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Der medizinische Kompressionsstrumpf hat seinen festen Platz in der Therapie von Venenerkrankungen. Aber auch unter Sportlern wird er immer beliebter.
Die Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie brachte es 2003 an den Tag: Nur knapp 10 Prozent der insgesamt 3072 Teilnehmer im Alter von 18 bis 79 Jahren hatten gesunde Venen. Jeder zweite litt unter Beinbeschwerden, die sich zumeist durch Schwere- und Spannungsgefühle, aber auch durch Schwellungen äußerten. Krampfadern stellten die Ärzte bei jedem fünften Mann und bei jeder dritten Frau fest, eine chronische Veneninsuffizienz lag bei jedem sechsten Mann und bei jeder fünften Frau vor.
Knapp 15 Prozent der Teilnehmer hatten schon einmal medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) verordnet bekommen. Diese werden, wie eine Folgeuntersuchung aus dem letzten Jahr ergab, zu etwa 40 Prozent für eine vorübergehende Therapie eingesetzt, ansonsten sollten die Strümpfe dauerhaft getragen werden. Hier besteht allerdings das Problem, dass nur etwa die Hälfte der Betroffenen dazu auch bereit oder in der Lage war. Um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden, ist in solchen Fällen Ihre Beratungskompetenz gefragt.
Wer bekommt MKS? Die Betroffenen leiden vor allem unter
Aber auch nach Verbrennungen oder zur Therapie von Narben können MKS eingesetzt werden. Nicht geeignet sind sie, wenn die Patienten beispielsweise bereits eine fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit oder ausgeprägte nässende Dermatosen an den Beinen aufweisen. Selten kommt es vor, dass das verwendete Material Allergien hervorruft. Hierbei kann es im Rahmen der Soforttypallergie zu einer Urtikaria kommen, bei einer Spättypallergie kann ein Kontaktekzem entstehen. Der auf Venenleiden spezialisierte Arzt, zum Beispiel ein Phlebologe oder ein Angiologe, wird dies alles berücksichtigen.
MKS üben von außen Druck auf die Beine aus, sodass die Funktion der Venenklappen verbessert wird und damit insbesondere der venöse Rückstrom wieder funktioniert. Wassereinlagerungen gehen damit ebenfalls zurück, zudem wird ihrer Entstehung entgegengewirkt. Bei Langzeitflügen reduzieren MKS beispielsweise nicht nur Wassereinlagerungen, sondern insbesondere auch das Risiko, eine tiefe Beinvenenthrombose zu erleiden.
Kosten MKS sind medizinische Hilfsmittel, die das Budget des Arztes nicht belasten. Den Großteil der Kosten übernehmen die Krankenkassen, der Patient muss neben der gesetzlichen Zuzahlung noch mit einem Eigenanteil rechnen. Im Normalfall beteiligt sich die Kasse an zwei Paar MKS pro Jahr, in Ausnahmefällen auch an vier. Erhält der Patient zum ersten Mal MKS, kann der Arzt gleich zwei Paar auf einmal verordnen, indem er beim zweiten Rezept „hygienische Gründe“ angibt..
Unterschiede in der Ausführung Je nach Krankheitsbild und dessen Ausprägung wird ein Wadenstrumpf (AD), ein Halbschenkelstrumpf (AF), ein Schenkelstrumpf (AG) oder eine Strumpfhose (AT) verordnet, die Fußspitze kann geschlossen oder offen sein. Für Schwangerer gibt es die Möglichkeit, spezielle Strumpfhosen zu verordnen. Stellt der Arzt daher er ein Rezept über MKS aus, muss dieses folgende Angaben enthalten:
Es gibt vier Kompressionsklassen, die sich in dem vom Strumpf ausgeübten Ruhedruck unterscheiden. Dieser wird in Millimeter Quecksilber-Säule (mm Hg) angegeben – in der vierten Kompressionsklasse üben die Strümpfe daher den stärksten Druck auf das Gewebe aus. An den Fußfesseln soll der Kompressionsdruck 100 Prozent betragen und dann Richtung Oberschenkel systematisch abnehmen – so sind über dem Knie noch 70 Prozent und am Oberschenkel noch 40 Prozent des Drucks vorhanden.
KOMPRESSIONSKLASSEN
Klasse 1 – Kompression 18 bis 21 mm Hg = leicht
Bei schweren, müden Beinen und Krampfadern mit gelegentlichen Stauungen und geringen Schwellungen sowie oberflächlich verlaufenden Venen üben Strümpfe dieser Kategorie einen leichten Druck aus. Sie werden bei anfänglichen Schwangerschaftsbeschwerden vorwiegend empfohlen.
