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Sobald es bei uns Winter wird, zieht es viele reiselustige Zeitgenossen in wärmere Gefilde. Wenn auch Ihre Kunden eine Fernreise planen, sollten Sie ihnen wichtige reisemedizinische Tipps mitgeben.
Ob Brasilien, Thailand oder Südafrika – Fernreisen erfreuen sich großer Beliebtheit und sind mittlerweile auch für Normalverdiener erschwinglich geworden. Und so zieht es Jahr für Jahr zahlreiche Deutsche in die Ferne, viele davon in tropische Regionen. Die meisten Globetrotter planen ihre Reise detailliert und informieren sich im Vorfeld über Klima, Kultur und kulinarische Genüsse im Reiseland. Auch über mögliche Gesundheitsrisiken möchten Reisefans aufgeklärt sein, um vor Ort keine bösen Überraschungen erleben zu müssen. Dabei spielt die Apotheke eine wichtige Rolle. Denn hier kann und sollte sich der Kunde vor dem Abflug über gesundheitliche Risiken und Prophylaxe-Maßnahmen informieren.
Mücken auf Abstand halten Bekanntermaßen gibt es vor allen in den tropischen Gebieten der Erde zahlreiche gefährliche, teilweise sogar lebensbedrohliche Infektionskrankheiten, die in den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas kaum bekannt sind. Viele von ihnen werden durch Stechmücken auf den Menschen übertragen. Dazu zählen unter anderem die Malaria, das Dengue- und das West-Nil-Fieber, das Gelbfieber sowie die Japanische Enzephalitis. Nur gegen die beiden letztgenannten Erkrankungen gibt es bisher Schutzimpfungen. Schon allein deshalb ergibt sich für Fernreisende die Notwendigkeit, Moskitos grundsätzlich auf Distanz zu halten.
Tierisch gefährlich Die sicherlich bekannteste und häufigste Tropenkrankheit ist die Malaria, die durch die Stiche der dämmerungs- und nachtaktiven Anopheles-Mücke auf den Menschen übertragen wird. Es gibt unterschiedliche Malariaarten, von denen jedoch die Malaria tropicana die gefährlichste ist. Die meisten Fälle treten in Afrika, südlich der Sahara, auf. In Deutschland werden pro Jahr etwa 900 Malariafälle gemeldet. Eine Schutzimpfung gibt es leider nicht, wohl aber zahlreiche verschreibungspflichtige Medikamente zur Prophylaxe, beispielsweise Chloroquin, Proguanil und Mefloquin. Welches Prophylaktikum infrage kommt, hängt von Faktoren wie der Resistenzlage am Urlaubsort, der Art und der Dauer der Reise ab.
Wichtig zu wissen: Viele Arzneimittel zur Chemoprophylaxe müssen bereits eine Woche vor Reiseantritt und auch noch einige Wochen nach dem Urlaub regelmäßig eingenommen werden. Darauf sollten Sie Ihre Kunden bei der Abgabe hinweisen. Aktuelle Informationen über Malariagebiete und Prophylaxe-Maßnahmen hält unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) auf ihrer Homepage (www.dtg.org ) bereit. Gelbfieber ist eine durch Mücken übertragene Virusinfektion, die vor allem in vielen Gebieten Afrikas und Südamerikas verbreitet ist.
Bei Reisen in manche Länder ist eine Gelbfieberimpfung, die mindestens zehn Tage vor Einreise erfolgen muss, Pflicht. Geimpft werden darf ausschließlich in autorisierten Gelbfieberimpfstellen. Wo es eine Impfstelle in Wohnortnähe gibt, können Globetrotter beispielsweise auf der Internetseite des Centrums für Reisemedizin (www.crm.de ) oder beim Deutschen Grünen Kreuz (www.dgk.de ) in Erfahrung bringen. In Südostasien und Fernost ist die Japanische Enzephalitis verbreitet, bei der die Krankheitserreger durch nachtaktive Stechmücken übertragen werden. Da die Erreger gefährliche Hirn- und Hirnhautentzündungen verursachen können, sollten sich Asienreisende rechtzeitig erkundigen, ob eine Impfung ratsam ist.
