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Pro Jahr gibt es etwa zwei Millionen Behandlungsfälle mit Läusen. Der Klassiker im Kampf gegen die Plagegeister auf Kinderköpfen ist pflanzlicher Herkunft.
Wer Läuse hat, will vor allem eines wissen: Wie krieg ich sie wieder los – und zwar möglichst schnell und endgültig. Natürlich wünschen die Eltern von betroffenen Kindern auch ein Mittel, das möglichst gut verträglich ist. Der Markt an Läusemitteln hat in den vergangenen Jahren an Umfang stark zugenommen. Neben den insektizid wirkenden Arzneimitteln sind nun zahlreiche Medizinprodukte auf Silikonöl- oder Kokosölbasis erhältlich, die physikalisch wirken und die Läuse ersticken.
Altbewährtes Mittel Der Meilenstein unter den Läusemitteln enthält pflanzliche Wirkstoffe: die Pyrethrine. Sie werden aus den Blüten der Chrysanthemen-Pflanze (Chrysanthemum cinerariaefolium) gewonnen und dann zu einem gereinigten, von Allergenen befreiten Pyrethrumextrakt mit einem standardisierten Wirkstoffverhältnis aufgearbeitet. Die auch Dalmatinische Insektenblume genannte Nutzpflanze sieht der Margerite sehr ähnlich: eine bis zu einem Meter hohe Staudenpflanze mit gelben Röhrenblüten, umgeben von einem Kranz weißer Zungenblüten.
Doch Besuch von Insekten bekommt die Pflanze selten, denn sie enthält ein für sie tödliches Gift. Diese Eigenschaft macht man sich unter anderem in der Bekämpfung von Kopfläusen zu nutze: Das Toxin lähmt das Nervensystem von Läusen, Larven und von den heranwachsenden Larven in den Nissen. In Kombination mit dem Hilfsstoff Diethylenglykol, der die Nissen austrocknet, wird der Inhalt der Läuse- Eier für den Wirkstoff zugängig gemacht.
Für Menschen und Säugetiere hingegen hat sich das Läusemittel bei bestimmungsgemäßer Anwendung als praktisch ungiftig erwiesen. Generell wird die Humantoxizität der in Deutschland zugelassenen insektiziden Arzneimittel gegen Kopflausbefall als äußerst gering eingestuft.
In den gebräuchlichen Dosierungen werden sie so gut wie nicht dermal resorbiert. Außerdem kann der menschliche Organismus im Gegensatz zu Läusen und anderen Kaltblütern, die über einen langsameren Stoffwechsel verfügen, geringfügige Mengen deutlich besser metabolisieren und vollständig ausscheiden. Neben einer zuverlässigen Anti-Läusewirkung hat der natürliche Wirkstoff den Vorteil, dass er sich durch Licht und Luft innerhalb kürzester Zeit abbaut.
Bestnote im Test Aus diesen Gründen ist der Einsatz von Pyrethrumextrakt heute aktueller denn je. Auch in der Beurteilung der Stiftung Warentest hat das natürliche Insektizid, das seit 30 Jahren das am häufigsten verwendete Mittel gegen Kopfläuse ist, gut abgeschnitten. Gemeinsam mit dem synthetischen Wirkstoff Permethrin erhielten die beiden als Arzneimittel zugelassenen Läusemittel die Bestnote „geeignet“. Das natürliche Pyrethum sei als Insektizid in seiner therapeutischen Wirksamkeit gut belegt und gelte als gut verträglich, begründete das Testinstitut seine Entscheidung.
Kopflausmittel mit natürlichen oder synthetischen Ölen, die die Läuse ersticken, hält die Stiftung Warentest für wenig oder nur mit Einschränkung geeignet. Ihre therapeutische Wirksamkeit sei noch nicht ausreichend nachgewiesen. „Am besten verschwinden die Kopfläuse durch Auskämmen in Kombination mit einem Insektizid wie Pyrethrum oder Permethrin“, empfehlen die Tester. Sie folgten damit einer Expertise des Robert Koch-Institutes (RKI), das ebenfalls zur Anwendung insektizider Kopflausmittel rät.
Das RKI betont, dass die Behandlung nach etwa neun Tagen wiederholt und durch sorgfältiges Auskämmen mit einer Pflegespülung ergänzt werden sollte. Insbesondere das regelmäßige nasse Auskämmen mit Pflegespülung sowie die Wiederholungsbehandlung können laut RKI unabhängig von der Mittelwahl durchaus therapeutische Relevanz besitzen, indem auf diese Weise Läuse und Larven eliminiert werden, die möglicherweise die Erstbehandlung überlebt haben.
Keine Gefahr Den Vorwurf, dass Insektizide für Kinderköpfe schädlich seien, weist die Stiftung zurück. Als behördlich nach Infektionsschutzgesetz geprüfte und anerkannte insektizide Kopflaus-Arzneimittel besteht der doppelte Nachweis ihrer Unbedenklichkeit: Zum einen werden sie aufgrund ihrer Arzneimittelzulassung in ihrer Toxizität beurteilt, zum anderen aufgrund ihrer behördlichen Zulassung nach Infektionsschutzgesetz.
Die behördliche Prüfung umfasst die Wirksamkeit (zuständig ist das Umweltbundesamt) sowie die gesundheitliche Unbedenklichkeit bei der Anwendung am Menschen (zuständig ist das Bundesinstitut für Risikobewertung). Alle Präparate werden – gerade weil sie auch für die Anwendung an Kindern gedacht sind – erst dann zugelassen, wenn die Wirksamkeits- und Umweltverträglichkeitsprüfung im Umweltbundesamt durchgeführt und die Verträglichkeit am Menschen geprüft wurde.
