Heuschnupfen

Vom Winde verweht

Abbildung © Martina Taylor / www.fotolia.com © Martina Taylor / www.fotolia.com

Mit der Verbreitung des Blütenstaubs beginnt für Pollenallergiker bald wieder die Leidenszeit. Welche Maßnahmen verschaffen Ihren betroffenen Kunden Linderung?

Da liegt was in der Luft – und zwar bis zu 1000 Pollen pro Kubikmeter. Kein Wunder, produzieren windbestäubte Pflanzen doch große Mengen des Blütenstaubs, der sich kilometerweit in der Luft verteilt und möglichst lange schweben soll. So enthält eine einzelne Roggenähre beispielsweise 4,2 Millionen Pollenkörner, ein Haselnussstrauch etwa 600 Millionen. Hinter dem umgangssprachlichen Begriff „Pollen“ stecken eigentlich die Pollenkörner. Dieses sind Mikrosporen, die die männlichen Sporen der Pflanze zwecks Bestäubung transportieren. Die Pollen können dabei bis zu 1000 Meter hoch fliegen, erst ab 5000 Metern Höhe finden sich keine mehr. Für Betroffene reichen allerdings schon oftmals 20 Pollen pro Kubikmeter Luft aus, um Heuschnupfensymptome auszulösen.

Gereizte Schleimhäute Der Heuschnupfen ist die in Deutschland am weitesten verbreitete allergische Erkrankung. „Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 12 bis 16 Millionen Menschen mit Heuschnupfen und vier bis fünf Millionen Asthmatiker. Die Tendenz ist steigend, gerade auch bei Kindern“, erklärt Sonja Lämmel, Diplom-Oecotrophologin vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB).

Dabei bezieht sich der Begriff Heuschnupfen streng genommen nur auf den allergischen Schnupfen (Rhinitis allergica), der durch die Pollen ausgelöst wird. Diese können allerdings auch zu allergischen Reaktionen vom Soforttyp (Typ I) an den Schleimhäuten der Augen oder Bronchien führen. Eine Pollenallergie zeigt sich daher oft mit folgenden Symptomen: Juckreiz in der Nase, geschwollene Nasenschleimhaut, verstopfte und/oder laufende Nase, Niesen, gerötete, juckende oder geschwollene Augenlider, Lichtempfindlichkeit, Atemnot oder trockener Husten. Die Beschwerden erinnern an eine Erkältung – typisch bei der Pollenallergie ist aber, dass sie immer wieder zu denselben Jahreszeiten auftritt.

Wichtig ist eine so früh wie möglich stattfindende Abklärung durch einen allergologischen Facharzt, damit Lämmel zufolge rechtzeitig einer möglichen Ausweitung der Beschwerden auf die unteren Atemwege und somit die Entwicklung eines allergischen Asthma bronchiale entgegenwirkt werden kann, denn: „Jeder dritte Patient mit Heuschnupfen erkrankt an einem Asthma bronchiale“, weiß die DAAB-Expertin. „Häufig wird das gleichzeitige Auftreten von Heuschnupfen und Asthma erst spät erkannt.

Bei jedem Heuschnupfen-Patienten sollte daher immer geklärt werden, ob gleichzeitig ein Asthma bronchiale vorliegt, bei jedem Asthmatiker, ob er zusätzlich an einem Heuschnupfen leidet.“ Der Allergologe fragt nach den genauen Symptomen und dem Zeitpunkt, wann diese auftreten. Zusätzlich werden Haut- und Blutuntersuchungen durchgeführt. Anhand all dieser Ergebnisse lässt sich bestimmen, auf welche Pollen von welchen Pflanzen der Betroffene allergisch reagiert.

POLLENFLUGVORHERSAGE
Über den aktuellen Pollenflug informiert die Internetseite www.dwd.de/pollenflug?navid=328 des Deutschen Wetterdienstes, der die Vorhersagen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutscher
Polleninformationsdienst PID erstellt. Dieser Service ist auch als kostenloser täglicher Newsletter während der Pollenflugsaison erhältlich.

