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Die störenden Hautwucherungen sind zwar meist harmlos, sollten aber wegen der Ansteckungsgefahr stets behandelt werden. Was können Sie empfehlen und welche Warzen eignen sich überhaupt für die Selbstmedikation?
Warzen (Verrucae) sind gutartige, virusbedingte Wucherungen der oberen Hautschichten. Man findet sie an Haut und Schleimhaut. In den meisten Fällen sind humane Papillomviren (HPV) die Auslöser. Von ihnen gibt es etwa 100 Subtypen. Die Viren gelangen durch Mikroverletzungen der Haut oder Schleimhaut zu den Basalzellen der Epidermis, heften sich an deren Oberfläche und dringen in die Zelle ein. Dort setzen sie ihr Virusgenom frei, lassen die Wirtszelle neue Viren produzieren und stimulieren gleichzeitig die Neubildung weiterer Hautzellen, während Zelldifferenzierung und -alterung verzögert werden.
Die Zellkerne der Hornzellen an der Oberfläche der Warze enthalten große Mengen an Viren. Beim Abschilfern der Hornschüppchen werden sie freigesetzt, was die häufigen Autoinokulationen (Selbstansteckung) und die Übertragung auf andere Menschen bedingt.
Von gewöhnlichen Hautwarzen und anderen Das Aussehen der Warzen ist je nach Virus-Subtyp sehr unterschiedlich. Die häufigste Warzenform ist die gewöhnliche Hautwarze (Verruca vulgaris). Sie wird von Mensch zu Mensch oder durch Selbstansteckung mit einer Inkubationszeit von bis zu 20 Monaten übertragen. Einige tragen das Virus in sich, ohne dass sich sofort oder in Zukunft eine Warze daraus entwickelt. Nach einer Infektion entstehen zunächst einzelne, später auch in Gruppen stehende halbkugelige, derbe Knötchen mit rauer, zerklüfteter Oberfläche.
Prinzipiell kann jede Hautregion befallen werden, meist sind jedoch Körperpartien betroffen, die mechanischer Beanspruchung ausgesetzt sind, wie Hände oder Füße. Diese Belastungen können in winzigen Haut- oder Schleimhautverletzungen münden. So haben es die Viren noch leichter, in die Haut einzudringen. Aber auch an der Mundschleimhaut und an der Zunge sind gewöhnliche Warzen bekannt. Betroffen sind oft Kinder und Jugendliche, manchmal auch junge Erwachsene.
Das Häufigkeitsmaximum liegt im zweiten Lebensjahrzehnt. Starkes Schwitzen oder Durchblutungsstörungen an Händen und Füßen begünstigen die Infektion. Kinder mit Neurodermitis scheinen aufgrund ihrer trockenen Haut und der verringerten zellulären Immunität besonders empfänglich für gewöhnliche Hautwarzen zu sein. Treten die Warzen an der Gesichtshaut auf, beispielsweise an den Augenlidern oder im Bereich der Nase, so sind sie häufig gestielt oder fadenförmig. Man nennt sie dann Pinselwarzen (Verrucae filiformes). Werden sie, zum Beispiel beim Rasieren, verletzt, neigen sie zu großflächigen Rezidiven.
SCHNECKE BEI VOLLMOND
Zuweilen findet man abenteuerliche Ratschläge und Hausmittelchen zur Beseitigung von Warzen, wie zum Beispiel eine Schnecke bei Vollmond über die Warze kriechen zu lassen oder die Warze zu besprechen, dass heißt, sie zum Verschwinden aufzufordern. Dass man mit einer solchen Suggestivbehandlung manchmal tatsächlich Erfolg hat, mag daran liegen, dass die Rate spontaner Rückbildungen bei Warzen groß ist. Etwa die Hälfte verschwindet narbenlos in den ersten zwei Jahren auch ganz ohne Therapie. Dies ist das Resultat einer zellulären Immunreaktion, die durch psychogene Faktoren, wie den Glauben an die Wirkung von Schneckenschleim, unterstützt werden kann. Die Spontanheilung ist meist mit dauerhafter Immunität verbunden.
