Experteninterview mit Prof. Dr. Rainer Weber

Hilfe für die Nase

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Viele Ihrer Kunden leiden unter einer entzündeten oder geschwollenen Nasenschleimhaut. Wie der richtige Umgang mit Spülungen hier Linderung verschafft, erklärt Professor Dr. med. Rainer Weber.

Für wen sind Nasenspülungen geeignet?
Ein gesunder Mensch, der keine Beschwerden hat, braucht sicherlich keine Nasenspülungen durchzuführen. Ist die Schleimhaut allerdings trocken, entzündet oder geschwollen, zum Beispiel bei Allergien oder Problemen mit den Nasennebenhöhlen, dann können tägliche Spülungen helfen, die Symptome zu verringern. Empfehlenswert sind sie auch bei gehäufter Infektneigung. Mittlerweile zeigen Studien, dass das Spülen der Nase insbesondere bei der akuten Rhinosinusitis, also der Entzündung der Nasenschleimhaut und der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen, wirksam ist. Bei einer chronischen Rhinosinusitis wirkt die Spülung unterstützend. Abhilfe schafft sie auch bei der durch eine hormonelle Umstellung bedingten Rhinitis in der Schwangerschaft, bei der die Nasenschleimhaut geschwollen und die Nase verstopft ist. Und letztlich sind Nasenspülungen Standard nach Operationen an der Nase.

Ein Kunde mit Rhinosinusitis – wie oft sollte er spülen?
Am besten wäre eine Spülung morgens, die andere abends, d. h. zweimal wäre sinnvoll. Drei Spülvorgänge, wenn machbar, empfehlen sich bei der akuten Rhinosinusitis, zur Prävention genügen zwei pro Tag.

Sollten Allergiker schon vor ihrer Pollensaison mit Nasenspülungen anfangen?
Eine Reihe von Studien zeigt, dass die Spülungen als zusätzliche Therapie bei der allergischen Rhinitis erfolgsversprechend sind. Da die Spüllösung neben den Allergenen auch Schleim und Entzündungsbotenstoffe entfernt, geht es den Betroffenen dadurch besser. Eine präventive Anwendung ist nicht sinnvoll, sondern erst, wenn die typischen Heuschnupfensymptome auftreten – dann sollte am besten zweimal täglich gespült werden. Muss der Allergiker noch ein Kortisonspray für die Nase nehmen, sollte er nach der morgendlichen Spülung zehn Minuten warten, bevor er dieses anwendet.

Wie spült man am besten?
Vorneweg: Die richtige Spülung erfordert ein erhöhtes Spülvolumen, damit ein Fluss mit „Druck und Power“ durch die gesamte Nase entsteht, nur „hinein rinnen“ beeinflusst die Schleimhaut nicht ausreichend. Benötigt werden mindestens 100, besser 250 Milliliter Spülflüssigkeit pro Seite. Dies erreicht man nicht mit zu kleinen Nasenduschen, die nur ein geringes Spülvolumen aufweisen. Sie müssen groß genug sein, um einen Spülstrahl herzustellen und sie müssen komprimierbar sein. Sind sie zudem durchsichtig, sieht man, ob sie sauber sind – das sind sozusagen die Minimalanforderungen an eine Nasendusche. Da unser Leitungswasser eine hohe Qualität aufweist, kann man dies unbedenklich zum Spülen verwenden. Unsere Nase ist nicht keimfrei beziehungsweise enthält im Krankheitsfall sowieso schon Erreger, die Angst vor einer Keimverschleppung ist daher unbegründet. Das Problem ist auch nicht der einzelne Keim, sondern das Missverhältnis von „guten“ und „schlechten“ Bakterien in Beziehung zur Stärke der Körperabwehr. Daher kann man auch bei einer bakteriellen Infektion spülen.

Welche Lösungen sind geeignet?
Zum Anmischen zuhause ist Speisesalz am billigsten, allerdings enthält dies meistens Rieselstoffe, oft zusätzlich Jod, Fluor oder auch Folsäure, von diesen Zusätzen ist abzusehen, ebenso von Pfefferminzöl, gerade bei Kindern sollten Eltern keine ätherischen Öle zumischen. Angeboten werden auch fertige isotone oder hypertone Kochsalzlösungen, gepufferte Lösungen mit Bicarbonaten und Spezialsalze. Eine hohe Pufferkapazität ist wichtig zum Abfangen von Säuren. Isotone Salz- oder Kochsalzlösungen waren auch bei Langzeitanwendung nicht schädlich und sind daher auch für den längeren Gebrauch geeignet – im Gegensatz zu hypertonen Lösungen, die nicht dauerhaft eingesetzt werden sollten.

© Rainer Weber
Prof. Dr. med. Rainer Weber, Jahrgang 1961, ist Arzt für HNO-Heilkunde mit den Zusatzbezeichnungen „Plastische Operationen“ und „Allergologie“.
Seit 2003 leitet er die Sektion Nasennebenhöhlen- und Schädelbasischirurgie sowie Traumatologie an der HNO-Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe.
Der regelmäßige Referent auf nationalen und internationalen Kongressen gilt als Experte bei Erkrankungen der Nasennebenhöhlen und ihrer chirurgischen Therapie.



Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 09/10 ab Seite 58.

Das Interview führte Dr. Petra Kreuter

Stichworte: Entzündungen, Schleimhaut, Sinnesorgane

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