Wann fliegt was Etwa 95 Prozent der Pollenallergiker leidern unter den sieben allergologisch wichtigsten Pollenarten, nämlich Hasel, Erle, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia. Als erstes im Jahr starten die frühblühenden Bäume und Sträucher, dann folgt die Saison der Gräser-, Kräuter- und Getreidepollen. Wer auf mehrere Arten des Blütenstaubs reagiert, leidet schlimmstenfalls von Februar bis Oktober an den Symptomen seiner Allergie. Erschwerend kommt hinzu, dass der Blühbeginn der Pflanzen in Mitteleuropa witterungsbedingt bis zu sechs Wochen schwanken kann. So flogen 2008 zum Beispiel die ersten Haselnusspollen bereits im Januar, obwohl deren Vorblüte üblicherweise erst Mitte Februar beginnt. Ein möglicher Grund dafür – der Klimawandel.

„Durch die globale Temperaturerhöhung können sich die Blütezeiten bei Frühblühern wie Hasel oder Erle nach vorne, bei später im Jahr blühenden Pflanzen nach hinten verschieben“, erläutert Lämmel. „Es kann möglicherweise auch eine Verschiebung der Arten von Süden nach Norden erfolgen. Die ursprüngliche Heimat der beifußblättrigen Ambrosie (Ambrosia artemisifolia, Traubenkraut, Ragweed) ist Nordamerika. Ins östliche Mitteleuropa und Südosteuropa eingeschleppt, breitet sich das Traubenkraut nun auch in Europa aus. Die Pflanze blüht in der Zeit von August bis Oktober, ihre Pollen können starke allergische Reaktionen hervorrufen. Die Beifuß-Ambrosie kann auch in privaten Gärten vorkommen, wenn im Winter Vogelfutter gestreut wird, welches Ambrosia-Samen enthält.

Daher sollte auf ambrosiafreies Vogelfutter geachtet werden.“ Diese Beobachtungen sind in den neuen Pollenflugkalender eingeflossen, der auf der Grundlage der Messungen in den Jahren 2000 bis 20007 entstand und nun auch das in Deutschland sich ausbreitende Pollenallergen Traubenkraut listet. Der Kalender ist bei der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst online unter www.pollenstiftung. de abrufbar. Neben den veränderten klimatischen Verhältnissen werden aber auch Emissionen wie beispielsweise Feinstaub oder Russpartikel dafür verantwortlich gemacht, dass die Allergenität von Pollen zunimmt. Therapie Im Gegensatz zu anderen Allergien, zum Beispiel einer Tierhaar- oder Lebensmittelallergie, ist es Pollenallergikern fast unmöglich, der Belastung durch Blütenstaub gänzlich aus dem Wege zu gehen.

Abhilfe schaffen aber folgende Tipps:

  • auf die Pollenflugvorhersage achten.
  • bei starkem Pollenflug die Wohnung nur kurz lüften. Achtung: Auf dem Land ist die Pollenkonzentration morgens zwischen 4:00 und 6:00 Uhr am höchsten, in der Stadt abends zwischen 18:00 und 24:00 Uhr.
  • vor dem Zubettgehen die Haare waschen, im Freien getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer aufbewahren.
  • Pollenschutzgitter vor den Fenstern verringern die Innenraumbelastung.
  • Wäsche nicht im Freien trocknen lassen.
  • Fenster beim Autofahren geschlossen lassen, Pollenfilter in die Lüftungs- oder Klimaanlage einbauen lassen.
  • Mäharbeiten im Garten nicht selber ausführen.
  • den Urlaub in die Hauptflugzeit der Pollen legen und ans Meer oder ins Hochgebirge fahren.

Gemildert werden können die akuten Symptome einer Pollenallergie durch Antihistaminika, Dinatriumcromoglycat (DNCG) oder Kortison. Erstere heben die Wirkung von Histamin auf, das als Botenstoff die allergischen Reaktionen veranlasst. Antihistaminika können lokal, zum Beispiel in Form von Augentropfen oder Nasenspray, oder oral als Tablette oder Lösung verabreicht werden. DNCG blockiert die Ausschüttung von Histamin, indem es die Mastzellen stabilisiert. Da DNCG im Gegensatz zu einem Antihistaminikum nicht akut, sondern vorbeugend wirkt, muss die Einnahme während der Pollensaison regelmäßig erfolgen. Auch Kortison benötigt eine Weile, bis die allergische Entzündung unterdrückt wird – oft Tage bis auch Wochen.

