Muskeln und Gelenke

Beugen und strecken

Abbildung © Anton Hlushchenko / www.iStock.photo.com © Anton Hlushchenko / www.iStock.photo.com

Alle unsere Bewegungen basieren auf dem Zusammenspiel von Muskeln und Gelenken. Wie funktioniert das, wo gibt es Störungen und wie kann man helfen?

Unsere Skelettmuskulatur zieht sich auf Befehl zusammen und entspannt sich wieder. Das ist nur möglich, weil jeder Muskel beziehungsweise jede Muskelgruppe zwei oder mehr Ansatzpunkte an den zu bewegenden Knochen hat – die Sehnen. Kontrahiert ein Muskel, zum Beispiel der Bizepsmuskel des Oberarms, dann bewegen sich diese Ansatzpunkte aufeinander zu und das dazwischen liegende Gelenk, der Ellenbogen, wird gebeugt. Gleichzeitig muss jedoch der entgegengesetzt arbeitende Muskel, der Trizeps, entspannt werden. Erst dann wird der Unterarm angewinkelt.

Muskelfasern

Sie können bis zu zwölf Millimeter lang sein und sind durch Verschmelzung mehrerer Muskelzellen entstanden. Die Muskelfasern sind wiederum durch Bindegewebe zu Funktionseinheiten zusammen geschlossen. Der größte Teil einer solchen Faser besteht aus Myofibrillen, den kontraktilen Elementen des Muskels, die in parallelen Längsbündeln angeordnet sind. Die Fibrillen sind aus aneinander gereihten Zylindern, den Sarkomeren, aufgebaut. Dies sind die kleinsten funktionellen Einheiten des Muskels. Die Ruhelänge eines Sarkomers beträgt 2,3 Mikrometer.

Im Mikroskop lassen sich darin abwechselnd helle und dunkle Bänder erkennen, daher auch der Name quergestreifte Muskulatur. Sie werden durch die Anordnung der dicken Myosin- und der dünneren Aktinfilamente verursacht, die sich an ihren Enden jeweils überlappen. Die Muskelfasern stehen in Kontakt mit einer Nervenendigung und reagieren auf ihr Signal mit Kontraktion. Dabei greifen die Myosinmoleküle wie kleine Widerhaken in die Aktinfäden und ziehen sie aufeinander zu. Die beiden Proteine schieben sich ineinander und die Muskelfaser verkürzt sich. Bei komplizierten Bewegungsabläufen müssen auf diese Weise viele Millionen Fasern koordiniert werden.

Probleme im Muskel

Die Bandbreite reicht vom Krampf über den Muskelkater bis zur Zerrung und zum Muskelfaserriss. Beim Muskelkrampf handelt es sich um eine schmerzhafte und unwillkürliche Kontraktion eines Muskels oder ganzer Gruppen. Er hält Sekunden bis Minuten an, dabei ist der betroffene Muskel spürbar verhärtet.

Der gewöhnliche Muskelkrampf tritt oft ohne erkennbare Ursache in der Nacht auf, besonders in der Wade oder der Muskulatur des Fußgewölbes. Im Akutfall muss zuerst die verkrampfte Muskulatur gedehnt werden. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen können prophylaktisch regelmäßige Dehnübungen am Tage versucht werden. Als medikamentöse Therapie, auch während der Schwangerschaft, ist nach wie vor Magnesium das Mittel der Wahl.

Chinin hat sich zwar als wirksam erwiesen, soll aber wegen der seltenen, jedoch schweren Nebenwirkungen, wie intravasale Blutgerinnung und Thrombozytopenie, nicht empfohlen werden. Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat den Verkehr aller freiverkäuflichen chininhaltigen Medikamente bereits 2006 untersagt.

Sind die Muskeln vor einer Belastung nicht ausreichend aufgewärmt, so sind die einzelnen Muskelfasern auch nicht optimal dehnbar. Ruckartige Bewegungen können zur Überdehnung der Fasern führen. Man spricht von einer Muskelzerrung. Bei extremer Überdehnung einer Muskelfaser kann es zum Muskelfaserriss kommen. Dies geschieht besonders bei abrupten Drehbewegungen und Beschleunigungen und ist an einem kurzen, stechenden Schmerz erkennbar. Da Muskeln sehr gut durchblutet sind, heilen die Risse, wenn man den Muskeln ein wenig Ruhe gönnt, ohne Therapie schnell und vollständig aus.

Gelenke

Je nach Aufbau haben sie unterschiedliche Bewegungsachsen. Die größte Beweglichkeit ermöglicht das Kugelgelenk mit seinem Gelenkkopf und der dazu passend geformten Pfanne. Das Kniegelenk besitzt nur eine angedeutete Pfanne. Hier wird die Passform der Knochen durch Knorpelscheiben, die Menisken, stabilisiert. Die ellipsenförmigen Eigelenke, wie das Handgelenk, haben eine konvexe und eine konkave Gelenkfläche.

