Interview: Curt Kösters

200 Jahre Organon

Abbildung © Tommy Martin / www.iStockphoto.com © Tommy Martin / www.iStockphoto.com

1810 veröffentlichte Samuel Hahnemann das Grundlagenwerk der Homöopathie. Curt Kösters, Vorstandsmitglied des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, spricht über die Entwicklung dieser Lehre.

VITA
Curt Kösters wurde 1958 in Ellwangen geboren. Von 1977 bis 1985 absolvierte er sein Medizinstudium an der FU Berlin. 1985/86 führte er toxikologische Studien für eine Umweltschutzorganisation durch und erhielt von 1987 bis 1989 eine klinische Ausbildung. Kösters beschäftigt sich seit 1982 mit Homöopathie, machte eine homöopathische Ausbildung in Berlin und Hamburg, eine Praxisassistenz und einen Studienaufenthalt in Indien. Seit 1991 betreibt er eine private Praxis in Hamburg; seit 2004 ist er in wechselnder Funktion im Vorstand des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.

Als das Organon erschien, wie wurde das Werk von der Fachwelt beurteilt?
Das war ja etwas ganz Neues. Und neue Ideen stoßen immer auch auf Widerstand. Die konventionelle Arzneitherapie beruhte zu dieser Zeit nur auf Erfahrungen, darunter aber auch viele reine Mutmaßungen; Überlieferungen, die von einzelnen Krankheitsfällen auf andere scheinbar ähnlich gelagerte Fälle übertragen wurden. Die Arzneien wurden dann in Gemischen verabreicht.

Über die einzelnen Teile und deren gemeinsame Wirkung war damit erst recht keine vernünftige Aussage mehr möglich. Samuel Hahnemann war von der spekulativen Medizin seiner Zeit derart angewidert, dass er seine ärztliche Praxis eine zeitlang ganz aufgab. Dann entwickelte er, ausgehend von ersten Überlegungen, die er bereits 1796 veröffentlichte, in vielen Experimenten eine neue Methode der Arzneitherapie. Jedes Arzneimittel wurde auf seine Wirkung hin untersucht. Gesunde Menschen nahmen das ein und beobachteten die Wirkungen. Und nur aufgrund dieser beobachteten Symptome wurde das Mittel dann an Patienten verabreicht – und nur als einzelnes Mittel. Historisch war das die erste rationale Arzneitherapie.

Das Organon veröffentlichte er dann 1810, nach zahlreichen Arzneimittelprüfungen und der praktischen Erprobung dieser neuen Methode. Durch diese Publikation wurden althergebrachte Behauptungen, Systeme und Autoritäten in Frage gestellt. Selbstverständlich hat das nicht nur Begeisterung hervorgerufen. Und Hahnemann tat das Seinige, indem er keine Gelegenheit ausließ, sich mit harschen Worten über seine Kollegen zu äußern. Der „Schlendrian der alten Schule“ ist noch eines der milderen Zitate. Es gab also viele Gegner, einige vorsichtige Befürworter – darunter allerdings den damals äußerst einflussreichen Christoph Wilhelm Hufeland, Direktor der Charité in Berlin – und wenige enthusiastische Anhänger. Zunächst einmal hat es Hahnemann dann mit seinem Auftreten verstanden, sich auch noch die vorsichtigen Befür worter zum Gegner zu machen.

Wie wurde die Lehre der Homöopathie in anderen Teilen der Welt aufgenommen?
Im 19. Jahrhundert war die Ausbreitung exponentiell. Nach langsamem Beginn verbreitete sich die Idee dann rasch über die ganze Welt, insbesondere nach den großen Cholera-Epidemien der 30er Jahre. Diese Cholera-Epidemien traten auf im Zusammenhang mit dem wachsenden weltweiten Handel. Insbesondere die Hafenstädte waren betroffen und diese massive Epidemie wirkte wie ein Schock auf die damalige Gesellschaft.

Unter konventioneller Therapie lag die Sterblichkeit bei über 50 Prozent, unter homöopathischer Behandlung betrug sie zwischen ein und fünf Prozent. Das war recht eindrucksvoll, hat damals auch das britische Parlament beschäftig und wesentlich die Ausbreitung der Homöopathie beflügelt.