Dorn- oder Plantarwarzen (Verrucae plantares) findet man im Bereich der Fußsohle. Durch ihre Lokalisation in einer stark druckbelasteten Region ist ein nach außen gerichtetes Wachstum nicht möglich. Stattdessen werden die Warzen beim Laufen in die Lederhaut gedrückt, was Schmerzen wie durch einen in der Haut steckenden Stachel oder Dorn hervorruft. Dornwarzen sind ebenso häufig wie gewöhnlicheWarzen. Auch sie kommen hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen vor. Meist infizieren sich diese in Schwimmbädern, Turnhallen oder Gemeinschaftsduschen, wo infizierte Hautzellen von der Fußsohle der Erkrankten abfallen und die Viren in die durch Wärme und Feuchtigkeit mazerierte Haut von Gesunden eindringen können.
Dornwarzen stehen einzeln oder kommen in Gruppen vor. Im Bereich des Warzenzentrums findet man zahlreiche bräunliche bis schwarze Punkte oder Streifen. Sie entstehen durch schlotförmige Blutungen aus den Kapil laren in das Warzengewebe. Die Warzen neigen zu Rezidiven. Manchmal breiten sie sich beetartig aus und bilden einen regelrechten Teppich mit mosaikartigem Aussehen über große Teile der Fußsohle. Man spricht dann von Mosaikwarzen.
ONKOGENE POTENZ
Bei einigen HPV-Subtypen besteht das Risiko der malignen Entartung der Hautveränderung. Die Basalzellen der Haut besitzen, wie andere Zellen auch, bestimmte Kontrollmechanismen, die bei einer gravierenden Zellschädigung ein Selbstmordprogramm (Apoptose) auslösen. Wird jedoch Virus-DNA in das Genom der Wirtszelle eingebaut, dann werden diese Mechanismen unterdrückt und damit der Entartung der Zelle der Weg bereitet. Die onkogenen HPV-Subtypen gelten als Auslöser des Gebärmutterhalskrebses.
Die flachen Warzen des Jugendlichen (Verrucae planae juvenilis) treten vor allem im Gesicht und auf dem Handrücken auf. Sie sind klein, flach und oft leicht hyperpigmentiert. Man findet sie bei Kindern und Jugendlichen, wo sie sich in kurzer Zeit enorm ausbreiten können. Allerdings zeigen sie auch eine hohe Neigung zur Spontanheilung und sprechen sehr gut auf eine Behandlung an. Dellwarzen (Mollusca contagiosa) stellen eine besondere Warzenform dar. Sie werden von Poxviren, also Viren der Pockengruppe ausgelöst. Dieses Krankheitsbild findet man vor allem im Kindesalter, aber auch bei jungen Erwachsenen, wo sie durch Sexualkontakte übertragen werden.
Dellwarzen zeigen sich als kleine, weiche, hautfarbene Knötchen mit zentralem Krater. Sie können einzeln oder zu mehreren stehen und sind vor allem an den Augenlidern, den Kniekehlen und Ellenbeugen, dem Rumpf sowie in der Anal- und Genitalregion zu finden.
Warzen auf Schleimhäuten Ebenfalls durch HPV-Typen werden Feigwarzen (Condylomata acuminata) übertragen. Mit weltweit 30 Millionen Erkrankungen im Jahr sind diese Genitalwarzen die häufigste sexuell übertragbare Krankheit. Oder anders ausgedrückt: Man findet bei etwa einem Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung Feigwarzen. Die Tendenz ist in allen europäischen Ländern steigend. Die Infektion wird durch ein feuchtes Milieu im Genital- oder Analbereich begünstigt, ebenso durch Begleiterkrankungen, wie Ekzeme und Pilzinfektionen.
Feigwarzen zeigen sich zunächst als kleine hautfarbene oder rötliche warzenförmige Hautveränderungen. Sie können sich aber relativ schnell vermehren und zu blumenkohlartigen Knoten oder großflächigen Beeten heranwachsen. Sind sie zweiseitigem Druck ausgesetzt, nehmen sie eine hahnenkammförmige Gestalt an. An feuchten Hautstellen weicht ihre Oberfläche auf, wodurch sie in übel riechende, schmierige Gebilde zerfallen. Der Krankheitsverlauf ist meist hartnäckig, noch dazu sind sie sehr rezidivfreudig. Allerdings kommt es nur äußerst selten zu malignen Entartungen.
