Gesunder Schlaf

Ausgeschlafen?

Abbildung © Jill Chen / www.istockphoto.com © Jill Chen / www.istockphoto.com

Nachts schläft sich der Mensch fit und schön, vorausgesetzt, er wälzt sich nicht stundenlang rastlos im Bett. Doch hier helfen oft schon kleine Tricks und sanft wirkende Phytopharmaka.

Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Bett. Gut so, denn schließlich ist unser Körper auf Schlaf angewiesen. Während wir friedlich schlummern, laufen die Aufbau- und Reparaturarbeiten in unserem Organismus auf Hochtouren. So schüttet der Körper in der Nacht das Wachstumshormon aus, das unter anderem für die Zellregeneration von Bedeutung ist. Bekannt ist auch, dass das Immunsystem neue Botenstoffe, Antikörper und Immunzellen produziert.

Obwohl der Körper im Schlaf Höchstleistungen vollbringt, kann sich der Mensch nachts fantastisch erholen. Voraussetzung: Er schlummert tatsächlich weitgehend ungestört und ausreichend lange. Doch dieses Glück hat bei weitem nicht jeder. Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung unter Durchschlafschwierigkeiten. Ist der Schlaf nicht erholsam, so kann dies zahlreiche Beschwerden nach sich ziehen. Müdigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsschwäche, deutlicher Leistungsabfall und verminderte Lebensfreude gehören dazu.

Gestörte Ruhe  Schlafstörungen sind kein einheitliches Krankheitsbild. Vielmehr unterscheidet die Schlafmedizin weit über 80 Formen mit ebenso vielfältigen Ursachen. Grob lassen sich die Störungen jedoch in vier große Gruppen einteilen. Ein- und Durchschlafstörungen werden unter dem Begriff Insomnie zusammengefasst. Charakteristischerweise liegen die Betroffenen ewig im Bett, ehe sie einschlafen, oder werden mitten in der Nacht wach und haben Schwierigkeiten, erneut einzuschlafen.

Experten unterscheiden die primäre Insomnie, der keine Erkrankung zugrunde liegt, von der sekundären Form, die organisch, neurologisch oder psychologisch bedingt sein kann. Durchaus möglich ist beispielsweise, dass Depressionen, Angstzustände, Multiple Sklerose und Demenz eine sekundäre Insomnie nach sich ziehen.

Bei übermäßiger Tagesmüdigkeit haben Betroffene meist keine Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen, leiden am Tag aber unter extremer Erschöpfung. Manchmal ist die Schläfrigkeit so ausgeprägt, dass die Patienten am Arbeitsplatz oder sogar im Straßenverkehr einnicken. Häufige Ursache sind Schlafapnoen, kurze Atemaussetzer während des Schlafs. Handelt es sich um Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, so ist die „innere Uhr“ aus dem Gleichgewicht geraten, was bei Schichtarbeitern häufig der Fall ist.

Klassisches Beispiel ist auch der Jetlag, der nach Fernflügen mit Zeitverschiebung auftritt. Schlafgebundene Störungen werden auch als Parasomnien bezeichnet. Darunter fallen nächtliche Ruhestörer wie Schlafwandeln, nächtliches Aufschrecken, Zähneknirschen und Albträume. Erster Ansprechpartner bei Schlafproblemen kann der Hausarzt sein, der seine Patienten auch an ein Schlafmedizinisches Zentrum überweisen kann. Manchmal ist eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig, damit eine genaue Diagnose gestellt werden kann.

HÄUFIG VERORDNETE SCHLAFMITTEL
+ Benzodiazepine (z. B. Diazepam, Oxazepam), die jahrzehntelang die meistverordneten Hypnotika waren. Gravierender Nachteil: Sie machen schnell abhängig.
+ Benzodiazepin-Agonisten oder Z-Substanzen (z. B. Zolpidem, Zaleplon, Zopiclon), die den Benzodiazepinen mittlerweile den Rang abgelaufen haben. Umstritten ist, ob ihr Abhängigkeitsrisiko tatsächlich geringer ist.
+ Antidepressiva (z. B. Trimipramin, Doxepin), die nicht abhängig machen, jedoch ebenfalls unerwünschte Nebenwirkungen zeigen können.
+ Neuroleptika (z. B. Melperon), die über eine hypnotische Wirkungskomponente
verfügen.
+ Melatonin Anfang 2008 wurde in Deutschland ein Medikament mit dem Hormon Melatonin zur Behandlung der primären Insomnie zugelassen. Indikation: Zur kurzfristigen Behandlung bei Patienten ab 55 Jahren.

