Ernährung

Schutz für die Augen: AMD, trockenes Auge

Abbildung © Robert Kneschke / www.iStockphoto.com © Robert Kneschke / www.iStockphoto.com

Eine altersabhängige Makuladegeneration betrifft vor allem ältere Menschen, trockene Augen dagegen auch jüngere. Was ist das eigentlich und welche Rolle spielen Mikronährstoffe dabei?

Der Kunde ist mit seinem Latein am Ende. Seine Augen sind gerötet; schon seit Monaten jucken und brennen sie immer wieder. Vor allem seit der Heizperiode im vergangenen Winter ist es schlimm geworden. Am liebsten würde er sich den ganzen Tag die Augen reiben. Diese Symptome sind typisch für „das trockene Auge“, auch Sicca-Syndrom genannt. Andere mögliche Symptome sind ein Druckgefühl und das Gefühl, Sandkörner im Auge zu haben.

Die Augen können schmerzen, müde, licht- und zugempfindlich sein, sind oft geschwollen oder morgens verklebt. Bei Wind oder Zigarettenrauch können sie plötzlich tränen. Viele vertragen keine Kontaktlinsen mehr. Lesen und nächtliches Autofahren werden anstrengend. Unter dieser Störung des Tränenfilms leiden immer mehr Menschen hierzulande – zehn bis zwölf Millionen sind betroffen. Sie produzieren zu wenig Tränenflüssigkeit, oder die Zusammensetzung ihres Tränenfilms ist verändert. Dadurch wird er instabil und kann das Auge nicht mehr ausreichend vor Trockenheit schützen. Ein gesunder Tränenfilm ist außerdem wichtig, um die Hornhaut des Auges mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Ursachen des Syndroms  Dass die Häufigkeit des trockenen Auges zunimmt, bestätigt auch Dr. Ulrike Cramer-Schmiegel, Augenärztin in Hamburg. Oft sind Patienten nach Augenoperationen betroffen (weil dann die Tränenflüssigkeit verändert ist), alte Menschen mit abnehmender Tränenproduktion und Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Stoffwechselerkrankungen. Rauchen, Östrogenmangel in den Wechseljahren und Medikamente wie Thiaziddiuretika oder Antihistaminika können ein Austrocknen ebenfalls fördern.

Meist liegt die Ursache aber in den Umwelt- und Arbeitsbedingungen. Denn beim konzentrierten Arbeiten am Computerbildschirm sinkt die Häufigkeit des Lidschlags, der normalerweise die Tränenflüssigkeit über das Auge verteilt. Das lässt die Augenoberfläche schneller austrocknen. Die trockene Luft in Büros und Wohnungen, gerade in der Heizperiode, tut ein Übriges.

Während einige Menschen direkt ein Trockenheitsgefühl in den Augen entwickeln, kommt es bei anderen paradoxerweise zu einem vermehrten Tränen, sagt Cramer-Schmiegel. Grund ist die Veränderung des dreischichtigen Tränenfilms. Beim gesunden Auge verhindert die äußere, lipidhaltige Schicht, dass zu viel Feuchtigkeit verdunstet. Beim trockenen Auge wird diese Schicht nicht ausreichend produziert. Das führt bei einem Teil der Patienten dazu, dass reflexartig mehr von den salzhaltigen, wässrigen Tränenanteilen produziert wird. Das wirkt aber zusätzlich austrocknend – obwohl das Auge dann tränt.

Therapie  Weil bei trockenen Augen das Risiko für bakterielle Augeninfektionen steigt, sollte man früh handeln. Manchen Patienten helfen feuchte Umschläge – dem einen warme, dem anderen kalte. Eine andere Möglichkeit sind künstliche Tränen zur Befeuchtung. Sie sollten keine Konservierungsstoffe enthalten, denn die verstärken die Trockenheit eher, betont die Ärztin.

Außerdem lohnt die Frage, mit welcher Darreichungsform der Kunde gut zurechtkommt. Denn die vielen Patienten mit rheumatoider Arthritis können wegen der reduzierten Beweglichkeit ihrer Finger Tropfflaschen und Einmal-Ophtiolen schlecht händeln. Manchen hilft stattdessen eine Pumpflasche, die sie zwischen Daumen und Mittelfinger klemmen und einfach drücken können. Getropft werden muss oft mehrmals täglich, weil die Tropfen nur ein paar Stunden am Auge bleiben. Eine Augensalbe kommt allenfalls zur Nacht in Betracht – sie schmiert und trübt den Blick.

