Individuelle Pflege

Empfindliche Gesichtshaut

Abbildung © Zlatko Kostic / www.iStockphoto.com © Zlatko Kostic / www.iStockphoto.com

Die Gesichtshaut ist täglich einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Sie reagiert oft gereizt und empfindlich. Eine sanfte Behandlung ist nun gefragt.

Einer aktuellen Umfrage zufolge bezeichnen rund 70 Prozent der Apotheken-Kundinnen ihre Haut als „empfindlich“. Unter diesem Terminus wird ein Hautzustand verstanden, der eine erniedrigte Reizschwelle für irritative Reaktionen aufweist. Gesunde Gesichtshaut zeichnet sich durch eine glatte, geschmeidige Oberfläche aus. Wirkt die Haut hingegen trocken, spröde oder rissig, weist dies auf eine defekte Hautbarriere hin. Speziell das Gesicht ist am schnellsten betroffen.

Intakter Säureschutzmantel Die „Mauer“ aus Hornzellen und Lipiden stellt die eigentliche Barriere gegenüber der Umwelt dar. Sie ist mit einem dünnen Wasser-Fett-Film überzogen, der vor allem aus Talg, Schweiß und aus Bestandteilen der Hornzellen gebildet wird. Da dieser Film leicht sauer ist, trägt er den Namen Säuremantel. Moderne Messmethoden ergaben bei gesunder Haut einen durchschnittlichen pH-Wert von 5,5. Die Aufgabe des Hydrolipidfilms der Haut besteht darin, schädliche Mikroorganismen sowie negative Umwelteinflüsse abzuwehren und dadurch die Haut vor Infektionen, Reizungen, Allergien und Austrocknung zu schützen.

Doch die Schutzhülle des größten menschlichen Organs ist nur in begrenztem Maße strapazierbar und benötigt ausreichend Schutz und Pflege. Denn: Ist die Hautstruktur erst einmal angegriffen, haben Keime und Schadstoffe leichtes Spiel und können die Hautflora aus dem Gleichgewicht bringen. Bereits ab dem 25. Lebensjahr verlangsamt sich der Prozess der Hauterneuerung. Das empfindliche Organ verliert kontinuierlich an Spannkraft und Feuchtigkeit, wird dünner und zeigt erste Fältchen. Eine geringe Flüssigkeitszufuhr durch falsche Reinigungs- und Pflegeprodukte kann die Gesichtshaut zusätzlich austrocknen.

Fähigkeit zur Regeneration Monika Ferdinand, Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Kosmetiker/innen (BDK) e.V., erklärt: „Die Haut besitzt ein natürliches Schutzschild. Doch Schadstoffe, Gefäßgifte wie Rauchen und Alkohol, eine unausgewogene Ernährung, zu wenig Flüssigkeitszufuhr, Medikamentenmissbrauch, zuviel Sonne oder falsche Pflegeprodukte (Konsistenzen) können Barrierefunktionen schädigen.“ Auch übermäßiges Reinigen mit kalkhaltigem Wasser sowie Gesichtspeelings greifen die Oberhaut an und führen zum Verlust der hauteigenen Feuchthaltefaktoren (natural moisturizing factors, NMF).

Gesunde Haut, die auf Dauer keinen gravierenden Umweltbelastungen ausgesetzt ist, ist meist in der Lage ist, sich selbst zu regenerieren. Bei geschädigter Haut dauert der Reparaturvorgang sehr viel länger oder funktioniert ohne unterstützende Pflegemaßnahmen gar nicht. Die empfindliche Gesichts-haut benötigt zum Schutz vor freien Radikalen und zur Stärkung der hauteigenen Schutzfunktion hoch wirksame Antioxidanzien und intensive Feuchtigkeitsspender.

