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Ob lang oder kurz, wild gelockt oder glatt – unser Haar hat eine große Symbolkraft. Damit es gesund bleibt, ist regelmäßige Pflege erforderlich.
Gepflegte Haare stehen für Attraktivität und Vitalität. Bei Frauen bringt man eine volle, kräftige Haarpracht mit Schönheit und Sinnlichkeit in Verbindung, bei Männern mit Stärke und Macht. Die ästhetische Aufgabe des Haares hat einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert. Manchmal sind die Haare allerdings schon einen Tag nach der Wäsche wieder fettig und strähnig. Die Reibung zwischen den Haaren geht dadurch verloren und die Frisur fällt zusammen. Andererseits gibt es auch viele Menschen mit trockenem Haar, das strohig aussieht. Ist die Haaroberfläche beschädigt, dann entsteht Spliss.
Schuppen zeigen sich, wenn es weiß auf die Kleidung rieselt oder fettige, gelbliche Hautzellverbindungen auf Haaren und Kopfhaut kleben. Oft tritt gleichzeitig Juckreiz auf. Entscheidend für gesundes, schönes Haar ist die richtige Pflege. Denn durch das falsche Shampoo kann man Haar und Kopfhaut sogar schädigen. Auch ein Überpflegen ist möglich. Dann hängt das Haar schlaff und schwer herunter und ist kaum frisierbar. Shampoos sollen Schmutz, Schweiß und Talg aus dem Haar entfernen, es soll anschließend glänzen und leicht durchzukämmen sein. Haarkuren und Spülungen sind vor allem bei trockenem oder geschädigtem Haar sinnvoll, um die zerstörte Struktur wieder aufzubauen.
Haarwässer und -öle wirken auf die Kopfhaut, während Festiger, Sprays, Lacke und Gele dem Halt der Frisur dienen und keine bis wenig pflegende Eigenschaften besitzen. Ein Haar entsteht Zunächst bildet sich in der Epidermis eine kleine schlauchartige Einstülpung. Dieser Haarfollikel reicht bis in die Lederhaut hinein. Am Grund der Einstülpung liegt die Haarwurzel mit ihrem verdickten Ende, der Haarzwiebel. Sie umschließt die Papille, eine zapfenartige Verdickung der Lederhaut.
HAARZYKLUS
Die Lebenszeit eines einzelnen Haares beträgt etwa zwei bis sechs Jahre. In dieser Zeit durchläuft es verschiedene Phasen. In der Anagenphase (Wachstum), die mehrere Jahre dauert, wächst das Haar ungefähr einen Zentimeter monatlich. In der Katagenphase (Übergang) wird das Haar von der Haarwurzel abgetrennt und allmählich in Richtung Kopfhaut geschoben. Diese Phase dauert bis zu zwei Wochen. Es folgt die Telogenphase (Ruhe), in der das Haar nicht mehr mit Nährstoffen versorgt wird. Bis es ausfällt, kann es etwa vier Monate dauern. Dann beginnt der Prozess von neuem. Insgesamt können aus jeder Haarwurzel nacheinander zehn bis zwölf neue Haare wachsen. Durchschnittlich haben wir etwa 100 000 Haare auf dem Kopf, von denen sich ca. 80 bis 90 Prozent in der Wachstumsphase befinden. Die Gesamtzahl der Haare ist je nach Haarfarbe unterschiedlich. Blonde haben am meisten Haare, Rothaarige am wenigsten.
Hier hinein ragen Kapillaren, die das Haar mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Hier hinein ragen Kapillaren, die das Haar mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Denn es kann nicht von außen, sondern muss ausschließlich von innen über die Blutbahn ernährt werden. Die Zelllage direkt über der Papille wird als Matrix bezeichnet, die Zellen selbst heißen Keratinozyten. Hier wird das Haar gebildet, indem sich die Keratinozyten teilen und die neu gebildeten Tochterzellen vom nachwachsenden Haar durch den Follikel wie durch einen Kanal, nach oben geschoben werden.
