Hygiene

Alles proper?

Abbildung © Oleg Prikhodko / www.iStockphoto.com © Oleg Prikhodko / www.iStockphoto.com

Einwandfreie hygienische Bedingungen und Apotheke gehören zusammen. Wie würden Sie reagieren, wenn man Ihnen an einem verdreckten Tisch den Blutzucker misst?

Sauberkeit, eine gut sortierte übersichtliche Freiwahl, eine aufgeräumte Beratungsecke sowie gepflegte Apothekenmitarbeiter: dies bemerken Ihre Kunden sofort. All das gehört zum Aushängeschild Ihrer Apotheke. Im Umgang mit kranken Menschen – Ihren Kunden – ist der Infektionsschutz zu beachten, ähnlich wie in einer Arztpraxis. Außerdem werden besondere Anforderungen an die Herstellung von Arzneimitteln gestellt. Bestimmte Hygiene- und Ordnungsstandards sind in einer Apotheke laut Apothekenbetriebsordnung §4 Pflicht.

Reinigung nach Plan  Jede Apotheke sollte zur Sicherung der Qualität einen Hygieneplan erstellen, der für die Raum-, Geräte- und Personalhygiene gilt. Der Bereich der physiologisch-chemischen Untersuchungen sowie die Herstellung von Arzneimitteln bedürfen einer besonderen Einhaltung geeigneter Desinfektionsmaßnahmen zur Sicherung des Infektionsschutzes gegen pathogene Keime wie Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Enterobakterien und Escherichia coli.

Dazu gehört, dass nicht nur sichtbar verunreinigte Bereiche gereinigt und desinfiziert, sondern regelmäßige Reinigungsmaßnahmen durchgeführt werden. Der Hygieneplan legt fest, welche Bereiche, in welchen Zeitabständen, mit welchen Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln, von wem gesäubert werden. Eine Person ist für die ordnungsgemäße Umsetzung des Hygienekonzeptes verantwortlich. Checklisten zur Reinigung der Räume sind dazu eine gute Hilfe. Die Erledigung wird dann per Kürzel abgezeichnet. So ist immer klar, wer der Ansprechpartner bei eventuellen Beanstandungen ist.

Wird die Säuberung der Räume durch eine Reinigungskraft vorgenommen, ist auch diese mit den festgelegten Reinigungsstandards vertraut zu machen. Im Falle der Abwesenheit der verantwortlichen Person muss eine Vertretung bestimmt sein. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin sollte Kenntnis über die festgelegten Maßnahmen haben. Bei Einführung eines Hygienekonzeptes ist eine allgemeine Mitarbeiterschulung ein gutes Instrument, um den Teammitgliedern die wichtigen Aspekte nahe zubringen. Alle Apothekenmitarbeiter verpflichten sich, diese Regeln einzuhalten und zur Verbesserung des Hygienestatus beizutragen.

Tipps zur Flächendesinfektion  Arbeitsflächen keimfrei zu machen dient dem Ziel, mögliche Infektionsquellen zu beseitigen. Diese Bereiche werden mit einem geeigneten Desinfektionsmittel in ausreichender Menge unter leichtem Druck abgerieben. Starke Kontaminationen werden zunächst entfernt und die betroffenen Stellen anschließend entkeimt. Zu empfehlen sind 2-propanolhaltige Desinfektionsmittel, die nur eine kurze Einwirkzeit aufweisen. Eine Sprühdesinfektion erzielt nur eine begrenzte Wirkung und sollte lediglich dann durchgeführt werden, wenn ein Abwischen von Flächen oder Gegenständen nicht möglich ist.

HYGIENEMASSNAHMEN BEI BLUTUNTERSUCHUNGEN
+
vor Beginn Prüfung der Messplatzes auf Sauberkeit
+ Einmalhandschuhe anziehen
+ Punktierhilfe vorbereiten, Lanzetten immer nur einmalig verwenden
+ Händedesinfektion beim Kunden
+ gebrauchte Tupfer, Teststreifen und Lanzetten in eine separate deklarierte 
   Entsorgungsbox geben
+ Punktionsstelle des Patienten mit einem Pflaster versorgen
+ nach der Messung Aufräumen und Desinfizieren des Messplatzes sowie der
   gebrauchten Geräte

Allgemeine Empfehlungen  Die baulichen Gegebenheiten der Apothekenräume sollten möglichst „reinigungsfreundlich“ sein, das heißt beispielsweise Arbeitsflächen und Böden ohne Fugen oder Textilien, um sie feucht reinigen zu können. Die Putzutensilien sind nach Gebrauch wieder in einen einwandfreien Zustand zu bringen, sodass ein Keimwachstum vermieden wird. Außerdem sollte die Reinigung der Entfernung und nicht der Verbreitung von Mikroorganismen dienen. Also sparen Sie nicht an Tüchern, Wasser und Putzmittel!

Wenn Pflanzen zur dekorativen Ausstattung gehören, sollten sie sich nicht im Herstellungsbereich befinden. Essen und Trinken sollten aus hygienischen Gründen auf den Sozialraum beschränkt sein – aber auch, weil es vor dem Kunden nur bedingt professionell wirkt, wenn man vor der Begrüßung zunächst die Kaffeetasse an die Seite stellen muss.

Die Säuberung des Verkaufsraumes ist möglichst außerhalb der Geschäftzeiten vorzunehmen. Achten Sie auf eine ordentliche, fleckenlose Arbeitskleidung und eine gepflegte Erscheinung. Verzichten Sie auf zu viel Schmuck und binden Sie zumindest im Labor bei der Herstellung von Rezeptur und Defektur die Haare zusammen. Waschen Sie sich in der Erkältungssaison immer wieder die Hände und führen Sie eine Desinfektion mit einem Hautdesinfizienz durch. Offene Wunden sollten mit Pflastern bedeckt sein. Nutzen Sie bei Arbeiten im Labor oder bei Blutuntersuchungen Einmalhandschuhe. Da Türklinken und Telefonhörer wunderbare Verbreitungsorte für Keime sind, sollte auch hier routinemäßig desinfiziert werden.

Internet-Links  Leitlinie zum Hygienemanagement (ABDA):
www.abdda.de/fileadmin/pdf/Leitlinien_neu/LL_Hygienemanagement. pdf   
Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren unter www.rki.de .

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/09 ab Seite 22.

Dr. Katja Renner, k.k.renner@t-online.de

Stichworte: Apothekenbetriebsordnung, Hygiene, Infektionsschutz, Sauberkeit

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