© Jan Gropp / www.Shotshop.com
Zahngesundheit ist ein großes Thema und steht bei sämtlichen Ihrer Kunden auf der täglichen „to do-Liste“. Nutzen Sie als PTA dieses Potenzial.
Rund Dreiviertel der Deutschen aller Altersklassen legen Wert auf ein gutes Mundpflegeverhalten und nehmen die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen durch den Zahnarzt wahr. Dennoch zählen Zahnfäule (Karies), Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) nach wie vor zu den häufigsten Infektionserkrankungen weltweit. Experten schätzen, dass nur etwa ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland kariesfrei ist.
Essgewohnheiten, Nahrungszusammensetzung sowie die moderne Lebensweise mit erhöhtem Alkohol- und Tabakkonsum haben hier einen großen Einfluss auf die starke Ausbreitung von Erkrankungen im Mundraum. Beim Thema Zahngesundheit können Sie als PTA eine entscheidende Rolle spielen, denn gerade bei leichten Zahn- oder Zahnfleischproblemen scheuen viele Kunden den direkten Weg zum Zahnarzt und suchen Rat in der Apotheke.
Zahnspangen- oder Prothesenträger, Kaffee- und Weintrinker mit verfärbten Zähnen, Raucher oder Schwangere mit Parodontitisproblemen sowie Kunden mit freiliegenden Zahlhälsen: Die Alters- und Zielgruppen sind breit gefächert und benötigen eine fachgerechte Beratung. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Psychopharmaka, Antihistaminika oder Antiallergika) kann die Entstehung von Karies, Parodontose sowie Mundtrockenheit durch entsprechende Bakterien begünstigen.
Häufigste Erkrankungen im Mundraum Sie entstehen normalerweise nicht durch eine Infektion von außen, sondern durch eine Verschiebung des bakteriellen Gleichgewichts hin zu einem Überhang bestimmter, immer in der Mundhöhle vorhandener pathogener Bakterienarten. Sobald sich Nahrungsreste auf den Zähnen festsetzen, bildet sich Zahnbelag (auch dentale Plaque oder oraler Biofilm genannt).
Durch den Bakterienstoffwechsel im Mund werden Säuren gebildet, die eine Demineralisierung (Entkalkung) der Zahnhartsubstanzen bewirken und Karies hervorrufen. Während die Säuren hauptsächlich den harten Zahn schmelz auflösen, greifen die Bakterien die organischen (lebenden) Bestandteile an und dringen so in das Dentin vor. Dieses umschließt das Zahnmark – die Pulpa – und besteht aus Nervenfasern, Blutgefäßen, Bindegewebe und freien Zellen.
Sobald sich bestimmte Bakterienarten (etwa Streptokokkus mutans) in der Mundhöhle befinden, kann generell jeder von Zahnfäule betroffen sein. Diese durchläuft verschiedene Schweregrade. Eine unbehandelte Erkrankung hingegen kann zum Absterben des Zahnmarks führen, was eine Wurzelbehandlung beziehungsweise eine Zahnentfernung mit sich bringt. Die Parodontitis ist eine bakteriell bedingte Entzündung, die sich meist schmerzlos über Jahre hinweg zieht. Sie zeigt sich in einer ständig fortschreitenden Zerstörung des Zahnhalteapparates (Parodontium). Vorstufe einer Parodontitis ist eine akute oder chronische Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis), die sich durch gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch sowie Zahnfleischbluten und Schmerzen ankündigt.
Risikofaktor Mundhöhle Neben dem negativen Einfluss auf die Psyche – etwa durch unbehandelten Zahnverlust oder fehlender Ästhetik – kann die Mundgesundheit den allgemeinen Gesundheitszustand stark beeinflussen. So verweist das Robert Koch-Institut auf entzündlich bedingte Herzklappenerkrankungen (Endokarditis), die durch Bakterienansiedlung in der Mundhöhle hervorgerufen werden können. Auch Arteriosklerose oder Diabetes sind mögliche Folgen.
Aktuelle Forschungen zeigen zudem, dass mehr als die Hälfte der Patienten mit rheumatoider Arthritis (chronische Polyarthritis) unter bakteriellen Entzündungen des Zahnhalteapparates leiden. Bei einer aktuellen Studie mit 5000 Krebspatienten und über 10 000 Kontrollpersonen fand sich bei den Teilnehmern mit Zahnverlust durch Parodontitis eine im Vergleich zu Zahngesunden höhere Krebsrate.