Alltägliche Schlafräuber  Oft sind es allerdings keine Erkrankungen, sondern „nur“ alltägliche Belastungen, die einem Menschen die Nachtruhe rauben und eine Insomnie zur Folge haben: Der Stress am Arbeitsplatz, der Lärm aus der Nachbarwohnung, das Schnarchen des Partners, die stickige Luft im Schlafzimmer und und und. Das Fatale: Bei vielen Betroffenen verselbständigen sich die Schlafprobleme und bleiben auch dann noch bestehen, wenn der ursprüngliche Auslöser gar nicht mehr vorhanden ist. Das abendliche Wälzen im Bett und die bleierne Müdigkeit am Morgen überschatten dann den Alltag; die Angst vor der nächsten durchwachten Nacht verhindert den Schlaf zusätzlich. Wichtig ist, dass es den Betroffenen gelingt, diesen unheilvollen Teufelskreis zu durchbrechen.

Tipps für ausgeschlafene Kunden  Oft helfen schon einfache Maßnahmen, um die Schlafqualität deutlich zu verbessern. Auf jeden Fall sollten Sie von Ein- und Durchschlafstörungen geplagten Kunden raten, auf einen möglichst geregelten Tagesablauf zu achten. Je regelmäßiger man aufsteht, isst, zur Arbeit geht, Sport treibt und schließlich wieder zu Bett geht, um so größer ist die Chance, erholsamen Schlaf zu finden.

Auch auf richtiges Essen kommt es an: Grundsätzlich sollte man weder mit vollem noch mit knurrendem Magen in die Federn fallen. Eine leichte Mahlzeit am frühen Abend ist ideal. Finger weg heißt die Devise schon ab dem Nachmittag von koffeinhaltigen Getränken. Besser einschlafen können meist diejenigen, die richtig müde ins Bett gehen. Für die ausreichende Bettschwere sorgt ein bewegter Alltag mit moderatem Ausdauersport und eventuell ein Abendspaziergang.

Hilfreiche Hausmittel sind das berühmte Glas Milch mit Honig oder das warme Entspannungsbad am Abend. Auf alles, was aufputscht – beispielsweise schweißtreibender Sport und Fernsehen – sollten Menschen mit Schlafproblemen vor dem Zubettgehen verzichten. Vor allem Kunden, die oft unter Strom stehen, profitieren vom Erlernen einer Entspannungstechnik. Dazu zählen autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga und Co. Schön, wenn Sie im Beratungsgespräch gleich auf Kursangebote ortsansässiger Volkshochschulen, Familienbildungsstätten sowie Sportvereinen aufmerksam machen können.

Natürliche Helfer  Um das Ein- und Durchschlafen auf vergleichsweise sanfte Weise zu unterstützen, haben sich pflanzliche Fertigarzneimittel bewährt. Sie enthalten gut untersuchte, für ihre beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften bekannte Heilpflanzen wie Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Passionsblumenkraut und Melissenblätter. Es gibt sowohl Mono- als auch Kombinationspräparate.

Die Tabletten, Kapseln und Tropfen mit standardisierten Wirkstoffen werden, wenn keine Unverträglichkeit gegen die entsprechenden Pflanzen oder deren Bestandteile vorliegt, von den Patienten meist gut vertragen. Das Risiko einer Abhängigkeit besteht im Gegensatz zu vielen synthetischen Hypnotika nicht. Darüber hinaus stehen auch homöopathische Komplexmittel zur Verfügung, die als arzneilich wirksame Bestandteile unter anderem Passionsblume, Hafer und Kaffee enthalten.

Bei hartnäckigen Schlafstörungen kommen, sofern keine Kontraindikation besteht, rezeptfreie Antihistaminika mit den Wirkstoffen Diphenhydramin und Doxylamin infrage. Diese Antiallergika machen schnell und zuverlässig müde, sodass ihre Einnahme bei starker Erschöpfung durch schlechten Schlaf kurzfristig sinnvoll sein kann.

Jedoch: Die schlaffördernde Wirkung dieser Medikamente hält nur über einen begrenzten Zeitraum an, danach tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Keinesfalls dürfen Patienten dann die Dosis erhöhen, um wieder besser schlafen zu können. Darüber sollten Sie Ihre Kunden bei der Abgabe unbedingt aufklären. Ebenfalls wichtig: Wer nach Einnahme bestimmter Antihistaminika nicht ausreichend lange im Bett bleiben kann, riskiert, am nächsten Morgen, noch schläfrig zu sein.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/09 ab Seite 14.

Andrea Neuen-Biesold, aneuen888@aol.com

Stichworte: Baldrianwurzel, Diphenhydramin, Doxylamin, Entspannungstechnik, Hopfen, Insomnie, Passionsblume, Phytopharmaka, Phytopharmakum, Schlaf, Schlafapnoe, Schlafmittel, Schlafströrung, pflanzliche Arzneimittel, schlafen, übermäßige Tagesmüdigkeit

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