LEICHT ANZUWENDEN: VEREISUNG
Vereisungsprodukte für zuhause bestehen aus einer Dose, die das Flüssiggasgemisch enthält, mehreren Schaumstoffapplikatoren zum Einmalgebrauch und teilweise aus einem separaten Plastikhalter. Ein Applikator wird dann mit Hilfe des Halters etwa drei Sekunden lang in die Öffnung der Dose gedrückt. Dabei saugt er sich mit dem Flüssiggasgemisch voll. Je nach Lage und Größe der Warze wird der Applikator nun zehn bis 40 Sekunden auf die Warze gehalten. Für kleine gewöhnliche Warzen reichen zehn Sekunden, ältere stark verhornte Warzen oder Dornwarzen brauchen eine längere Vereisungszeit. Der separate Plastikhalter hilft dabei, auch schwer zugängliche Warzen leicht erreichen zu können. Der Betroffene spürt beim Vereisen nur einen kleinen Pieks. Die Haut färbt sich dann zunächst weiß, nimmt aber nach und nach wieder ihre natürliche Farbe an. Nach spätestens 14 Tagen fällt die Warze ab und neue, gesunde Haut kommt zum Vorschein. Bei der Empfehlung eines Vereisungsmittels sollten Sie darauf achten, dass die Dose dicht ist und kein Flüssiggasgemisch austritt. Dieser augenscheinliche Sicherheitsdefekt kann Anwender abschrecken.
Behandlung Die Therapie richtet sich nach Warzentyp und -größe, nach der Ausdehnung der Infektion und dem Ort des Auftretens. Begleitend sind Allgemeinmaßnahmen zur Sanierung des Milieus und zur Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte sinnvoll. Hierzu zählen die Verbesserung der Durchblutung an Händen und Füßen und die Behandlung einer eventuellen Hyperhidrose. Bei sexuell übertragbaren Warzen ist die Kontrolle des Partners bzw. der Partnerin zur Vermeidung einer erneuten Ansteckung notwendig.
Generell sollte die Therapie nicht zu aggressiv oder schmerzhaft sein und möglichst keine Narben hinterlassen. Denn schließlich handelt es sich um eine Erkrankung, die mit einem hohen Prozentsatz spontan abheilt. Trotzdem sollten Warzen unbedingt behandelt werden. Denn man kann nicht vorhersagen, welche Warze von allein wieder verschwindet. Zudem sind Warzen sehr ansteckend, manchmal schmerzhaft und außerdem ein unästhetischer Schönheitsmakel. Noch dazu wird eine Warze umso hartnäckiger und damit schwerer zu entfernen, je länger man mit der Behandlung wartet.
Der Patient kann Warzen selbst mit Keratolytika oder durch Vereisung entfernen. Dem Arzt stehen darüber hinaus zytostatisch wirkende Substanzen, wie Podophyllotoxin, und in schweren Fällen Lasertherapie oder operative Methoden zur Verfügung. Für die Selbstmedikation geeignet sind vor allem Dorn- und gewöhnliche Warzen. Feigwarzen sprechen zwar auch gut auf eine Keratolyse an, sollten aber schon wegen ihres Auftretens im sensiblen Genitalbereich vom Arzt behandelt werden. Hier muss sorgfältig auf die Eindringtiefe der Behandlung geachtet werden.
Ähnliches gilt für flache Warzen der Jugendlichen und alle Warzen, die im Gesicht oder am Hals auftreten. Zu groß ist die Gefahr, dass Narben zurück bleiben. Bei Kindern unter vier Jahren und Personen mit mangelhafter Durchblutung oder schlechter Wundheilung, wie beispielsweise Diabetikern, ist von einer Vereisung abzusehen. Außerdem ist zu beachten: Wer sich nicht ganz sicher ist, ob es sich um eine Warze handelt oder welche Warzenart vorliegt, sollte lieber ärztlichen Rat einholen. Denn nur der Arzt kann ausschließen, dass die Hautveränderung bösartig ist.
Keratolyse Salizylsäure eignet sich besonders zum Abtragen von Warzen im Rahmen der Selbstmedikation. Das Keratolytikum löst die Kittsubstanz zwischen den einzelnen Hornzellen, so dass diese anschließend Schicht für Schicht abgetragen werden können. Die Behandlung ist schmerzfrei und sehr zuverlässig, dauert allerdings mehrere Wochen. Es ist also viel Geduld nötig.