Vor allem bei Speiseröhrenkrebs, Kopf- und Hals-Tumoren sowie Lungenkrebs gilt Parodontitis als Risikofaktor. Gute Zahnpflege ist selbstverständlich und eine wesentliche Voraussetzung für die Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnfleisch. Denn: Im Vergleich zu anderen chronischen Erkrankungen lassen sich durch effektive Hygiene und regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt (mindestens einmal jährlich) sehr gute Präventionserfolge erzielen. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnte in Industrieländern durch die weite Verbreitung von Fluoridierungsmaßnahmen – insbesondere von fluoridierten Zahnpasten – in den letzten Jahrzenten in allen Altersgruppen ein deutlicher Rückgang der Karies erzielt werden.
Fluoride kommen in Form vieler Mineralien in der Natur vor. In geringen Mengen (ca. 0,25 Milligramm pro Liter) sind sie im Trinkwasser enthalten. Die Salze werden unter anderem auch über fluoridiertes Speisesalz, fluoridhaltige Zahnpasta und Tabletten, Mundspüllösungen, Gele oder Lacke in die Mundhöhle eingebracht. Die Zahnärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (ZZQ) beschreibt in diesem Zusammenhang Fluorid als das wirksamste Mittel gegen Karies, da es die Widerstandskraft des Zahnschmelzes erhöht und so gegen den Angriff bakterieller Säuren schützt. In klinischen Studien wurde laut ZZQ zweifelsfrei nachgewiesen, dass die regelmäßige Verwendung fluoridhaltiger Zahnpflegemittel das Kariesrisiko um 20 bis 40 Prozent verringert.
Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes bis zum ersten bleibenden Zahn sollten daher auf Empfehlung der ZZQ Zahnpasten mit einer niedrigen Fluoridkonzentration (0,05 % Fluorid) verwendet werden. Ab einem Alter von sechs Jahren und dem Durchbruch der ersten bleibenden Zähne kann mit einer Erwachsenenzahnpasta (0,10 – 0,15 % Fluorid) mindestens zweimal täglich eine Zahnreinigung erfolgen. Gerade für Kinder in den ersten drei Lebensjahren sind Fluoridtabletten kariespräventiv wirksam und sollten regelmäßig gelutscht werden. Allerdings wird nur eine Form der systemischen Fluoridzufuhr (Tabletten oder fluoridiertes Speisesalz) empfohlen. Bei Verwendung von Fluoridtabletten empfehlen Experten daher eine Fluoridanamnese, um überhöhte Fluoridaufnahmen durch andere Quellen zu vermeiden.
Fluorid, Kalzium und Phosphor: „Baustoffe“ der Zähne Falsche Essgewohnheiten und Nahrungsmittelzusammensetzung haben einen großen Einfluss auf die Erkrankung in der Mundhöhle. Vor allem eine kohlenhydratreiche Ernährung (besonders Zuckerkonsum) ist für die Kariesentstehung mit verantwortlich. Säuren lösen essentielle Mineralstoffe aus der Zahnoberfläche, verändern die Beschaffenheit des Zahnschmelzes und führen zum Verlust notwendiger, harter Zahnsubstanz.
Eine vollwertige Ernährung und die Zufuhr von Kalzium, Phosphor und Fluorid sind daher nicht nur gut für das Wohlbefinden und den Organismus, sondern sichern den Aufbau eines gesunden Zahnschmelzes. Und ob Rohkost oder Vollkornbrot: Die Lebensmittel müssen gründlich gekaut werden, was den Speichelfluss begünstigt. Ausreichenende Speichelproduktion hat eine gute Spülwirkung im Mund und neutralisiert so große Mengen an Säure.
Auch das Kauen von zuckerfreien Zahnpflegekaugummis nach dem Essen mindert die Säureattacken auf die Zähne und trägt zur Remineralisation der Zahnsubstanz bei. Dabei spielt der Zuckeraustauschstoff Xylit in der Kariesprophylaxe eine tragende Rolle, denn dieser vermindert die Plaquebildung sowie die Produktion von zahnschädigenden Säuren. Obwohl über 300 Studien die karieshemmende Wirkung von Xylit belegen, ist die Wirkung des Zuckeraustauschstoffs hierzulande nahezu unbekannt.