Klasse 2 – Kompression 23 bis 32 mm Hg = mittel
Nach der Verödung von Besenreisern und Varizenoperationen sowie nach Thrombosen und Venenentzündungen bieten Strümpfe der Kategorie 2 den richtigen Druck. Diese mittlere Kompression erreicht auch tiefer liegende Venen und ist geeignet für ausgeprägte Krampfadern mit Stauungen ebenso wie bei Schwangerschaftsvarizen.
Klasse 3 – Kompression 34 bis 46 mm Hg = kräftig
Eine kräftige Kompression bietet die Klasse 3 bei chronischer venöser Insuffizienz im fortgeschrittenen Stadium, bei starker Schwellungsneigung und Ödemen sowie beim postthrombotischen Syndrom mit ausgeprägten Stauungen. Auch nach abgeheilten Beingeschwüren und sonstigen Hautveränderungen wirkt diese Kompressionsklasse auf die tiefen Venen und Fesseln.
Klasse 4 – Kompression 48 und darüber mm Hg = sehr kräftig
Strümpfe der Kompressionsklasse 4 entfalten einen äußerst kräftigen Druck an den Fesseln und entfalten eine massive Tiefenwirkung insgesamt. Sehr wichtig ist ihre Anwendung bei Lymphödemen, oftmals nach der Durchführung der manuellen oder maschinellen Lymphdrainage
Richtige Messung Bieten Sie in Ihrer Apotheke das Anmessen von MKS an, sollte ein abgetrennter Bereich dafür selbstverständlich sein. Erklären Sie Kunden, die mit einem entsprechenden Rezept zu Ihnen zu kommen, dass der beste Zeitpunkt dafür frühmorgens ist, wenn Beine oder Knöchel noch nicht geschwollen sind. Achtung: Das Anmessen dürfen nur diejenigen Ihrer PTA-Kolleginnen vornehmen, die über eine entsprechende Qualifikation verfügen. Für die Messung von Umfang und Länge des Beines steht der Kunde am besten. Entsprechen seine Maße den Normmaßen, können Sie ihm einen Serienkompressionsstrumpf geben, ansonsten müssen die Strümpfe für ihn angefertigt werden.
MKS gibt es mittlerweile in vielen Farben und in angenehmer Tragequalität, sodass sie das Image von „Omas Gummistrümpfen“ zu Recht verloren haben. Die Materialen, die für die Anfertigung verwendet werden, sind heute Polyamid, Elastan, Baumwolle, Elastodien, Viskose und Mikrofaser. In ungedehntem Zustand sind MKS zwischen 0,5 und 1,4 Millimeter dick. Hergestellt werden sie als rundgestrickte nahtlose oder flachgestrickte Strümpfe mit Naht.
Handhabung Für den Therapieerfolg ist entscheidend, dass die Strümpfe täglich getragen werden. Ärzte können sie alle sechs Monate verschreiben – was sie auch tun sollten, da nach diese Zeitspanne die Elastizität der Strümpfe nachlässt. Da MKS am besten täglich gewaschen werden sollten, bietet es sich an, ein Paar zum Wechseln zu haben. Erklären Sie Ihren Kunden daher, wie sie die Strümpfe an- und auch ausziehen und lassen Sie sie beides vorführen. Sitzen die Strümpfe nämlich nicht so wie sie sollten, können Hautnekrosen oder auch Druckschäden entstehen.
Viele Hersteller bieten Hilfsmittel wie zum Beispiel den „Hospitalbutler“ an, damit insbesondere ältere Menschen die Prozedur bewältigen können. Gummihandschuhe beim Anziehen sind nicht nur hilfreich, sondern verhindern auch, dass durch Fingernägel das Material Schaden nimmt. Pflegehinweise zum Waschen per Hand oder Maschine finden sich meist direkt auf einem Etikett am Strumpf.
Sportlerbeine Nicht nur bei (inter-) nationalen Wettkämpfen sieht man immer mehr Radfahrer, Langstreckenläufer oder Hochspringer mit MKS, sondern auch Hobbysportler interessieren sich vermehrt für sie. Dies liegt sicher vor allem daran, dass die Strümpfe zur Stabilisierung der Sprunggelenke beitragen, sodass zum Beispiel das Risiko umzuknicken reduziert wird. Aber viel wichtiger ist ihr Einfluss auf die Venengesundheit: Eine starke sportliche Belastung gleicht einer chronischen venösen Insuffizienz in dem Sinne, dass sich bei beiden durch den erhöhten Blutfluss in den Beinen die Venen weiten – der Sportler klagt danach über schwere Beine, die zudem auch schmerzen oder geschwollen sind.
