Heiltees

Warmes für die kalte Jahreszeit

Abbildung © Natallia Yaumenenka / www.iStockphoto.com © Natallia Yaumenenka / www.iStockphoto.com

In den nächsten Monaten werden sich die meisten Menschen hierzulande wieder mindestens einmal eine Erkältung einfangen. Wohltuende Tees aus der Apotheke bringen Linderung.

Sein heißer Genuss kann schon vorbeugend helfen. So bietet sich beim ersten Verdacht auf eine nahende Erkältung ein schweißtreibender Tee an. Dafür eignen sich beispielsweise die Blüten von Sommerlinde und Winterlinde (botanische Namen: Tilia platyphyllos und Tilia cordata). Oder ein Schwitztee mit Blüten des schwarzen Holunders (Sambucus nigra), der bereits seit der Steinzeit von Menschen genutzt wird. Die Blüten des Strauches finden sich auch in vielen Teemischungen gegen Erkältungskrankheiten; sie steigern die Bronchialsekretion.

So lässt sich die Erkältung mit etwas Glück – eingekuschelt auf dem Sofa und mit einer dampfenden Tasse Tee in den Händen – zu Beginn der Krankheit noch ausschwitzen, bevor sie sich zu voller Stärke aufbaut. Linden- und Holunderblüten können dabei auch zusammen eingesetzt werden. Zu beachten ist bei solchen Behandlungen aber, dass ausgeprägtes Schwitzen Herz und Kreislauf stark fordern kann. Vorbelastete Patienten sollten deshalb in der Apotheke darauf hingewiesen werden.

Mit Primeln gegen den Husten Ist die Erkältung schon da, dann richtet sich die Teewahl nach den Symptomen. Bei Husten helfen die Wurzeln von Frühlings- und Waldschlüsselblume (Primula veris und Primula elatior) oft gut, erklärt Dr. Ursula Sellerberg aus Berlin. Sie enthalten einen hohen Anteil schleimlösender Saponine. Das macht sie zu einem guten Sekretolytikum bei festsitzendem Husten. Das verflüssigte Sekret lässt sich leichter abhusten.

Für den Tee überbrüht man pro Tasse ein bis zwei Teelöffel der streichholzdicken Wurzeln mit kochendem Wasser, lässt das Gemisch abgedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen, um die Wirkstoffe auszulösen, seiht die festen Bestandteile mit einem kleinen Sieb ab – und fertig ist der Hustentee. Empfohlen wird eine Einnahme mehrmals täglich, vor allem morgens und abends. Allerdings mag nicht jeder diesen Tee. Deshalb kombiniert man ihn oft mit weiteren Pflanzen wie Anis. Das verbessert den Geschmack und die Patienten können mehr davon trinken. Jedenfalls die meisten.

WANN BESSER ZUM ARZT?
Die Selbstbehandlung mit Heiltees hat natürlich Grenzen, die Sie kennen sollten. So ist ein Arztbesuch fällig, wenn die Beschwerden nicht in zwei bis drei Tagen zurückgehen oder sich sogar verschlimmern sollten. Besonders bei Blasenentzündungen, die ja auch in die Nieren aufsteigen können, sollten Ihre Kunden dann den Arzt aufsuchen. Vielleicht ist ein Antibiotikum erforderlich.

Malve beruhigt den Hals Wenn der Hals trocken und kratzig ist und der Patient sich ständig räuspert, können Malvenblüten Erleichterung bringen. Sie enthalten einen Schleimstoff, der sich auf die Schleimhaut legt und Reizhusten beruhigt. Die Blüten werden dafür bei gelegentlichem Umrühren für zwei bis drei Stunden mit kaltem Wasser angesetzt, um die Schleimstoffe herauszulösen. Kurz vor dem Trinken wird dann auf mindestens 80° Celsius erhitzt. Das soll Bakterien abtöten, die sich inzwischen entwickelt haben könnten. Medizinisch nutzbar sind Wilde Malve (Malva silvestris) und Wegmalve (Malva neglecta); sie stecken in vielen Hustentees. Beide Pflanzen findet man oft auf Schuttplätzen, an Wegrändern und Mauern.

Gurgeln gegen Halsschmerzen Tägliches mehrmaliges Gurgeln mit Thymian- oder Salbeitee kann schmerzhafte Entzündungen im Hals lindern. Basis des Salbeitees sind die länglichen Blätter des echten Salbeis (Salvia officinalis), die unter anderem Gerbstoffe und ätherische Öle enthalten und gegen Bakterien und Viren wirken. Vom Thymian (Thymus vulgaris) wird das Kraut der Pflanze verarbeitet. Thymian wirkt antibakteriell und schleimlösend, eignet sich also bei festsitzendem Husten. Beide Pflanzen stammen übrigens ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Sie werden bei uns angebaut und in Gärten gezogen.

Dampfbad mit Kamille Ein überliefertes Hausmittel ist das Kamillen- Dampfbad bei verschnupfter Nase und entzündeten Nebenhöhlen. Es ist einfach durchzuführen und kann zum Beispiel Schnupfenbeschwerden lindern. Der Patient übergießt die Kamillenblüten mit kochendem Wasser und atmet die Dämpfe dieses Aufgusses dann unter einem großen Handtuch ein. Kamille wirkt entzündungshemmend und antiseptisch. Der inhalierte Dampf transportiert Wirkstoffe auch an sonst schwer zugängliche Stellen des Nasen-Rachenraumes. Einer davon (Apigenin) ist jedoch nur in Alkohol löslich – er kann demnach in Wasser nicht wirken.

Das Dampfbad wird mit Echter Kamille durchgeführt (Chamomilla recutita oder Matricaria chamomilla, Feldkamille). Die Heilpflanze stellt kaum Ansprüche an ihre Umgebung und gedeiht üppig an Feld- und Wegrändern, auf Schuttplätzen und auf Brachland. Bärentraube bei Blasenentzündung Klassisches Mittel gegen Blasenentzündung ist die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), auch Harnkraut genannt. Wirksam ist das Arbutin in den Blättern, ein Glykosid. Daraus wird im Körper Hydrochinon abgespalten, das in der Blase antibakteriell aktiv ist. Der Tee wirkt allerdings nur bei basischem Harn und sollte nicht länger als acht Tage und nicht öfter als fünf Mal im Jahr eingesetzt werden, da Hydrochinon leberschädigend und potenziell krebserregend ist.

Zwei bis vier Tassen täglich werden bei akuter Blasenentzündung in der Literatur empfohlen. Der Patient sollte außerdem viel trinken, etwa Wasser, um einen Ausspüleffekt zu erzielen. Einen Schwachpunkt hat der Tee noch: „Die Bärentraubenblätter schmecken nicht besonders gut”, sagt Sellerberg. Soll heißen: Wegen des hohen Gerbstoffanteils zieht es den Patienten den Mund zusammen. Auch verträgt nicht jeder Magen das Getränk ohne Murren. Der Tee wird deshalb mit kaltem Wasser angesetzt – heißes Wasser würde zu viele Gerbstoffe freisetzen. Der Ansatz steht bis zu 24 Stunden und wird vor dem Trinken kurz erhitzt. Eine verträglichere und schnellere Alternative bieten fertige Bärentrauben-Instant-Tees aus der Apotheke.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 ab Seite 19.

Helga Brettschneider, hbrettschneider@hotmail.com

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