Informieren Sie Ihre Kunden bei der Beratung auch über versteckte Zucker in Lebensmitteln. Ob Müsli, Ketchup, Säfte, Fruchtjoghurt oder Wurstwaren: Auch vermeintlich gesunde Produkte können „Zuckerbomben“ sein. Auch Fruchtzucker kann Zahnfäule begünstigen, wie wissenschaftliche Untersuchungen aufzeigen. Weisen Sie Ihre Kunden auf das geschützte Markenzeichen für zahnfreundliche Lebensmittel hin (Zahnmännchen mit Schirm).
Baby-Bottle-Syndrom Obwohl Neugeborene eine sterile Mundhöhle haben, werden Kariesbakterien durch den Speichel der Eltern oder anderer Bezugspersonen auf die Kinder übertragen. Durch Ablecken der Trinkflasche oder des Löffels kommen so nach Durchbruch der Milchzähne säurebildende Streptokokken hinzu, die für die Entstehung von Karies verantwortlich sind.
Mütter, die regelmäßig xylithaltige Kaugummis kauen, können durch die geringere Bakteriendichte im Mundraum das Kariesrisiko ihrer Kinder verhindern. Bei der Nahrungsaufnahme spielt zum einen die Härte der Lebensmittel sowie die Verweildauer in der Mundhöhle eine wesentliche Rolle. Ob Bonbons, Lakritz, Salami oder trockene Kekse: Klebrige Speisen legen sich förmlich um den Zahn, setzen sich in den Zahnzwischenräumen schnell fest und bieten so eine ideale Lebensgrundlage für Bakterien.
Raten Sie Ihren Kunden nach dem Verzehr säurehaltiger Speisen oder Getränke wie Obstsaft, Wein oder Früchtetee, eine halbe Stunde mit dem Putzen zu warten. Der Zahnschmelz wird durch die Säure angegriffen und ist eine Zeit lang empfindlicher. Nach dem Verzehr von säurehaltigen Speisen fördert etwa Joghurt, Käse oder Milch die Remineralisation der Zahnsubstanz.
Zahnbürste alle zwei Monate wechseln Kontinuierliche Zahnpflege nach dem Essen (mindestens zweimal täglich drei Minuten) ist eine wesentliche Voraussetzung für die Gesunderhaltung der Zähne und sollte für Eltern und Kinder selbstverständlich sein sowie früh zur Gewohnheit werden. Aufgrund der leichten Erlernbarkeit putzen Kinder bis fünf Jahre nach der KAI Methode – von den Kauflächen über die Außenflächen bis hin zu den Innenflächen der Zähne. Ein kleiner Bürstenkopf mit einem rutschfesten Griff sind für kleine Kunden die richtigen „Werkzeuge“.
Grundsätzlich sollte die Zahnbürste aus mittelharten bis weichen, abgerundeten Kunststoffborsten und planem Bürstenkopf bestehen. Naturborsten sind innen hohl und bieten damit einen idealen Schlupfwinkel für Bakterien und Pilze. Da sich der orale Biofilm auf den Zähnen trotz Zahnreinigung innerhalb weniger Stunden neu formiert, kommt der effizienten Plaquekontrolle eine entscheidende Bedeutung zu. Diese ist nach Angaben des Deutschen Zahnärzteblatts zwar mit Handbürsten realisierbar, erfordert aber „manuelle Geschicklichkeit“.
Elektrische Zahnbürsten (Schall- und Ultraschallzahnbürsten oder oszillierend-rotierende Systeme) können die individuelle Plaquekontrolle erleichtern und bieten Ihren Kunden zudem weitere Hilfestellungen wie beispielsweise Anpressdruckkontrolle oder eine Putzzeituhr. Wenn der behandelnde Arzt keine speziellen Präparate empfiehlt, sollte eine fluoridierte Zahncreme mit bakterienabtötenden, zahnhärtenden Zusätzen gewählt werden. Dazu zählen Chlorhexidin, Amin- und Zinnfluoridlösungen, Natriumlaurylsulfat oder Sanguinarin.
