: Anagenphase (Wachstumsphase) In dieser Zeit wächst das Haar ungefähr einen Zentimeter monatlich. 80 bis 90 Prozent aller Haare befinden sich in dieser Phase.
Bis zu zwei Wochen: Katagenphase (Übergangsphase) Gilt für circa ein Prozent aller Haare. Das Haar wird von der Haarwurzel abgetrennt und allmählich Richtung Kopfhaut geschoben.
Bis zu vier Monaten: Telogenphase (Ruhephase) Das Haar ist bereits von der Wurzel abgetrennt und wird nicht mehr mit Wirkstoffen versorgt. Bis es ausfällt, kann es einige Monate dauern. Der Stoffwechselprozess beginnt danach von Neuem: Die Haarzwiebel produziert wieder Zellen, ein neues Haar wächst heran. Etwa 10 bis 20 Prozent befinden sich in diesem Stadium.
Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall Grundsätzlich gilt es zwei Arten von Haarausfall zu unterscheiden: den erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) und den diffusen Haarausfall (diffuses Effluvium), die auf verschiedene Weise therapiert werden. Unter erblichem Haarausfall leiden zwar überwiegend Männer, doch auch immer mehr Frauen sind betroffen.
Typische Zeichen für die androgenetische Alopezie bei Frauen ist lichtes Haar über der Stirn mit einem Scheitel, der sich mit der Zeit verbreitert. Die Haarwurzeln reagieren überempfindlich auf das männliche Hormon Testosteron beziehungsweise dessen wirksamere Form, das Dihydrotestosteron (DHT). Androgene, Erbfaktoren und Lebensalter beeinflussen den Verlauf und die Ausprägung dieser Form der Alopezie. Auch durch Hormonschwankungen – etwa in den Wechseljahren oder nach einer Entbindung – kann sich diese Form des Haarausfalls manifestieren. Die Haarfollikel schrumpfen, was zu einer Verkürzung der Wachstumsphasen des Haares führt. Die kräftigen Terminalhaare werden nach und nach durch kurze, feine Haare ersetzt. Schließlich stirbt die Haarwurzel ab. Der schädigende Einfluss der Hormone auf die Haarwurzel kann mit Medikamenten gestoppt werden, die direkt auf die Kopfhaut aufzutragen sind.

Diffuser Haarausfall Eine zweite, sehr häufige Form der Alopezie bei Frauen ist der diffuse Haarausfall, der nahezu die ganze Kopfpartie betrifft und verschiedene Auslöser haben kann. Konkrete Erkrankungen wie Neurodermitis oder Diabetes, Infektionen (zum Beispiel Grippe), Vergiftungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente (beispielsweise Antidepressiva) können das Haarwachstum aus dem Gleich gewicht bringen.
Die diffuse Alopezie stört das normale Haarwachstum, dabei bleibt der Haarfollikel erhalten. Oft liegt die Ursache nicht auf der Hand, da Stresssituationen, Ernährungsdefizite und Veränderungen im Stoffwechsel oder Hormonstatus (zum Beispiel Geburt, Einnahme der Pille) nicht erkannt werden. Dabei kann der Haarausfall sowohl akut als auch chronisch auftreten. Der allgemeinen sowie der Medikamentenanamnese kommen bei der Diagnose eine wichtige Bedeutung zu.
Gerade wenn eine Patientin ein Medikament, das Haarausfall verursachen kann, zum ersten Mal verschrieben bekommt, ist es aus Sicht der Haarexpertin Monika Hagenhoff besonders wichtig, auf diese mögliche Nebenwirkung hinzuweisen. Ob Insulin, starke Rheumamittel oder Antidepressiva: Das Rezept vom Arzt ist immer ein möglicher Anknüpfungspunkt für ein Beratungsgespräch. „So empfehle ich beispielsweise Brustkrebs-Patientinnen nach einer Chemotherapie, Präparate wie zum Beispiel Pantovigar® einzunehmen, die das Haarwachstum von der Wurzel aus aktivieren“, erläutert die Apothekerin.
Die Wirkstoffkombination aus der Aminosäure Cystin, Vitaminen der B-Gruppe, Medizinalhefe und Keratin ist dabei besonders gut geeignet, die Anagenhaar-Rate zu erhöhen. Dies hat auch eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 30 Frauen ergeben, die an Alopezie litten. Die gute Wirksamkeit schlägt sich auch in einer sehr hohen Kundenzufriedenheit nieder: 92 Prozent der Betroffenen gaben an, dass das Therapieergebnis wie erwartet, besser oder viel besser als erwartet war. Geduld ist bei der Alopezie-Therapie besonders wichtig: PTA sollten ihre Kunden daher auf die notwendige Therapiedauer von drei bis sechs Monaten hinweisen, die durch den natürlichen Haarzyklus bedingt ist.
AKTIONEN ÖFFNEN TÜREN
Diverse Aktionen in den Apotheken können den Einstieg in Beratungsgespräche rund um Alopezie
erleichtern, die – wenn möglich – in diskretem Umfeld geschehen sollten. Beratungstage mit Expertenvorträgen, Schaufensterdekorationen und geeignete Produktplatzierung wecken das Interesse von Betroffenen und können so Hemmungsbarrieren aufheben. Monika Hagenhoff erklärt: „Wir planen gerade eine Aktion mit einer Friseurin, die sich speziell auf Haarschnitte für dünnes Haar spezialisiert hat. Eine Visagistin gibt Schminktipps bei durchscheinender Kopfhaut.“
Sensibel beraten Ob androgenetisch oder diffus – sichtbarer Haarausfall bedeutet für PTA und Apotheker eine große Herausforderung. „Am einfachsten ist es, wenn von Haarausfall betroffene Kundinnen ihr Problem direkt und offen ansprechen“, sagt Monika Hagenhoff. Doch für viele ist es ein Tabuthema. Gezielte Fragen signalisieren jedoch schnell die Beratungskompetenz in der Apotheke und machen es Kunden leichter, sich zu öffnen. „Zuerst kläre ich im Gespräch, seit wann die Kundin an Alopezie leidet, wie sich diese äußert und was die potentielle Ursache sein kann. Je nach Schweregrad und psychischer Verfassung der Betroffenen empfehle ich eine Therapie mit einem frei verkäuflichen Präparat oder verweise auf den Hautarzt. Die meisten Kundinnen sind eher erleichtert, wenn ihr Haarproblem erkannt und sie sensibel darauf angesprochen werden“, informiert Monika Hagenhoff.
Wichtig bei jeder Beratung ist, den Nutzen der jeweiligen Produkte genau zu erklären und ebenfalls die Dauer der Therapie anzugeben. Für die PTA ist es wichtig, ihren Blick für die Gesamtsituation der Betroffenen zu schärfen. Nur so fühlen sich Kunden fachlich gut beraten und ernst genommen, da sie in ihrer Ganzheit wahrgenommen werden und nicht nur das zu behandelnde Symptom berücksichtigt wird.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 12/09 ab Seite 33.
Kirstin Engelbracht, k.engelbracht@uzv.de
Stichworte: Alopezie, Effluvium, Frauen, Haarausfall, Haarausfall bei Frauen, Haare, androgenetische Alopezie, androgenetischer Haarausfall