Von Kopf bis Fuß

Harnblase und Miktion

Abbildung © leonardo medical / www.Shotshop.com © leonardo medical / www.Shotshop.com

Die menschliche Blase kann beachtliche Urinmengen speichern. Erst wenn sie eine gewisse Füllmenge erreicht hat, verspüren wir das mehr oder weniger dringende Bedürfnis, Wasser zu lassen.

Unsere Blase (Vesica urinaria) gehört zu den ableitenden Harnwegen. Gut geschützt befindet sich das Hohlorgan im kleinen Becken. Es liegt auf dem Beckenboden auf und hat seinen Sitz gleich hinter der Schambeinfuge, bei Frauen vor der Vagina und bei Männern vor dem Mastdarm.

Mediziner unterteilen die Harnblase in verschiedene Bereiche: in den Blasenkörper, der sich nach oben hin in den Blasenscheitel verjüngt, in den Blasengrund, in den die beiden Harnleiter (Ureter) müden, und in den Blasenhals, der in die ableitende Harnröhre (Urethra) übergeht. Umgeben wird die Blase von einem kräftigen, glatten Muskelsystem (Musculus detrusor vesicae), auch als Detrusor oder Austreiber bezeichnet. Der Detrusor spielt eine wesentliche Rolle bei der Harnblasenentleerung (Miktion).

Sammelbecken für Urin Rund anderthalb Liter Endharn produzieren gesunde Nieren täglich. Er wird in den Nierenbecken aufgefangen, über die beiden Harnleiter in die Blase transportiert und hier zunächst einmal gesammelt. Vergleichbar mit einem Luftballon dehnt sich die Harnblase immer weiter aus, je stärker sie sich im Laufe der Zeit mit Urin füllt. Hat das Organ eine bestimmte Füllmenge erreicht, verspürt der Mensch Harndrang. Bei einigen tritt er bereits auf, wenn die Blase nur mit etwa 150 bis 250 Millilitern gefüllt ist. Aber spätestens, wenn sich diese Menge verdoppelt hat, haben die meisten Menschen das dringende Bedürfnis, zur Toilette zu gehen.

Beruhigend zu wissen: Ist gerade kein stilles Örtchen in der Nähe, kann sich die Blase eines Erwachsenen noch weiter ausdehnen und insgesamt ungefähr einen Liter Urin speichern, ehe ihre Kapazitätsgrenze endgültig erreicht ist. Dass der gesunde Mensch die Blasenentleerung willentlich steuern kann, hat er speziellen Rezeptoren zu verdanken, die an der Blaseninnenwand sitzen und dem Gehirn melden, wenn die Blase voll ist. Beim Wasserlassen selbst zieht sich die Blasenmuskulatur zusammen und der Beckenboden entspannt sich. Über eine Harnröhre, die bei Frauen nur etwa drei bis fünf, bei Männern hingegen gut 20 Zentimeter lang ist, wird der Urin aus dem Körper ausgeschieden. Nach ungestörtem Wasserlassen verbleiben normalerweise nur wenige Milliliter Harn in der Blase, die sich nun langsam aber sicher erneut füllt.

Kranke Blase? Ein weit verbreitetes und bei vielen Patienten immer wiederkehrendes Leiden ist die Blasenentzündung (Zystitis). Das schmerzhafte Übel wird durch Bakterien, sehr häufig durch Darmbakterien, hervorgerufen und trifft Frauen aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre wesentlich häufiger als Männer.

Charakteristische Symptome der Zystitis sind ständiger Harndrang und Wasserlassen – Beschwerden, die viele Kunden zunächst in die Apotheke führen. Die PTA sollte Betroffenen unbedingt raten, den Arzt aufzusuchen, der bei einer akuten Blasenentzündung Antibiotika verordnen wird. Darüber hinaus ist es meist sinnvoll, die tägliche Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen, um die Harnwege zu reinigen. Empfehlenswert sind spezielle Blasen- und Nierentees, die Heilpflanzen-Extrakte mit antibakteriellen, entzündungshemmenden, harntreibenden und/oder krampflösenden Eigenschaften enthalten. Bärentrauben-, Birken-, Orthosiphonblätter, Brennessel- und Goldrutenkraut gehören unter anderem dazu.

Therapiebegleitend und auch vorbeugend haben sich Cranberry-Präparate bewährt, die verhindern sollen, dass sich Bakterien an der Blasenwand festsetzen. Gut zu wissen: Unangenehmen Harndrang, Probleme beim Wasserlassen, trüben oder blutigen Urin sollten Betroffene immer ernst nehmen. Denn hinter diesen Symptomen können sich auch Erkrankungen wie Blasensteine oder -krebs verbergen.

HILFREICHES IM NETZ
www.inkontinenz-selbsthilfe.com, www.selbsthilfeverband-inkontinenz.org sowie www.urologenportal.de, die Seite des Berufsverbands der Deutschen Urologen, bieten Informationen rund um das Thema Harninkontinenz.
Auf www.forum-blasenkrebs.net  finden Betroffene und Angehörige Hilfe, mit dieser Erkrankung umzugehen.

Schwache Blase? Harninkontinenz ist ebenfalls ein Problem, das viele Apothekenkunden plagt und ihre Lebensqualität deutlich mindern kann. Mediziner unterscheiden die Belastungs-, die Drang-, die Überlauf- und die Reflexinkontinenz, die verschiedene Ursachen haben und dementsprechend auch auf unterschiedliche Weise ursächlich therapiert werden müssen.

Inkontinenzhilfen sorgen für Sicherheit im Alltag und ermöglichen Betroffenen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wichtig, dass Sie als PTA hier kompetent und diskret beraten können. Unter Umständen kommt therapiebegleitend die Einnahme pflanzlicher Arzneimittel zur Stärkung der Blasenfunktion infrage. Sie können beispielsweise bei Miktionsproblemen aufgrund einer gutartigen Prostatavergrößerung oder einer Reizblase gute Dienste leisten.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/10 ab Seite 66.

Andrea Neuen-Biesold

Stichworte: Blasenentzündung, Harninkontinenz, Reizblase, Urin, Zystitis

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