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In der Apotheke sind wir das wissenschaftliche Denken gewöhnt. Leider stecken wir damit aber auch in einer Falle. Ein Brainstorming verhilft zu ungewöhnlichen Einfällen!
Wenn Ideen auf kreative Weise gefunden werden sollen, ist das Ende in vielen Teams schon vor dem Anfang da. Die Vorstellung, dass es mehrere sehr gute Lösungswege eines Problems gibt, muss sich erst wieder in unserer Welt etablieren. Dazu kommt, dass manches, was anfangs aufwändig oder unmöglich erscheint, sich bei genauerem Hinsehen als richtiger Knüller entpuppt.
Brainstorming Die eigentliche Phase dauert nur 15 bis 20 Minuten, vorher gibt es eine Einführung mit Erläuterung der Fragestellung, hinterher werden einzelne Ideen weiter bearbeitet. Es ist wichtig, sauber zwischen diesen Arbeitsabschnitten zu trennen. Varianten für einen Ideenwasserfall gibt es viele; bei allen ist es wichtig, zunächst eine kurze Entspannungsübung durchzuführen. Auf diese Weise kann man Vergangenes loslassen und sich besser auf neue Fragestellungen konzentrieren.
Die einfachste Möglichkeit besteht darin, dass auf eine konkrete Fragestellung hin schnell und ungefiltert alle assoziierten Gedanken geäußert werden, die Teamleitung notiert laufend alle Ideen. Eine sehr fruchtbare Methode aus vielen zur Verfügung stehenden nennt sich 6 – 3 – 5 – usw. Methode, sie sei hier kurz erläutert.
Eine konkrete Fragestellung wird von sechs Personen folgendermaßen bearbeitet: Jede hat eine Tabelle vor sich, drei Spalten, sechs Zeilen mit ausreichend Abstand. In den ersten fünf Minuten trägt jede in die erste Zeile jeweils eine Idee in die drei Spalten ein. Danach gibt jede den Bogen nach links weiter. Jetzt haben die Kolleginnen alle drei Ideen der rechts von ihnen Sitzenden vor sich liegen, dazu schreiben sie in zwei Minuten in die zweite Zeile ihre eigenen, gerne auch „verrückten“ Assoziationen zur Verwirklichung des Obenstehenden.
Wichtig ist es, hier auf das Weiterführen zu achten, anstatt zu kritisieren oder anderweitig zu blockieren. Nun wird der Bogen in die gleiche Richtung weitergereicht usw. Wenn die Zettel wieder bei den Verursacherinnen angekommen sind, haben alle ihre Geistesblitze zu den jeweils in der ersten Zeile genannten Lösungsvorschlägen eingetragen. In 15 Minuten sind auf diese Weise achtzehn Antworten zu der ursprünglichen Frage genannt und weitergeführt worden. Das eigentliche Brainstorming ist hier zu Ende.
In der nächsten Phase geht es um die Auswahl und Umsetzung der ersten Lösung. Alle anderen werden als Pool für die spätere Anwendung aufbewahrt. Sie können bereits vorsortiert werden, dabei gelten schnelle Umsetzbarkeit, finanzieller Aufwand, möglichst geringer Einsatz des Personals usw. als Ordnungskriterien. Falls eine Idee dabei ist, die bei allen Begeisterung auslöst, ist diese als erste Wahl anzusehen. Begeisterung beflügelt. Wenn wir hoch motiviert sind, nehmen wir alle Hürden in Nullkommanix.
Anwendbarkeit Was hat die PTA davon? Ist das ganze Team probierbereit, lassen sich alle Fragestellungen auf diese Weise bearbeiten. Jede PTA kann die Themen auf den Tisch legen, die sie zuviel Zeit kosten, zu kompliziert zu bearbeiten sind etc., um sich Erleuchtung für eine bessere Organisation oder anderweitige Erleichterung zu holen.
Für die Sturmphase brauchen wir nur eine halbe Stunde nach Feierabend oder in der Mittagspause vor dem Wiederbeginn. Eine Person leitet, achtet als Anheizerin auf die Zeit und hält die Gruppe in der Konzentration. Abschweifungen und Austausch untereinander sind unbedingt zu unterbinden, es herrscht absolute Stille bei schriftlichem Tun.
Dranbleiben Killerphrasen wie „Das bringt doch sowieso nichts!“, „Das haben wir schon vor zwanzig Jahren versucht!“, Zeitdruck, frühzeitige Kritik an geäußerten Ideen, Uninformiertheit über das eigentliche Problem und Ziel – hier handelt es sich schlichtweg um Vorurteile oder eine falsch angewandte Technik. Es ist vollkommen normal, dass nach anfänglicher Freude über den Reichtum an Entwürfen etwas Ernüchterung eintritt. Hier gilt es, dranzubleiben und sich nicht auf womöglich im Team nistende Miesmacherinnen einzulassen.
Erscheint eine Idee noch etwas sperrig, sind die Rollen der Macherin und die der Zweiflerin zu besetzen. Letztere sollte nicht mäkeln, sondern Einwände so formulieren, dass sie herausfordern und Schwieriges doch noch umsetzbar machen. Die Rollen sind dabei so zu besetzen, dass die Kolleginnen, die sowieso immer etwas auszusetzen haben, in die Gegenrolle schlüpfen. Sie können nun zeigen, zu welcher Findigkeit und Schliche sie fähig sind.
VORAUSSETZUNGEN FÜR EINE ERFOLGREICHE STORMINGPHASE
+ rechtzeitige Einladung mit Information über das Thema
+ Bereitstellung von Utensilien wie Schreibmaterial, Ideenkarten etc.
+ Zeitdauer von 15 bis 20 Minuten
+ Störungsfreier und ruhiger Raum
Alle Teilnehmerinnen sind gleichberechtigt:
+ jede wird gehört, unabhängig von Alter, Beruf etc.
+ keine Killerphrasen
+ keine Kritik während der Stormingphase
+ alle Ideen werden kurz erläutert
+ Quantität geht vor Qualität
+ alle Ideen werden zunächst notiert
+ Neuartigkeit und Originalität zählen mehr als Vernunft und Logik
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/09 ab Seite 26.
Ute Jürgens, PTA, Dipl.-Erw. Pädagogin
Stichworte: Brainstorming, Ideen, Kommunikation, Kreativität, Marketing