THERAPIEPLAN FÜR IHRE KUNDEN
1. Tag: Mit einem Insektizid behandeln und nass auskämmen
5. Tag: Nachgeschlüpfte Larven durch Auskämmen des nassen Haares entfernen
8., 9. oder 10. Tag: Kontrolle und weitere Behandlung mit Insektizid
13. Tag: Kontrolle durch nasses Auskämmen
17. Tag: Letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen.
Dabei ist zu beachten:
Bedenkliche Mittel wie Lindan wurden demgemäß mittlerweile vom Markt genommen. Auch eine Kombination von vier Prozent Dimethicon und 96 Prozent Cyclometicon hat negative Schlagzeilen gemacht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte informierte Anfang dieses Jahres darüber, dass es in den Niederlanden bei der Anwendung zu schweren Verbrennungen von Haut und Haaren gekommen ist. Als zündende Quellen gelten neben offenen Feuern auch Zigaretten, gasbetriebene Boiler sowie Föns.
Kritisch werden von Stiftung Warentest Sprays gegen Läuse gesehen, denn es besteht das Risiko, den Wirkstoff als Sprühnebel einzuatmen, was zu Schleimhautreizungen, allergischen Reaktionen und Asthmaanfällen führen kann. Das arznei-telegramm hat zuletzt im Juli auch auf die Gefahr von Verpuffungen mit der möglichen Folge schwerer Verbrennungen hingewiesen. Da die Kombination von Pyrethrum mit Diethylenglykol gegen alle Entwicklungsstadien der Laus wirksam ist, kann auf das lange Einwirken des Produktes verzichtet werden.
Pyrethrumreste, die nach dem Auswaschen möglicherweise zurückbleiben, zerfallen unter Licht- und Sauerstoffeinwirkung und verbleiben nicht im Haar und der Kopfhaut. Vorteilhaft ist ferner, dass beim anschließenden nassen Auskämmen auf die separate Verwendung einer kosmetischen Spülung verzichtet werden kann. Das Produkt verfügt nämlich bereits über die kosmetischen Eigenschaften eines Haarshampoos. Diese Eigenschaften erleichtern das Auskämmen.
Tipps zur richtigen Anwendung Nach Angaben des RKI werden hierzulande nur vereinzelt Resistenzen gegen Pedikulozide vermutet. Da jedoch in anderen europäischen Ländern sowie weltweit bereits Resistenzen insbesondere gegen Permethrin und Malathion (in Deutschland nicht zugelassen) beobachtet wurden, mahnt das Institut zu erhöhter Aufmerksamkeit. Vor allem sind Fehler bei der Anwendung aller Läusemittel zu vermeiden, die das selektive Überleben widerstandsfähiger Läuse und ihre Weiterverbreitung im Sinne einer resistenten Population fördern.
Gemeint ist damit eine erhöhte Vitalitätstoleranz, wie sie teilweise in jeder Läusepopulation vorkommt. Sie betrifft nicht zwingend nur den für insektizide Wirkstoffe problematischen Metabolismus der Laus. Berichtet wird vielmehr auch von Abwehrmechanismen gegenüber physikalischen Einflüssen. So sollen Läuse zum Beispiel auf keine kontinuierliche Atmung angewiesen sein, ihre Atemöffnungen aktiv verschließen und zudem eingedrungene Fremdstoffe durch eine Erhöhung des intrathorakalen Drucks aus dem Atmungssystem aktiv entfernen können.
In diesem Punkt sind Sie als Beratungsfachkraft gefragt: Um zu verhindern, dass es durch Fehler in der Anwendung zu Misserfolgen in der Behandlung kommt, sprechen Sie mit Ihren Kunden den Therapieplan durch. Ist ein Familienmitglied von Läusen betroffen, müssen auch die anderen genau untersucht werden. Die Betroffenen sollten sich nicht zieren, auch Freunde und Freundinnen zu informieren. Besucht das Kind Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindertagesstätten, sind diese zu benachrichtigen. Schamhaftes Verschweigen ist völlig fehl am Platz, denn dies begünstigt die Ausbreitung der Läuse und führt oftmals zu einem Teufelkreis an Neuansteckungen.
Zu einer kompletten Behandlung gehört auch die Behandlung der häuslichen Umgebung. Zwar halten sich Läuse nur ungern außerhalb ihrer Blutquelle auf, denn sie können dort nur wenige Stunden überleben und werden deshalb nur selten über Gegenstände übertragen. Um allerdings ganz sicher zu gehen, sollten auch Textilien (Handtücher, Leib- und Bettwäsche bei 60 Grad waschen) und Gebrauchsgegenstände (Kämme, Bürsten mit heißer Seifenlauge) gereinigt werden. Die geliebten Kuscheltiere wandern für zwei Tage in die Tiefkühltruhe oder für drei Tage in einen gut verschlossenen Plastiksack. Polstermöbel und Teppiche sind gut abzusaugen, sollen aber nicht mit Insektiziden besprüht werden. Adressen im Internet: www.kindergesundheit-info.de, www.rki.de (Robert Koch-Institut) und www.kopflaus.de
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/09 ab Seite 30, das Gewinnspiel auf Seite 25.
Dr. Susanne Poth, redaktion.poth@arcor.de
Stichworte: Diethylenglykol, Insektizid, Kopflaus, Läuse, Pedikulozid, Pyrethrin, Pyrethrumextrakt, Pythopharmaka, Stiftung Warentest