Die Patienten sollten die Luft in Wohnung und Büro ausreichend feucht halten. Dabei können Verdunster an der Heizung oder Luftbefeuchter helfen. Oft wird auch Lidrandpflege empfohlen. Dazu gehört die Reinigung mit einem Wattestäbchen und ein leichtes Massieren der Lider bei geschlossen Augen, erläutert Cramer-Schmiegel. Sie empfiehlt ihren Patienten allerdings lieber den Verzehr von Leinöl, zweimal täglich einen Esslöffel. Das mag nicht jeder, aber ein Teil der Betroffenen profitiert ihrer Erfahrung nach davon: „Das Leinöl scheint zu einer Umstellung des Fettstoffwechsels im Lidbereich zu führen. Bei einigen Patienten kommt es damit zu einer deutlichen Besserung.“

Nahrung fürs trockene Auge  Warum das so ist, ist unklar. Aber Leinöl hat einen hohen Anteil an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Omega-3-Fettsäuren gelten als entzündungshemmend und gefäßschützend – und im Tränenfilm betroffener Menschen wurden häufiger Entzündungssubstanzen nachgewiesen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren den Tränenfilm günstig beeinflussen können.

So wurde im Rahmen einer Studie bei fast 35 000 Frauen der Einfluss der Ernährung auf die Häufigkeit trockener Augen untersucht. Demnach erkrankten Frauen, die mit ihrer Nahrung am meisten der Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaen-Säure (DHA)) aufnahmen, besonders selten daran. Außerdem sind bei vielen Patienten mit trockenen Augen die Meibomdrüsen beeinträchtigt. Das sind kleine Talgdrüsen am Lidrand, die für die Produktion der fetthaltigen Schicht des Tränenfilms wichtig sind. Vor kurzem wurde gezeigt, dass Patienten mit gestörter Funktion der Meibomdrüsen von der Einnahme von Linolsäure und Gamma-Linolensäure profitieren. Linolsäure ist in Leinöl enthalten; sie wird im Körper in Gamma-Linolensäure umgewandelt.

Makuladegeneration  Wie sieht es nun bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) aus? Bei AMD wird der gelbe Fleck (Makula lutea) in der Netzhaut des Auges geschädigt. Er ist nur wenige Quadratmillimeter groß, enthält aber die meisten Sehzellen und ist die Stelle des schärfsten Sehens. Er ist also sehr wichtig – etwa beim Lesen, beim Fixieren feiner Einzelheiten oder um zum Beispiel Gesichter zu erkennen.

AMD tritt vor allem bei Menschen ab 60 Jahren auf und tut nicht weh. Vollständiges Erblinden ist selten, trotzdem kann jedoch die Sehfähigkeit weitgehend beeinträchtigt werden. Die Schädigung zeigt sich zuerst nur im zentralen Sehbereich: Die Patienten sehen in der Mitte ihres Sehfeldes nur einen verschwommenen Fleck. Den Bereich darum herum erkennen sie noch, aber nicht sehr scharf. Der Fleck wächst mit der Zeit und kann letztlich normale Tätigkeiten wie Lesen und Fernsehen unmöglich machen. Typisch ist auch das Verzerren gerader Linien – so können Türrahmen plötzlich verbogen wirken. Die Patienten nehmen dann beim Betrachten eines Testgitters dessen gerade Linien und Quadrate teilweise als verbogen, unterbrochen oder verschwommen wahr.

Formen der AMD  Am häufigsten ist die trockene AMD (85 Prozent) mit Ablagerungen unter der Netzhaut. Der langsame Rückgang der Sehkraft – etwas blassere Farben oder eine verzögerte Anpassung der Augen an die Dunkelheit – wird anfangs meist nicht bemerkt. Aus der trockenen kann aber eine feuchte AMD mit rasch fortschreitender Zerstörung der Sehzellen werden. Dabei entwickeln sich neue Blutgefäße und sprießen unter die Netzhaut ein. Oft ist ihre Qualität so schlecht, dass sie undicht werden und sich ein Makulaödem entwickelt, wodurch Sehzellen zugrunde gehen.