Optimale Vorbereitung Zur richtigen Pflege der empfindlichen Gesichtshaut gehört eine sanfte und schonende Hautreinigung. Denn gesäuberte Haut kann Pflegestoffe besser aufnehmen und die gewünschten Wirkungen somit schneller erzielen. Auf Alkohol, Duft- und Konservierungsstoffe sollte dagegen ganz verzichtet werden. Die Vorsitzende des BDK empfiehlt: „Die hauteigene Regenerationsfähigkeit kann mit einer besonders milden Gesichtspflege sehr gut unterstützt werden. Kunden mit empfindlicher Haut sollten bei der Reinigung auf leichte Reinigungscremes, -schäume oder -gele zurückgreifen, die einen sanften und seifenfreien Schaum bilden.

Beruhigende, hydratisierende, alkoholfreie Gesichtslotionen hydratisieren und unterstützen den Säureschutzmantel der Haut und neutralisieren Rückstände und Kalkpartikel des Leitungswassers. Reizungen können so vermieden werden, die Haut wird schon während der Reinigung leicht beruhigt.“

Weniger ist mehr Der Einsatz ungeeigneter Pflegeprodukte sowie „Überpflegung“ kann den Zustand der Haut verschlechtern und auch ursprünglich gesunde Haut belasten. Es ist daher ratsam, auf bewährte Inhaltsstoffe zurückzugreifen und die Anzahl der verwendeten Produkte auf ein Minimum zu reduzieren. Bei der Pflege der feuchtigkeitsarmen, empfindlichen Gesichtshaut empfiehlt es sich, dieser nicht nur Feuchtigkeit, sondern auch natürliche Feuchthaltefaktoren (z.B. durch verschiedene Aminosäuren, Algen-Extrakte oder Harnstoff) zuzuführen, die die Hautpolster auffüllen und so Keime besser abwehren können. Fucogel, das Polysaccharid zum Schutz der sehr empfindlichen Haut, ist ein rein pflanzlicher Stoff aus Mais und Soja, der einen schützenden und hydratisierenden Film auf der Haut bildet. Thermalwasser wirkt speziell bei gereizter Haut schonend und hautberuhigend, ebenso wie Betulin.

Zur Pflege trockener und empfindlicher Haut eignen sich besonders Produkte, die auf Basis von Pflanzenölen hergestellt wurden. Sie bieten gegenüber paraffinölhaltigen Produkten den Vorteil, dass sie nicht als Film an der Hautoberfläche verbleiben, sondern in die Haut einziehen, diese mit essenziellen Fettsäuren versorgen und so eine Verbesserung des Hautzustandes bewirken können. „Bei empfindlicher Gesichtshaut bietet sich eine beruhigende Öl-in-Wasser (O/W) Tages- und Nachtpflege auf Vitamin E- oder Aloe Vera-Pflanzenextraktbasis an. Diese schützt und hydratisiert die empfindliche Gesichtshaut und bindet Feuchtigkeit“, rät Monika Ferdinand.

Beim fettarm-trockenen Hautzustand empfehlen Dermatologen sogar O/W Tages-Feuchtigkeitscremes mit 25 bis 40 Prozent Fettgehalt. Bei der Nachtpflege ist bei diesem Hautzustand eine Wasser-in-Öl (W/O) Creme mit 50 bis 70 Prozent Fettgehalt mit Feuchthaltefaktoren (NMF) zu bevorzugen.

Gesichtsmasken sind eine ideale Ergänzung zu täglichen Gesichtspflege, denn sie können – nach einer gründlichen Hautreinigung – sogar tiefere Hautschichten mit Feuchtigkeit versorgen. Auch Pflegemasken sollten unbedingt dem Hauttyp, Hautproblem und dem Alter des Kunden entsprechen. Nach der Einwirkzeit (die nicht überschritten werden sollte) ist die Maske sanft mit Hilfe eines feuchten Gesichtstuches oder Waschlappens und lauwarmen Wasser zu entfernen. Tipp für Ihre Kunden: Gerade bei sehr empfindlicher Haut sollte das Hautpflegeprodukt vorher in der Armbeuge getestet werden, um unerwünschte Hautreizungen auszuschließen.