Fit im Flieger
Eine Fernreise beginnt in aller Regel mit einem Langstreckenflug, der den Körper durchaus strapazieren kann. Das stundenlange beengte Sitzen, der verringerte Luftdruck und die geringe Luftfeuchtigkeit an Bord machen selbst robusten Menschen zu schaffen. Damit Venen, Kreislauf und Schleimhäute nicht leiden, können Sie Ihren Kunden folgende Tipps mit auf die Flugreise geben:
+ Im Flieger unbedingt weite Kleidung und flache, bequeme Schuhe tragen.
+ Über den Wolken zwischendurch immer mal wieder aufstehen, ein wenig im Gang auf- und abgehen
und im Sitzen mit den Füßen wippen, um die Venenpumpe der Wade in Schwung zu halten.
+ Auf Langstreckenflügen, vor allem bei bereits bestehenden Venenproblemen, spezielle Stütz- oder
Kompressionsstrümpfe tragen, die von außen Druck auf die Gefäße ausüben.
+ An Bord regelmäßig und viel trinken, jedoch auf alkoholische Getränke verzichten. Ideale
Durstlöscher sind Wasser, Saftschorlen sowie Früchte- oder Kräutertees.
+ Die Nasenschleimhaut zwischendurch mit salzhaltigem Nasenspray befeuchten.
Krank durch Lebensmittel Ein Risiko für die Gesundheit geht auf Fernreisen nicht nur von Stechmücken, sondern vor allem auch von verunreinigten Nahrungsmitteln aus. So sind bestimmte Erreger, die durch Trinkwasser oder Kontamination von Lebensmitteln in den Körper gelangen, sehr häufig für die Reisediarrhoe, die Reisekrankheit Nummer Eins, verantwortlich. Oft sind Kolibakterien Auslöser mitunter heftiger Magen-Darm-Infektionen, seltener Bakterienarten, wie bei spielsweise Salmonellen, Ruhr- oder Choleraerreger.
Um der Reisediarrhoe vorzubeugen, sollten Touristen auf Fernreisen einige „Diätregeln“ beachten. Dazu gehört es beispielsweise, kein Leitungswasser zu trinken, auf Eiswürfel in Getränken zu verzichten, rohe und halbgare Speisen zu meiden und die bewährte Regel „Koch’ es, schäl’ es oder vergiss’ es“ zu beherzigen. Wichtig ist außerdem, peinlich auf Hygiene zu achten und die Hände regelmäßig gründlich zu waschen. Weisen Sie Ihre Kunden in Zusammenhang mit der Reise diarrhoe auf die Notwendigkeit hin, für den „Ernstfall“ unbedingt orale Rehydrationslösungen sowie Antidiarrhoika in die Reiseapotheke zu packen.
CHECK-UP
Erinnern Sie reiselustige Kunden daran, dass …
Gut geschützt gegen Keime Gegen manche Erkrankungen, die in fernen Gefilden durch verunreinigte Nahrungsmittel auf den Menschen übertragen werden, gibt es wirksame Schutzimpfungen. Sinnvoll ist für Globetrotter auf jeden Fall eine Impfung gegen Hepatitis A, denn die berüchtigte „Reisegelbsucht“ tritt nicht nur in exotischen Regionen der Erde, sondern auch in Süd- und Osteuropa auf. Besonders groß ist das Infektionsrisiko jedoch bei Fernreisen nach Afrika, Mittel- und Südamerika, Ost- und Südostasien sowie nach Indien. Ebenfalls ist es möglich – und abhängig vom Reiseziel und der Reiseart auch äußerst sinnvoll – sich gegen Cholera und Typhus immunisieren zu lassen und zu überprüfen, wie es um den Schutz gegen Polio bestellt ist.
Erinnern Sie reiselustige Kunden ruhig auch noch einmal daran, dass der Impfschutz gegen Diphtherie und Tetanus alle zehn Jahre aufgefrischt werden muss. Während gesetzlich Versicherte erforderliche Reiseimpfungen bis vor einigen Jahren aus eigener Tasche bezahlen mussten, können die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten seit 2007 übernehmen. Viele haben sich bereits dazu entschlossen. Unter www.crm.de können Ihre Kunden herausfinden, ob auch ihre Krankenversicherung für Reiseimpfungen zahlt.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 ab Seite 14.
Andrea Neuen-Biesold, aneuen888@aol.com
Stichworte: Fernreisen, Gelbfieber, Impfen, Japanische Enzephalitis, Malaria, Reise, Urlaub