Eine Heilung der AMD ist bislang nicht möglich – nur der Versuch, sie aufzuhalten. Der Arzt kann bei feuchter AMD ein Medikament ins Auge injizieren, um das Gefäßwachstum zu hemmen. Oder er verödet undichte Gefäße mit dem Laser. Das ist aber im Zentrum der Makula nicht möglich und verhindert nicht, dass sich neue Gefäße bilden.

Vorbeugung  Jeder vierte Über-65-Jährige zeigt AMD-Anzeichen. Die genauen Ursachen kennt man nicht, aber Vererbung scheint eine Rolle zu spielen. Das Risiko steigt bei Rauchern, hohem Blutdruck und wahrscheinlich auch durch sehr helles Sonnenlicht (UV-Strahlung) sowie nach dem Einsetzen einer künstlichen Augenlinse bei einer Operation. Deshalb wird empfohlen, zur Vorbeugung nicht zu rauchen, hohen Blutdruck zu senken und bei sehr hellem Licht eine Sonnenbrille zu tragen.

Nützliche Nährstoffe  Gesunde Augen brauchen ganz bestimmte Nährstoffe für einen geregelten Stoffwechsel. Vitamin A etwa ist bekanntlich für die Nachtsehfähigkeit erforderlich. Aber auch anderen Substanzen wird Bedeutung zugeschrieben. So enthält die Makula die gelben Pflanzenpigmente Lutein und Zeaxanthin in hoher Konzentration. Die Carotinoide schützen die Netzhaut wie ein Filter vor schädlichem UV-Licht, durch das aggressive freie Radikale entstehen können. Die Pigmente bieten den Zellen offenbar auch einen gewissen Schutz vor oxidativen Schäden durch freie Radikale, falls doch Strahlen durchkommen.

Im Alter sinkt jedoch die Carotinoid-Konzentration in der Netzhaut. Weitere Antioxidantien oder „Radikalfänger“ sind Vitamin C und E. Auch die Spurenelemente Zink und Selen werden oft empfohlen. Für die trockene AMD belegen Studien, dass die Pigmentschicht des Auges von der gezielten Zufuhr bestimmter Nährstoffe profitieren kann. Man geht davon aus, dass hierdurch das Fortschreiten der AMD verzögert werden kann, teilt Cramer-Schmiegel mit.

Besonders hilfreich scheint laut Studienlage Lutein zu sein, durch dessen Einnahme die Makula-Pigmentdichte anstieg. „Deshalb empfehle ich bei trockener AMD Nahrungsergänzungen, die Substanzen wie Lutein enthalten“, so die Ärztin. „Bislang stehen uns dafür keine anderen Maßnahmen zur Verfügung.“ Weitere Beobachtungen zeigen, dass AMD-Patienten offenbar auch Omega-3-Fettsäuren nützen: Der höchste Verzehr dieser Fettsäuren war mit dem geringsten Risiko für ein deutliches Fortschreiten der AMD verknüpft.

Gesund essen  Zu den Ergebnissen passt, dass eine gesunde Ernährung mit viel Obst und grünem Gemüse schon lange als schützend gilt. Lutein und Zeaxanthin zum Beispiel kann der Körper nicht selbst herstellen – er holt sie sich unter anderem aus Grünkohl, Spinat, Brokkoli, Eigelb, Mais und grünen Bohnen.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 06/10 ab Seite 64.

Helga Brettschneider

Stichworte: AMD, Augen, Augenerkrankungen, Brettschneider, Ernährung, Gamma-Linolensäure, Leinöl, Linolensäure, Lutein, Makula lutea, Makuladegeneration, Meibomdrüsen, Mikronährstoffe, Omega-3-Fettsäuren, Omega-6-Fettsäuren, Sehen, Sehkraft, Sicca-Syndrom, Tränenfilm, Tränenflüssigkeit, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, Zeaxanthin, trockenes Auge

Weitere Informationen

Zur Übersicht

  • Facebook
  • Twitter
  • delicious
  • MisterWong
  • stumbleupon
  • Google
  • Reddit
  • Digg
  • Technorati
  • Newsvine
  • Windows
  • Yahoo!
  • RSS