Die Homöopathie verbreitete sich in ganz Europa, aber auch auf dem indischen Subkontinent, wo sie auch heute ein gut etablierter Teil des Gesundheitswesens ist. In Indien gibt es zahlreiche homöopathische Krankenhäuser, eine eigene akademische Ausbildung und ca. 100 000 Homöopathen – allerdings auf unterschiedlichem Ausbildungsniveau. Auch in Amerika hat sich die Homöopathie damals fest etabliert. In Südamerika ist sie immer noch weit verbreitet; in Nordamerika und in Europa gab es allerdings im 20. Jahrhundert dann einen deutlichen Niedergang.

In den USA war das besonders interessant, weil es dort zwischen 1840 und 1890 viele ausgezeichnete und erfolgreiche homöopathische Ärzte gab, große Ausbildungsstätten und Krankenhäuser mit vielen tausend Betten. Die Homöopathie schien sich dort zur vorherrschenden Medizin zu entwickeln. Die renommierte American Medical Association wurde 1847 als Abwehrverband der konventionellen Ärzte gegen die Homöopathie gegründet. Alle Mitglieder, die etwas mit Homöopathie zu tun hatten wurden sofort ausgeschlossen – auch wenn sie nur an einem homöopathischen College Anatomie unterrichteten.

Ob der Niedergang diesen Abwehrmaßnahmen geschuldet ist, lässt sich aber schwer beurteilen. Vielleicht war das zu einem guten Teil auch hausgemacht. Mit der zunehmenden Beliebtheit der Homöopathie, sank an vielen Stellen die Qualität der Ausbildung. Hinzu kam, dass es im Bereich der konventionellen Medizin viele aufregende Neuerungen gab. Die Erreger von Infektionskrankheiten konnten erstmal systematisch katalogisiert werden. Einzelne Wirkstoffe (Alkaloide) konnten aus Pflanzen isoliert werden; die Arzneiherstellung wurde standardisiert und profitierte von den Fortschritten der chemischen Forschung. Auch in der konventionellen Arzneitherapie wurden nun systematische Studien eingesetzt. Die Medizin begann ihr heutiges Gesicht, als industrialisierte und standardisierte Technik, anzunehmen.

Ich glaube, dass dieser kulturelle Wandel der wichtigste Grund war. Den tiefsten Punkt ihres Niedergangs erreichte die homöopathische Medizin in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das war eine Zeit der Technik- und Fortschrittseuphorie. Die Energievorräte der Welt schienen durch die Atomkraft unerschöpflich zu werden, die Probleme der Ernährung waren durch DDT gelöst, und in der Medizin waren das Penicillin, das Kortison und das Insulin die Leitbilder eines ungeheuren Fortschritts; die Infektionskrankheiten und Krankheiten wie Rheuma oder Diabetes waren kein Problem mehr; in die Zukunft gedacht schien es nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis die restlichen Krankheiten noch besiegt wären. Damals waren es nur noch einige alte Männer, die als homöopathische Ärzte praktizierten.

Welches Ansehen hat die homöopathische Lehre heute?
Ihre Revitalisierung erlebte die Methode in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, als eine ganze Generation die Grenzen des Wachstums entdeckte. Die Welt war komplexer geworden und systemisches Denken wurde gefragt. In dieses Umfeld passte die Homöopathie plötzlich wieder gut hinein. In Europa ist sie heute wieder gut etabliert und in geringerem Ausmaß auch in den USA. Unter Patienten hat Homöopathie ein hohes Ansehen.

Die konventionelle Pharmakotherapie hat vielfach keinen so ganz guten Ruf. Die Patienten fürchten die Nebenwirkungen und mögen Dauertherapien nicht besonders. Wenn das Kind zum dritten Mal in drei Monaten Antibiotika bekommen hat, denken doch recht viele Eltern über Alternativen nach. Die veröffentlichte Meinung wird bestimmt von den Wissenschaftsredaktionen. Da sitzen Naturwissenschaftler. Und jeder von ihnen, der sich nicht ernsthaft mit der Homöopathie beschäftigt, den wird auch keine Studie überzeugen, obwohl es diese Untersuchungen durchaus gibt.