Kein Wunder, da während der Belastung etwa 20-mal mehr Blut durch die Beine fließt. Der Druck, den MKS auf die Gefäße von außen ausüben, verhindert diesen Blutstau und wirkt so den genannten Beschwerden entgegen. Darüber hinaus sorgt genau dieser Druck für einen schnelleren Abtransport von sauerstoffarmem Blut und Milchsäure (Laktat), was der Regeneration der Muskeln zugute kommt. Diskutiert wird zudem, ob durch den vermehrten Transport von Sauerstoff zum Muskel dieser seine Aktivität erhöhen kann, was letztlich mehr Leistung bedeutet. Gerade, wenn schon ein Venenleiden bekannt ist, sollte über das regelmäßige Tragen von MKS während des Trainings nachgedacht werden.
Viele Hersteller haben mittlerweile spezielle Sportstrümpfe im Sortiment, die zum Beispiel antibakterielle Fasern enthalten oder die entstehende Feuchtigkeit und Wärme besser abgeben. Aber auch hier gilt als allererstes: Der Strumpf muss passen, d. h. die Beine müssen genau vermessen werden.
Nicht verwechseln Im Gegensatz zu MKS sind Stütz- oder Reisestrümpfe nicht zur Prävention oder Therapie oben genannter Venenerkrankungen geeignet. Sie können sie allerdings zur Vorbeugung von Wassereinlagerungen oder schweren Beinen denjenigen Ihrer Kunden empfehlen, die gesunde Venen haben, aber viel stehen oder sitzen. Auch auf langen Reisen können diese Strümpfe den typischen Beinbeschwerden vorbeugen – wohlgemerkt bei Venengesunden.
Denken Sie daran! Am Samstag, den 24. April, findet bundesweit der 6. Deutsche Venentag statt. Planen auch Sie einen Aktionstag unter dem Motto „Venenleiden – eine Volkskrankheit” für Ihre Kunden! Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Homepage der Deutschen Venen-Liga e.V. unter www. venenliga.de.
WEITERFÜHRENDE INTERNETADRESSEN:
Bei fast allen Organisationen können Sie kostenlos Broschüren und anderes Infomaterial für Ihre Kunden beziehen.
Deutsche Gesellschaft Venen e.V. www.dgvenen.de
Bundesweite gemeinnützige Organisation von Betroffenen, Therapeuten und Ärzten im Kampf gegen die Problematik der Venenerkrankungen. Die Webeseite enthält u.a. eine Liste mit Venenärzten und Venenkliniken.
Deutsche Venen-Liga e.V. www.venenliga.de
1988 von einem Betroffenen gegründete Interessengruppe. Die Venen-Liga organisiert den jährlichen Deutschen Venentag und ist Partner für Organisation und Durchführung von Venen-Aktionstagen und -Kampagnen, z.B. mit dem VENENMOBIL, der mobilen Venenklinik mit zwei komfortablen Untersuchungsplätzen.
Bilden Sie sich an der Akademie der Venen-Liga fort zum „Zertifizierten Venentrainer“: Das Seminar zur Ausbildung ist als 14-stündiges Wochenendseminar konzipiert. Dieses Angebot richtet sich bevorzugt an Interessenten, die sich beruflich mit venenerkrankten Patienten beschäftigen, wie beispielsweise Angestellte in Sanitätshäusern, PTA und PKA, ArzthelferInnen sowie AltenpflegerInnen und PhysiotherapeutInnen. Weitere Informationen bei der Deutsche Venen-Akademie www.venenakademie.de
Deutsche Liga zur Bekämpfung von Gefäßerkrankungen e.V. www.deutsche-gefaessliga.de
Sie bietet u.a. Unterstützung der Medienarbeit für Ärzte, Apotheker, Krankenkassen, Gesundheitspolitiker und Patienten.
Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. www.dga-gefaessmedizin.de
Die DGA ist eine interdisziplinäre medizinische Gesellschaft zur Förderung der Forschung und Weiterbildung auf dem Gebiet der Gefäßmedizin. Sie will besonders Patienten und Risikopersonen über Prävention, Diagnostik und Therapie aufklären.
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie e.V. www.phlebology.de
Wissenschaftliche Vereinigung der an Venenerkrankungen interessierten Ärzte.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 04/10 ab Seite 60.
Dr. Petra Kreuter
Stichworte: Beine, Kompressionnstrumpf, Krampfadern, MKS, Stützstrumpf, Venen, Venenerkrankungen, Veneninsuffizienz, medizinische Kompressionsstrümpfe, schwere Beine