Bei freiliegenden Zahnhälsen ist zu beachten, dass die Zahncreme keine zu aggressiven Abrasiv- bzw. Polierstoffe enthält, auf die das Dentin der Zahnwurzeln sehr empfindlich reagiert. Gerade bei erhöhter Kariesanfälligkeit können Sie als PTA außerdem ein Fluoridgel empfehlen, das einmal wöchentlich angewendet wird.
Neben dem Zähneputzen sowie der jährlichen Zahnarztkontrolle empfehlen Experten bei der Mundhygiene zusätzlich Zahnseide oder Dentalbürstchen zu verwenden, um die Zahnzwischenräume effektiver zu reinigen. Nach Angaben der Stiftung Warentest ist für Zähne und Zahnfleisch regelmäßiges Spülen mit einer effektiven Mundspüllösung jedoch besser als ein „unprofessioneller“ Umgang mit Zahnseide. Mundwässer können Karies (durch Fluorid), Zahnbelag und Zahnfleischentzündung vorbeugen.
Chlorhexidin wirkt nachweislich antibakteriell und somit plaque- und gingivitisreduzierend. Das gilt auch für Triclosan in Kombination mit PVM/MA-Copolymer sowie Amin- und Zinnfluorid. Bei schmerzempfindlichen Zähnen hat sich zudem der Inhaltsstoff Kaliumchlorid bewährt. Neue Forschungserbnisse mit cranberryhaltigen Mundspüllösungen belegen, dass die Inhaltsstoffe der Pflanze (Vaccinium macrocarpon) in der Lage sind, die Aggregation der Bakterien in den Plaques, von denen Karies ausgeht, zu verhindern.
Frischer Atem Zungenschaber oder -bürsten helfen bei der Reinigung der Zungenoberfläche, besonders des problematischen hinteren Drittels. Hier können sich winzige Essensreste festsetzen sowie Bakterien vermehren, die mitverantwortlich für Mundgeruch sind. Sollte ein Kunde trotz regelmäßiger Hygienemaßnahmen sowie Verwendung von Mundspülungen oder Zahnseide unter schlechtem Atem (Halitosis) leiden, sollten Sie ihm eine gründliche zahnärztliche Untersuchung empfehlen, da dies einen Hinweis auf ein ernsteres Problem darstellen kann (z. B. Stoffwechselerkrankungen, Infektionen der Atemwege, Störungen der Leber und Niere). Nur ein Arzt kann Ihre Kunden darüber aufklären, ob eine unzureichende Mundhygiene (Plaque oder Zahnstein), eine Zahnfleischerkrankung, ein chronisch trockener Mund oder eine Allgemeinerkrankung die Ursache darstellt.
Mundhygiene hat immer Saison Zeichnen Sie sich mit Ihrer Apotheke durch ein umfassendes Zahnpflegesortiment aus. Neben den Basisprodukten für die Zahngesundheit sollte daher immer eine große Auswahl von Produkten zur Verfügung stehen, um diesen individuellen Ansprüchen zu genügen (z. B. Zungenreiniger, Mundduschen, elektrische Zahnbürsten, Zahnpflegekaugummis, Speichelersatzmittel oder Bleichprodukte).
Mundgesundheit fängt sogar schon bei Babys an: Durch spezielle Fingerlinge mit Noppen kann Säuglingen das Zahnfleisch massiert und somit das Zahnen erleichtert werden. Aufmerksamkeitsstarke Aktionen können den Abverkauf steigern und Neukunden gewinnen. Mögliche Themen: „Ernährung und Zahngesundheit“, „Gesunde Zähne – auch im Alter! oder „Richtige Zahnpflege – von Anfang an!
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/10 ab Seite 54.
Kirstin Engelbracht
Stichworte: Engelbracht, Fluor, Fluoride, Gingivitis, Halitosis, Karies, Mundhöhle, Mundwasser, Paradontitis, Plaque, Xylit, Zahnbelag, Zahnbürste, Zahncreme, Zahnfleischentzündungen, Zahnfäule, Zahnpflege, Zahnseide, Zucker, Zungenschaber, Zähne, Zähne putzen, schlechter Atem
Zum 1. Mal auf der neuen Website?
Bitte registrieren Sie sich neu!