Auf ihrem Weg zur Hautoberfläche verändern sich die Keratinozyten. Sie bilden die verschiedenen Schichten des Haares. Die äußerste Schicht besteht aus flach gedrückten Zellen, die sich übereinander schieben und die Cuticula bilden, eine feine schuppenförmige Haut, die das Haar umgibt. Haarzellen bestehen überwiegend aus Keratin, das sie im Laufe ihres Weges bilden. Sind sie vollständig keratinisiert, sterben sie ab. Der sichtbare Teil des Haares besteht daher überwiegend aus totem Hornmaterial.
TIPPS FÜR SCHÖNES HAAR
+ Keine Bürsten aus Draht verwenden, sie fördern Spliss. Besser sind Bürsten aus Wildschweinborsten oder Kämme aus Naturhorn oder Holz. Sie verteilen den Talg bis in die Spitzen und halten das Haar geschmeidig.
+ Keine scharfkantigen Klammern und nur ummantelte Haargummis verwenden, sonst kommt es zu Haarbruch.
+ Nasse Haare sind empfindlicher als trockene, daher im nassen Zustand nicht mit Kamm oder Bürste bearbeiten. Besser ist es, die trockenen Haare vor der Wäsche auszukämmen. Damit entfernt man auch schon einen Teil der Pflege- und Stylingprodukte.
+ Die Haare, wenn möglich, an der Luft trocknen lassen oder den Fön auf lauwarm stellen. Heiße Luft macht das Haar spröde.
Trockenes Haar Ob fettig oder trocken, das hängt von der Menge an Talg ab, die produziert wird. Diese ist genetisch festgelegt und kann nur in geringem Maße beeinflusst werden. Ist die Talgproduktion zu gering, dann leidet zunächst die Cuticula-Schicht des Haares, die Oberfläche wird rau. Vor allem bei langem Haar spalten sich auf Dauer die Spitzen und fransen aus. Es entsteht Spliss, ein irreversibler Zustand, dem man langfristig nur durch Abschneiden der Spitzen begegnen kann. Auch heißes Föhnen, ungeeignete Shampoos oder aggressive friseurtechnische Maßnahmen, wie Dauerwelle und Färben, schädigen die Oberfläche des Haares und können bei ungenügender Pflege zu sprödem und glanzlosem Haar führen.
Die Reinigung von trockenem oder geschädigtem Haar sollte mild und schwach sauer sein, möglichst mit rückfettenden Zusätzen. Meist sind den Shampoos Conditioner zugesetzt. Dies sind Substanzen, wie zum Beispiel quartäre Ammoniumverbindungen, Eiweißhydrolysate oder Silikonverbindungen, die sich besonders gut an geschädigtes Haar anlagern und nach dem Ausspülen auf der Oberfläche haften bleiben. Sie überziehen das Haar mit einem feinen Film, der die zerstörte Struktur zwar nicht reparieren kann, aber die defekten Stellen abdichtet und Glanz und Kämmbarkeit verbessert. Silikonverbindungen werden inzwischen kritisch betrachtet. Denn sie umschließen das Haar so, dass auch Feuchtigkeit und Pflegestoffe ferngehalten werden.
Bei trockenem oder geschädigtem Haar ist es sinnvoll, nach dem Waschen eine Spülung oder Haarkur zu verwenden. Beide Produkte werden nach der Wäsche auf das handtuchtrockene Haar aufgetragen und leicht einmassiert. Während Haarspülungen nach wenigen Minuten ausgewaschen werden, bleibt eine Haarkur etwa zehn Minuten im Haar, bevor sie ausgespült wird. Ziel beider Produkte ist das Überziehen des Haares mit Conditionern und zwar mit einem größeren Effekt, als dies mit einem Shampoo möglich wäre.