Ich habe nichts gegen diese naturwissenschaftliche Sichtweise. Ich wundere mich ja selbst, dass das funktioniert. Wissen muss allerdings dazu, dass sich diese Verdünnung bzw. Potenzierung rein pragmatisch entwickelt hat. Das Ziel bei der Verschreibung eines homöopathischen Mittels ist es ja, den Zustand des Patienten zu verschlechtern. Wir verschreiben Mittel, die ähnliche Symptome hervorbringen können.

Natürlich wollen wir den Zustand nicht wirklich verschlimmern, sondern nur eine Reaktion des Organismus hervorrufen. Das ist ähnlich, wie wenn man jemanden mit kaltem Wasser übergießt. Anschließend wird dem warm. Logischerweise hat man dann rasch damit angefangen, die Mittel zu verdünnen um die Wirkung (also die Verschlechterung) zu vermindern. Erstaunlicherweise blieb die Reaktion erhalten. Rein pragmatisch hat sich so die Potenzierung entwickelt. Wissenschaftlich ist das aber trotzdem schwer nachvollziehbar, auch wenn es in der Grundlagenforschung inzwischen durchaus Belege für solche Effekte gibt. Das sind recht spannende wissenschaftliche Diskussionen.

Den DZVhÄ gibt es seit 1829 – war Hahnemann von Anfang an dabei?
Der DZVhÄ ist mittlerweile der älteste Ärzteverband in Deutschland und wohl einer der ältesten weltweit. Gegründet wurde er 1829 in Köthen im damaligen Wohnhaus von Hahnemann und natürlich war er auch dabei. Ganz spannungsfrei war das Verhältnis aber wohl nie. Es gab eigentlich immer eine offene Diskussion in dem Verein und die Kollegen hatten eigene Meinungen.

Wie wird Ihr Ausbildungsangebot von Ärzten angenommen?
Derzeit gibt es hierzulande etwa 8000 niedergelassene Ärzte, die homöopathisch behandeln, entweder als zusätzliches Angebot in einer konventionellen Praxis oder als echten Praxisschwerpunkt. Und es werden schon immer noch mehr. Die massiven Wachstumsraten, wie in den 80er und 90er Jahren, haben wir heute allerdings nicht mehr.

Bemerkenswert ist aber auch, dass sich das Verhältnis zu den konventionellen Kollegen deutlich verbessert hat. Viele gehen inzwischen recht gelassen damit um und akzeptieren die Homöopathie als Teil der Gesundheitsversorgung. Ein paar ältere Kollegen gibt es allerdings schon noch, die bei dem Thema heftige Emotionen entwickeln.

Wie sieht es an den Hochschulen aus?
Die Universität Magdeburg hat beschlossen, gemeinsam mit dem DZVhÄ einen Masterstudiengang einzurichten. Wir sind derzeit noch dabei, die Einzelheiten des Curriculums zu klären. Wir hoffen, dass wir dann 2011 den Lehrbetrieb aufnehmen können.

Neben diesem Masterstudiengang gibt es aber auch die Stiftungsprofessur an der Charité in Berlin. Die wurde von der Carstensstiftung eingerichtet und spielt eine wichtige Rolle für die Forschung in der Komplementärmedizin. Da sind schon etliche sehr seriöse Studien gemacht worden. Das ist ja nicht so, dass uns immer alles gefällt, was da heraus kommt. Letzten Endes profitieren wir aber auch davon, wenn wir bestimmte Dinge besser verstehen – auch wenn wir uns dabei vielleicht von liebgewordenen Ansichten verabschieden müssen.

Fragen auch immer mehr Patienten nach homöopathischer Behandlung?
Diese Sonderverträge mit den gesetzlichen Krankenkassen haben dazu geführt, dass viele Patienten eine homöopathische Behandlung bekommen können, die sich das vorher nicht leisten konnten. Die vertragsärztlichen Praxen haben mittlerweile zum Teil recht lange Wartezeiten. Aber auch in den homöopathischen Privatpraxen gibt es nach wie vor viele Patienten, die die Behandlung selbst zahlen. Das hängt damit zusammen, dass die Qualität der homöopathischen Behandlung mit dem Zeitaufwand für die Anamnese zusammenhängt. In den Sonderverträgen wird eine einstündige Anamnese erstattet. Für die Kassen ist das schon ein ziemlicher Aufwand. In der homöopathischen Privatpraxis dauert eine Erstanamnese aber zwei Stunden im Durchschnitt. Aber auch die Selbstbehandlung spielt eine große Rolle. Wir fördern das durchaus bewusst. Die Patienten müssen sich nur der Grenzen bewusst sein.