Salizylsäurehaltige Zubereitungen gibt es als Lösung oder Pflaster. Einfacher ist die Handhabung der Lösung, denn sie kann exakt auf die Warze aufgetragen werden. Dort bildet sie einen Film, aus dem der Wirkstoff langsam in die Hornschicht diffundieren kann. Salizylsäure kann auch mit anderen Wirkstoffen, wie zum Beispiel Milchsäure kombiniert werden. Diese wirkt ebenfalls keratolytisch. Verwendet man ein Pflaster, dann muss dies exakt zugeschnitten werden und darf auch nicht verrutschen, um die umliegende gesunde Haut nicht zu beschädigen. Man kann die gesunde Haut aber mit einer Fettcreme schützen, die jedoch eventuell die Haftung des Pflasters beeinträchtigt. Das Pflaster bleibt einen Tag bis vier Tage auf der Warze. Anschließend können die gelösten Hornschichten vorsichtig entfernt werden, am besten nach einem warmen Bad. Diese Behandlung muss ebenfalls mehrmals wiederholt werden und dauert Wochen bis Monate.
Kryotherapie Bei dieser auch als Vereisung bezeichneten Methode wird durch Erfrieren der oberen Hautschichten eine Blase unter der Epidermis erzeugt, durch die sich die Warze mit den virusbefallenen Zellen abhebt. Die Viren selbst werden nicht abgetötet. Nach etwa sieben bis vierzehn Tagen trocknet die Blase ein und die Warze fällt ab. Inzwischen hat sich darunter neue, gesunde Haut gebildet. Die Abheilung erfolgt meist ohne Narbe. Diese Methode wird schon seit Jahrzehnten erfolgreich in der Arztpraxis mit flüssigem Stickstoff angewendet. Seit einigen Jahren kann sie auch vom Patienten zuhause selbst durchgeführt werden. Hierfür wird ein Flüssiggasgemisch aus Dimethylether und Propan eingesetzt, mit dem man Temperaturen von – 57 Grad Celsius erreicht.
Der flüssige Stickstoff des Arztes kühlt die Haut bis auf – 196 Grad Celsius ab, dafür ist die Heimanwendung aber weniger schmerzhaft und, wie Untersuchungen ergeben haben, annähernd genauso effektiv. Schon mit einer einzigen Anwendung wird die Warze bis in die Tiefe vereist, sodass in der Regel eine Anwendung ausreicht. Bei sehr hartnäckigen Warzen kann die Behandlung bis zu dreimal wiederholt werden. Vielen Kunden erscheint die Anwendung auf den ersten Blick kompliziert oder nicht wirksam genug. Bauen Sie diese Ängste ab, indem Sie dem Kunden ein hochwertiges Produkt empfehlen und ihn schon in der Apotheke damit vertraut machen.
Erklären Sie anhand der Darstellungen auf der Packungsbeilage oder anhand der Packungsrückseite die einzelnen Schritte und geben Sie ihm die Dose, den enthaltenen Plastikhalter und die Schaumstoffapplikatoren in die Hand. So bekommt der Kunde eine genaue Vorstellung von der Anwendung und der Sicherheit der Methode.
Bei hochwertigen Vereisungssprays wird durch einen patentierten Sprühkopf der Schaumstoffapplikator mit Flüssiggasgemisch getränkt und dann auf der Warze platziert. Erklären Sie dem Kunden, dass die umliegende Haut bei richtiger Anwendung unbeeinflusst bleibt und keinen Schaden nimmt. Dank einer separaten Halterung sind auch schwer zugängliche Hautstellen erreichbar. Mittlerweile steht für die Heimanwendung eine breite Produktpalette für gewöhnliche Warzen, Dornwarzen und Warzen bei Kindern zur Verfügung.
Das Vereisungsmittel speziell gegen die tieferen Dornwarzen am Fuß besitzt einen größeren Applikator als das Produkt gegen gewöhnliche Warzen. Außerdem ist eine Hornhautfeile zur Vorbehandlung der Warze und ein Pflaster zum anschließenden Schutz der behandelten Stelle enthalten. Das Produkt speziell für Kinder ist besonders schmerzarm. Es hat eine andere Zusammensetzung, daher reicht hier schon eine Anwendung von nur drei Sekunden. Mit einem integrierten Timer wird die exakte Vereisungszeit sichergestellt. Mit Ihrer Beratung und einem hochwertigen Produkt ist die Vereisung für zuhause eine sichere und leicht anzuwendende Behandlungsmethode und damit eine gute Empfehlung für die Selbstmedikation.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier oder auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/10 ab Seite 60.
Den Fragebogen aus dem Heft können Sie hier herunterladen.
Den Antwortbogen zum Ankreuzen aus dem Heft finden Sie hier.
Sabine Bender
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