Sattelgelenke, wozu das Gelenk am Daumenansatz zählt, besitzen zwei konkav geformte Flächen, mit denen Bewegungen in zwei Richtungen möglich sind. Das Scharniergelenk erlaubt die Beweglichkeit nur entlang einer Achse. Der Ellenbogen oder die Mittel- und Endgelenke der Finger sind nur zur Beugung und Streckung befähigt. Um den Kontakt im Gelenk möglichst reibungsarm zu gestalten, sind die sich berührenden Knochenteile mit einer dünnen Knorpelschicht überzogen. Die Ernährung des Knorpels erfolgt über die Gelenkflüssigkeit, da er selbst keine Blutgefäßversorgung besitzt.

Arthritis oder Arthrose

Die Arthrose ist eine nichtentzündliche, chronische Erkrankung der Gelenkknorpel. Unter Arthritis versteht man eine Entzündung des Gelenks. Eine Arthrose kann zu einer Arthritis führen. Vor allem aber begünstigt eine Gelenkentzündung den Knorpelverschleiß und verschlimmert so die Arthrose. Deren Ursache wird in falscher körperlicher Belastung und Fehlhaltungen gesehen.

Prinzipiell können alle Gelenke des Menschen davon betroffen sein, tatsächlich trifft es aber überwiegend die von Hüfte, Knie, Schulterund Wirbelsäule. Weil das Knorpelgewebe keine Nerven besitzt, wird auch das frühe Stadium der Arthrose nicht bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt sterben durch die Reibung bereits einzelne Knorpelzellen ab. Die Knorpeloberfläche reißt ein und es bilden sich kleinste Vertiefungen im Knochen, die dann im Laufe der Zeit immer tiefer werden. Letztlich wird die eigentlich glatte Oberfläche des Knorpels rau und narbig, das Gelenk kann nicht mehr ohne Probleme und Schmerzen bewegt werden.

Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen, aber auch bestimmte Sportarten, wie Ballsportarten, begünstigen Arthrose. Schwimmen, Aquajogging, Walking, besonders Nordic Walking, und Radfahren sind dagegen zu empfehlen.

WOHER KOMMT DER MUSKELKATER?
Er ist oft eine Begleiterscheinung beim Training Ungeübter, tritt meistens 24 Stunden nach einer ungewohnten Belastung auf und verliert nach einigen Tagen seine schmerzhafte Wirkung. Fragt man nach der Ursache, erhält man oft als spontane Antwort: Das kommt von der Milchsäure! Es stimmt zwar, dass Milchsäure nach hohen körperlichen Anstrengungen in großer Menge produziert wird, aber am Muskelkater ist sie nicht schuld. Durch elektronenmikroskopische Untersuchungen konnte man kleine Mikrorisse im Muskelgewebe als Ursache ausmachen. Durch diese Risse dringt langsam Wasser ein, sodass sich kleine Ödeme bilden. Die Muskelfaser schwillt dabei an und wird gedehnt. Dieser Dehnungsschmerz ist der Muskelkater.

Arthrose behandeln

Gezielte Krankengymnastik kann verhindern, dass die Patienten zur Vermeidung von Schmerzen eine Schonhaltung einnehmen, die lediglich zu weiteren Muskelverspannungen und noch mehr Schmerzen führt. Denn nur durch ständige Bewegung kann die Umgebung des Gelenkknorpels weiterhin mit Nährstoffen versorgt und eine Versteifung des Gelenks verhindert werden. Bei der medikamentösen Therapie steht in den meisten Fällen die Schmerzlinderung im Vordergrund.

Bei leichten, gelegentlichen Schmerzen können Patienten auf freiverkäufliche Schmerzmittel aus der Apotheke zurückgreifen. Diese sollten aber höchstens an zehn Tagen im Monat und maximal drei Tage hintereinander eingenommen werden. Bei größeren Schmerzen und fortgeschrittener Arthrose müssen stärkere Analgetika unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Weisen Sie ihre Arthrosekunden auch auf die Möglichkeit einer Akupunkturbehandlung hin.

Eine an der Berliner Charité durchgeführte Studie hat Erfolge mit Akupunktur in der Behandlung von Arthroseschmerzen im Knie gezeigt. Knorpelaufbaupräparate, wie Glucosamin- oder Chondroitinsulfat, haben sich in leichteren Fällen oder als Begleittherapie der Arthrose bewährt. Glucosamin ist Bestandteil der Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit). Hyaluronsäure, die auch in der Gelenkflüssigkeit vorkommt, kann direkt ins Gelenk gespritzt werden.

KUGELGELENKE, WIE HÜFT- ODER SCHULTERGELENK, ERMÖGLICHEN BEWEGUNGEN IN SECHS VERSCHIEDENE RICHTUNGEN

Beugung – Flexion
Streckung – Extension
Abspreizen – Abduktion
Heranführen – Adduktion
Drehung vor und zurück – Rotation

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/09 ab Seite 14.

Sabine Bender, BenderSabine@web.de

Stichworte: Arthritis, Arthrose, Gelenke, Knorpel, Muskelfaserriss, Muskeln, Muskelzerrung, MuskulaturBänder, Sehnen

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