© Jozsef Szasz-Fabian / www.iStockphoto.comWie sehen Sie die Verwendung von komplexhomöopathischen Mitteln?
Im eigentlichen Sinn ist das ja keine Homöopathie. Die homöopathische Therapie besteht ja darin, dass man dem Patienten das Mittel verschreibt, dass ähnliche Symptome hervorrufen kann. Wissen kann man diese Symptome nur, wenn man das Mittel auch entsprechend geprüft hat. Das wäre ja auch mit Komplexmitteln möglich, wenn sie als Ganzes geprüft sind. Aus den einzelnen Teilen eines Gemisches kann man nicht einfach auf die Wirkung des Ganzen schließen. Es ist einfach effektiver, wenn man den Patienten ein wirklich passendes Einzelmittel gibt – und wir empfehlen das auch für die Selbstbehandlung.

Aber natürlich ist es manchmal einfacher ein Komplexmittel zu geben, weil das natürlich viel weniger Aufwand ist bei der Auswahl. Und häufig funktioniert das auch, wenn wenigstens eines der enthaltenen Mittel hinreichend passt. Warnen möchte ich allerdings vor der dauerhaften Einnahme solcher Mittel. Das kann dann im Einzelfall dann auch mal Symptome hervorrufen.

Homöopathie wird heute auch bei Tieren und Säuglingen angewandt – hatte dies Hahnemann ebenfalls schon vorgesehen oder sind das neue Entwicklungen?
Säuglinge hatte Hahnemann auch schon behandelt. Und über die Behandlung von Tieren hat er sich zumindest ansatzweise geäußert. Allerdings schlug er vor, entsprechende Arzneimittelprüfungen dann auch an Tieren durchzuführen, und zwar für jede Spezies. Solche Arzneimittelprüfungen gibt es bisher leider noch nicht. Bis zu einem gewissen Grad kann man aber die Arzneimittelprüfungen an Menschen auf die Behandlung von Tieren übertragen.

Apropos neu: Sind seit Hahnemann noch Mittel oder auch Potenzen dazu gekommen?
Viele Mittel sind erst später dazu gekommen. Hering zum Beispiel, ein berühmter homöopathischer Arzt in den USA, hat damals die Prüfung von Bienengift, aber auch von Schlangengiften durchgeführt. Aber auch heute gibt es noch Prüfungen – beispielsweise das Gift des europäischen Skorpions. Es gibt jetzt allerdings Schwierigkeiten, weil das gleichgesetzt wird mit den Arzneimittelprüfungen in der konventionellen Pharmakologie. Die homöopathische Arzneimittelprüfung war aber nie eine Prüfung an Probanden, das war immer ein Selbstversuch von Ärzten und steht in der großen Tradition der ärztlichen Selbstversuche. Das ist etwas ganz Anderes.

Wurde von einigen auch wieder Abstand genommen?
Es gibt eigentlich keinen Grund, von einem homöopathischen Mittel wieder Abstand zu nehmen. Das ist anders als in der konventionellen Therapie. Dort zielt man auf eine bestimmte Wirkung. Und wenn ein anderes Mittel besser wirkt, oder wenn man diese Wirkung mit zu vielen Nebenwirkungen erkauft, dann nimmt man besser davon Abstand.

In der Homöopathie verwendet man die Mittel ja in potenzierter Form. Man will ja die Wirkung und die Nebenwirkungen gar nicht wirklich auslösen. Deshalb verschreibt man die Mittel potenziert, und je besser man die Mittel kennt, desto genauer kann man das Mittel verschreiben. Allerdings gibt es einzelne Mittel, die aus arzneimittelrechtlichen Gründen verschwinden. Das ist zum Teil ziemlich absurd. Da wird ernsthaft behauptet, dass von Mitteln, die aus Ausgangsmaterial von Tieren hergestellt werden, eine Infektionsgefahr ausgehen könnte. Das ist bei höheren Potenzen aber schon durch die Potenzierung mehr als unwahrscheinlich.