Fettiges Haar Ist die Talgproduktion hoch, dann werden die Haare je nach Länge zumindest am Ansatz mit Talg überzogen. Die Fettung des einzelnen Haares geschieht nicht durch den Talg der eigenen Talgdrüsen, sonder durch Berührung mit benachbarten Follikelöffnungen. Häufiges Kämmen oder mit den Händen durch die Haare fahren fördern daher das Nachfetten der Haare, ebenso wie eine eng anliegende Frisur. Im Alter lässt die Talgproduktion nach und die Haare werden wie die Haut trockener. Fettiges Haar kann täglich mit einem milden Shampoo gewaschen werden. Es soll möglichst keine rückfettenden Substanzen enthalten.
Da fettiges Haar normalerweise nicht geschädigt ist, ist auch der Einsatz von Conditionern überflüssig bzw. wegen der Überpflegungsgefahr sogar unerwünscht. Als günstig haben sich hingegen verschiedene Pflanzenzusätze gezeigt, die die Haaroberfläche aufrauen, wodurch mehr Talg gebunden werden kann, bis die Haare strähnig erscheinen. Verwendet werden beispielsweise Extrakte von Meerestang, Schachtelhalm und Rosmarin. Thymianextrakt soll durch eine schwach antiseptische Wirkung den Pilzbefall reduzieren. Entgegen der häufig geäußerten Meinung fördert die tägliche Wäsche die Talgdrüsentätigkeit nicht zusätzlich, wenn auf ein mildes Shampoo geachtet wird.
Schuppen Darunter versteht man die über das normale Maß hinaus gehende Abschuppung der behaarten Kopfhaut. In Europa leidet etwa jeder Zweite unter Schuppen, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Häufigste Ursache für Kopfschuppen ist der Befall mit einem bestimmten Kopfhautpilz. Dieser gehört zu unserer physiologischen Hautflora und ist am Kopf und anderen lipidreichen Hautstellen zu finden. Erst wenn das Kopfhautmilieu aus dem Gleichgewicht gerät, kann er sich massiv vermehren und zum Problem werden. Besonders gut gedeiht er, wenn gleichzeitig viel Talg produziert wird. Dann vermehrt er sich auch in den Haarkanälen und reizt die Kopfhaut durch freie Fettsäuren und Lipoperoxide, die enzymatisch aus dem Talg gebildet werden. Die Haut reagiert mit einer Hyperkeratose.
Auch der Juckreiz, den viele Betroffene beklagen, kommt durch die Hautreizung zustande. Anti-Schuppen-Shampoos dürfen die Kopfhaut nicht zusätzlich reizen. Gleichzeitig sollen sie losgelöste Schuppen entfernen und gut reinigen. Eine zu starke Entfettung ist jedoch nicht sinnvoll, denn das würde die Kopfhaut erneut zu einer vermehrten Talgproduktion anregen. Mit keratolytischen Wirkstoffen, wie Salicylsäure, wird das Hornmaterial erweicht und die vorhandenen Schuppen von der Kopfhaut gelöst. Eine andere Möglichkeit, Schuppen zu bekämpfen, ist, den Pilzbefall mit fungistatisch wirkenden Substanzen, wie Ketoconazol, Bifonazol oder Ciclopirox, zu reduzieren. Die Haare sollen damit zwei- bis dreimal wöchentlich gewaschen werden. Um eine ausreichende Wirkung zu erzielen, ist es wichtig, die Einwirkzeit des Shampoos zu beachten.
MEDIZINISCHER RAT
Bilden sich Schuppen auf entzündeter Haut oder treten sie auch an anderen Körperstellen auf, ist ein Arzt zu Rate zu ziehen. Gleiches gilt für Kinder mit Kopfschuppen. Dahinter verbirgt sich in der Regel eine andere Erkrankung.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/10 ab Seite 54.
Sabine Bender
Stichworte: Haare, Keratin, Kopfhaut, Schuppen, Spliss