Sprays sind Tabletten vorzuziehen, da sie weniger Nebenwirkungen hervor - rufen. Gegen die Ursache der Pollen - allergie helfen diese Mittel al - lerdings nicht, weiß Lämmel. „Zur Behandlung von Pollen - allergien wird daher neben einer symptomatischen Therapie mit antiallergischen Medikamenten die frühzeitige Behandlung mittels einer spezifischen Immuntherapie (SIT; Hyposensibilisierung) empfohlen. Die Wirksamkeit dieser Behandlung wurde in zahlreichen Studien bestätigt. Bei Kindern kann eine Hyposensibilisierung gegebenenfalls ab dem fünften oder sechstem Lebensjahr er - folgen.“ Dabei kann eine SIT nur durchgeführt werden, wenn das auslösende Allergen bekannt und eine geeignete Therapielösung erhältlich ist, ergänzt Lämmel.

Der Großteil der Allergiker spricht auf die Behandlung an, sodass durch die Gewöhnung an das Allergen entsprechende Reaktionen vermindert oder ganz beseitigt werden. Auch ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung hin zu Asthma kann so vermieden werden. Leidet der Betroffenen unter Kreuz - allergien zu Nahrungsmitteln, so können diese ebenfalls oftmals abgemildert werden. Mittels der SIT soll dem Immunsystem die überschießende Reaktion auf das entsprechende Allergen abtrainiert werden, sodass dieses nach erfolgreicher, meist drei Jahre dauernder Behandlung wieder toleriert wird. Dazu werden zunächst kleinsten Dosen des Auslösers verabreicht, die Höchstdosis wird dann über einen längeren Zeitraum gehalten.

Am bekanntesten ist die subkutane Variante (SCIT), bei der die Allergenbehandlung entweder monatlich oder nur einige Mal vor Pollensaison per Injektion erfolgt. Bei der SLIT werden dagegen in der Regel täglich Tropfen oder eine Tablette sublingual belassen und dann geschluckt. Besonders gute Erfolge erzielt die SLIT bei der Allergie gegen Gräserpollen. Der zentrale Stellenwert der Immuntherapie mit Allergenen kommt auch in den Empfehlungen zur SIT zum Tragen, die gerade gemeinsam von sämtlichen deutschsprachigen allergologischen Gesellschaften aktualisiert wurden.

Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
Der DAAB wurde 1897 auf Helgoland von Heuschnupfen-Geplagten gegründet und ist damit die älteste Patientenorganisation Deutschlands. Allergikern, Asthmatikern und Neurodermitikern bietet der Verband umfassende Informationen und Unterstützung. Kontakt: Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V., Fliethstraße 114, 41061 Mönchengladbach, Fon 0 21 61/81 49 40, Fax 0 21 61/81 49 430, info@daab.de  oderauf www.daab.de.  Beratungshotline: Fon 0 21 61 – 1 02 07, Di – Do 9.30 – 12.30 Uhr, info@daab.de. Seit 2005 unterhält der DAAB ein Apotheken-Netzwerk. Die Förderapotheken des DAAB erhalten regelmäßig kostenfreie Informationen für ihre Kunden und können die Beratung des DAAB in Anspruch nehmen. Weitere Infos zum Apotheken-Netzwerk unter sl@daab.de.

Achtung Kreuzallergie Bei vielen Pollenallergikern breitet sich die Problematik auch auf Lebensmittel aus. So kommt es beim oder nach dem Genuss von bestimmten Speisen zu Symptomen wie Kribbeln, Juckreiz oder sogar Schwellungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Auch Magen-Darm-Beschwerden, Hautreaktionen oder Kreislaufbeschwerden sind möglich. Gefürchtet ist der anaphylaktische Schock, der ohne medizinische Versorgung tödlich enden kann. Da bestimmte Proteine in den Lebensmitteln der Struktur der Pollen ähneln, wird in diesem Zusammenhang von pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien (pNMA) gesprochen. Auch hier können Allergietests Aufschluss geben. Betroffene sollten sich dann mit ihrem allergologischen Facharzt beraten, ob entsprechende Lebensmittel bestimmter botanischer Familien (auch vorsorglich) gemieden werden müssen.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 01/10 ab Seite 68.

Dr. Petra Kreuter, p.kreuter@uzv.de

Stichworte: Allergie, Heuschnupfen, Pollen, Pollenallergie

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