Was empfehlen Sie den PTA, wenn ihre Kunden nach homöopathischen Mitteln fragen?
Wie bereits erwähnt fördern wir die Selbstbehandlung und auch die Beratung durch Apotheken bei der Selbstbehandlung. Sinnvoll ist es aber schon, wenn man sich soweit damit beschäftigt, dass man mindestens so viel weiß wie die Patienten. Einige von ihnen kennen sich sehr gut damit aus. Für die Apotheker bieten wir eine entsprechende Ausbildung an. Leider können PTA aus rechtlichen Gründen bisher nicht an dieser Ausbildung teilnehmen.

Wichtig ist natürlich, dass bei dieser Beratung auch die Grenzen berücksichtigt werden. Es gibt Beschwerden, die dafür nicht geeignet sind. Schwere akute Krankheiten, komplexe chronische Krankheiten und wiederkehrende Infekte sollten von einem homöopathischen Arzt mit entsprechender Ausbildung behandelt werden. Aber viele Dinge kann man doch gut regeln. Ohrenschmerzen bei Kindern sind zum Beispiel eine richtig dankbare Indikation.

Wenn Sie drei oder vier Mittel kennen, werden Sie das in ca. 80 Prozent der Fälle erfolgreich behandeln können. Und mit erfolgreich meine ich, dass das dann auch innerhalb einer halben Stunde besser wird. Das wirkt eher schneller als ein konventionelles Schmerzmittel. Und das kann man ja immer noch geben, wenn es nicht funktioniert; dann war es eben nicht das passende Mittel.

Hüten Sie sich nur vor den großen Versprechungen. Es gibt in diesem Bereich ein paar Referenten, die den Eindruck vermitteln, man könne auch komplexe neurologische oder psychische Störungen im Bereich von Selbstbehandlung oder Beratung durch Apotheken behandeln. So etwas unterstützen wir selbstverständlich nicht.

Dürfen PTA zu Potenzen wie C200 oder höher raten?
Rechtlich dürfen sie das natürlich, empfehlen kann ich das nicht. Je höher die Potenz, desto genauer muss das Mittel passen. Für die Selbstbehandlung eignen sich eher niedrigere Potenzen – und das gleiche gilt für die Beratung zur Selbstbehandlung in der Apotheke.

Ein Kunde mit Heuschnupfen oder Lebensmittelallergie: Besteht hier eine Gefahr für den Allergiker, wenn er ein bestimmtes Mittel nehmen soll, auf das er eigentlich allergisch reagiert, z.B. Chamomilla? Können bis zu bestimmten Potenzen Reaktionen auftreten, sogar ein anaphylaktischer Schock?
Theoretisch ist das schon möglich, allerdings wirklich nur bei sehr niedrigen Potenzen. Schon bei einer D4 halte ich das für eher unwahrscheinlich, bei einer D6 für praktisch ausgeschlossen. In der Praxis habe ich allergische Reaktionen noch nie erlebt. Allerdings verwende ich niedrige Potenzen etwas seltener.

Wie sehen Sie die Zukunft der Homöopathie?
Unser Gesundheitssystem befindet sich ja in einer Krise. Die konventionelle Medizin beruht auf erkenntnistheoretischen Paradigmen, die heute nur noch begrenzt gültig sind. In der Wissenschaft zeigt sich ein Wechsel der Paradigmen. Die Idee der monokausalen Erklärungen ist nicht mehr zeitgemäß. Es wächst das Interesse an komplexen Systemen. Systemtheorie und Chaoskonzept sind ein Ausdruck davon.

Eine zeitgemäße Gesundheitspolitik wird gut daran tun, verschiedene Konzepte von Krankheit und Heilung nebeneinander bestehen zu lassen in einem Markt der Möglichkeiten. Dazu gehören dann komplementärmedizinische Methoden, genauso aber moderne Medizintechnik – und gelegentlich auch Antibiotika. Dann wenn sie wirklich notwendig sind. Ich denke schon, dass die Homöopathie einen Platz haben wird in diesem Gesundheitssystem. Auf die Dauer gesehen, setzen sich Dinge, die funktionieren auch durch. 

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/10 ab Seite 70 .

Das Interview führte Dr. Petra Kreuter

Stichworte: Curt Kösters, DZVhÄ, Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte, Globuli, Homöopathie, Interview, Kreuter, Organon, Samuel Hahnemann, alternative Heilmethoden, alternative Medizin

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