WEITERE INFORMATIONEN IM INTERNET:
www.gd-online.de:
Internetportal der GD Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.
www.hautapotheke.de:
Apotheken, die eine qualifizierte Hautberatung leisten, gehören dem Netzwerk der GD an. Die zertifizierten Apotheken arbeiten mit Dermatologen zusammen und setzen sich in vielfältiger Weise für Menschen mit Hautproblemen ein.
www.dha-allergien.de:
Die Website der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DHA) e.V. liefert wertvolle Informationen und Hinweise zu Allergien und Hautkrankheiten: Diagnose, Therapie, richtige Hautpflege.
www.haut.de
richtet sich an interessierte Verbraucher, Dermatologen und andere Interessierte und vermittelt unabhängiges, fachlich fundiertes Wissen rund um die Themen Haut und Körperpflege.

Sonnenempfindliche Haut Um das Gesicht präventiv vor Lichtschäden zu schützen, empfehlen Hautärzte, täglich eine schützende Tagespflege mit physikalischem UVA-/UVB-Breitbandfilter zu verwenden beziehungsweise stets auf ausreichenden UV-Schutz zu achten. Laut GD Gesellschaft für Dermopharmazie e.V. setzen sich viele Menschen, ob bewusst oder unbewusst, einer zu starken Strahlenbelastung durch natürliches oder künstliches Sonnenlicht aus. Gerade die „Sonnenterassen des Körpers“ wie Stirn, Nase, Lippen, Hände oder die unbedeckte Kopfhaut sind bevorzugt betroffen. Neben der Bildung von freien Radikalen können UV-AStrahlen bis in das Bindegewebe eindringen und Veränderung in der Dermis hervorrufen.

UV-B Strahlen sind hauptverantwortlich für DNA-Schäden. Menschen, die ohnehin an empfindlicher Haut leiden, strapazieren diese durch Sonneneinstrahlung noch mehr: Die Mallorca-Akne äußert sich beispielsweise durch kleine Pickel und Rötungen im Bereich der Poren nach Sonnenbädern oder dem Besuch im Solarium. Der Sonnenbrand (UV-Erythem) ist eine entzündliche Rötung der Haut durch kurzwellige UV-Strahlung, die zu Druckempfindlichkeit und Brandschäden führen kann. Doch nicht nur vorzeitige Hautalterung, sondern auch ein erhöhtes Risiko an Hautkrebs oder anderen lichtbedingten Hauterkrankungen zu erkranken, gehören zu den Risiken.

Sonnenschutz mit Qualitätszeichen Bei der Wahl des Lichtschutzfaktors sollten sich PTA an dem jeweiligen Pigmentierungstyp und Hautzustand (normal, fett-feucht, fett-trocken, fettarm-trocken oder fettarm-feucht) des Kunden orientieren. Neben UV-Filtern und Mikropigmenten enthalten gerade in Apotheken angebotene Sonnencremes hautpflegende und -beruhigende Stoffe wie Dexpanthenol, Antioxidanzien (z. B. Vitamin E, Carotinoide, Flavonoide) sowie DNA-Reparaturenzyme. Antioxidanzien helfen, zellschädigende Effekte durch freie Radikale zu unterbinden. Für Menschen, die unter Mallorca-Akne leiden, halten Apotheken zudem fett- und emulgatorfreie Produkte wie Sonnenschutzgele bereit.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 05/10 ab Seite 68.

Kirstin Engelbracht, Redaktion

Stichworte: Algen-Extrakt, Fucogel, Gesichtshaut, Gesichtsmasken, Harnstoff, Haut, Hautpflege, Hautreinigung, Hydratisierung, Hydrolipidfilm, Lichtschutz, Sonnenschutz, Thermalwasser, empfindliche Haut, trockene Luft

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