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Leistungsabfall, Atembeschwerden und geschwollene Beine werden häufig als Alterserscheinungen abgetan. Dabei könnten es Hinweise auf eine Herzschwäche sein.
Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Herzschwäche oder Herzinsuffizienz, einer Krankheit, bei der die Pumpkraft des Herzens soweit abnimmt, dass nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu Organen wie Gehirn, Nieren oder Muskeln gepumpt wird. Der ganze Organismus wird dabei in Mitleidenschaft gezogen. Im fortgeschrittenen Stadium bedroht die Herzinsuffizienz das Leben des Patienten. Je früher die Krankheit erkannt wird, umso eher kann man mit den heutigen Therapiemöglichkeiten die fatale Entwicklung aufhalten oder verlangsamen.
Zu Beginn unspektakulär Eine Herzinsuffizienz beginnt meist schleichend mit Atemnot und Abnahme der Leistungsfähigkeit. Man kommt schnell außer Puste, wenn man beispielsweise die Treppe hinauf steigt oder den Bus noch erreichen will. Dazu gesellen sich Müdigkeit und Abgeschlagenheit. An den Knöcheln zeigen sich Ödeme. Diese Wassereinlagerungen sind dadurch zu erkennen, dass durch Druck mit einem Finger Dellen in dem geschwollenen Bereich entstehen, die eine Zeitlang bestehen bleiben.
Eine Herzschwäche hat die Tendenz, fortzuschreiten. Die Pumpkraft des Herzens nimmt in aller Regel mit der Zeit immer weiter ab. Anfangs rufen nur große Anstrengungen Beschwerden hervor, später auch kleine. Im Endstadium ist es fast nicht mehr möglich, das Bett zu verlassen. Man teilt die Herzinsuffizienz nach der New York Heart Association in vier Stufen ein.
Keine eigenständige Erkrankung Die Herzinsuffizienz ist die Folge anderer Herzkrankheiten, die wichtigsten sind Herzinfarkt, koronare Herzkrankheit und hoher Blutdruck. Während eines Herzinfarkts stirbt das Herzmuskelgewebe ab und wird durch Narbengewebe ersetzt. Geht dabei viel Muskelgewebe verloren, kann die Herzschwäche schon unmittelbar nach dem Infarkt auftreten. Häufig ist der Patient zunächst in seiner Leistungsfähigkeit noch wenig eingeschränkt. Die Verschlechterung des Befindens tritt erst später ein, wenn Umbauprozesse des Herzmuskels (kardiales Remodeling) das Herz weiter schädigen.
Eine chronische Druckbelastung des Herzens, wie sie bei einem erhöhten Blutdruck vorkommt, führt zu einer Zunahme der Herzmuskeldicke, auch als Herzmuskelhypertrophie bezeichnet. Das Herz wird schwerer und größer, leistungsfähiger wird es dadurch allerdings nicht. Im Gegenteil: Es verliert seine Elastizität. Dadurch kann während der Diastole nicht genügend Blut aufgenommen und damit in der Systole auch nur eine kleine Menge Blut in den großen Kreislauf ausgeworfen werden. Man bezeichnet dies als diastolische Herzinsuffizienz.
Berichtet Ihr Kunde über Atemnot und Leistungsabfall, sollten Sie stets an eine Herzschwäche denken und ihm zu einem Arztbesuch raten. Bedeutsam für den Arzt sind die Ansammlungen von Gewebeflüssigkeit. Wassereinlagerungen in der Lunge zeigen, dass die linke Herzkammer erkrankt ist. Wenn die Pumpfunktion der rechten Herzkammer eingeschränkt ist, kommt es zu Ödemen an den Gelenken, besonders im Unterschenkel. Es kann sich auch Körperflüssigkeit in der freien Bauchhöhle stauen (Aszites) oder zwischen Rippenfell und Lunge. Dies behindert die Entfaltung der Lunge und damit das Atmen.
Eine Erweiterung der großen Halsvenen, insbesondere im Liegen, zeigt, dass die rechte Herzkammer nicht mehr genug verbrauchtes Blut aufnehmen kann. Schon beim geringsten Verdacht auf eine Herzschwäche hat der Hausarzt die Aufgabe, den Patienten an einen Kardiologen zu überweisen, damit die Herzinsuffizienz sicher diagnostiziert und behandelt werden kann.
HERZTEST
Um auf die möglichen Anzeichen für eine Herzschwäche aufmerksam zu machen und zu helfen, sie frühzeitig zu entdecken und richtig zu behandeln, gibt die Deutsche Herzstiftung einen Herzschwäche-Test heraus. Er kann kostenlos bezogen werden bei: Deutsche Herzstiftung, Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt am Main oder online unter www.herzstiftung.de sowie per E-Mail über info@herzstiftung.de bestellt werden.
Was fürs Herz Die Therapie ist nicht nur darauf ausgerichtet, das Leben zu verlängern, sondern die Beschwerden so zu vermindern, dass ein aktives Leben möglich bleibt. Die beste Strategie gegen die Herzschwäche ist die Behandlung der Grunderkrankung. Ein erhöhter Blutdruck sollte gewissenhaft eingestellt werden. Um bei koronarer Herzkrankheit schlecht durchblutetes Gewebe zu reaktivieren, sind manchmal Bypassoperationen notwendig.
Die Basis der medikamentösen Therapie bilden ACE-Hemmer, Sartane und Diuretika. Ergänzt wird diese Liste durch Betablocker, Aldosteron- Antagonisten und Herzglykoside. ACE-Hemmer sind Inhibitoren des Angiotensin-Converting-Enzyms. Sie beeinflussen die Wasser- und Salzretention und vermindern das kardiale Remodeling. Die wichtigsten sind Captopril, Enalapril, Lisinopril und Ramipril. Sartane oder AT1-Antagonisten (Angiotensin-II-Rezeptor- Subtyp-1-Antagonisten) sind Arzneistoffe, die spezifisch den Subtyp 1 des Angiotensin-II-Rezeptors hemmen. Zu dieser Gruppe zählen Valsartan, Candesartan, Losartan und Irbesartan.
Sartane gelten als Weiterentwicklung der ACE-Hemmer. Gegenüber diesen bieten sie den Vorteil, dass die häufigste Nebenwirkung, der trockene Reizhusten, nicht auftritt. Wegen des höheren Preises werden Sartane eher dann verschrieben, wenn ein ACE-Hemmer nicht vertragen wird. Bei leichter Herzinsuffizienz können Diuretika zur Ausschwemmung von Ödemen eingesetzt werden, bei schweren Formen der Herzschwäche zählen sie zur Standardtherapie, um das Herz zu entlasten. Diuretika sollten stets mit ACE-Hemmern oder Sartanen kombiniert werden.
Betablocker waren jahrelang wegen ihrer negativ inotropen, also Herzkraft vermindernden Wirkung bei Herzinsuffizienz kontraindiziert. Durch vorsichtiges Ein- und Ausschleichen und eine strenge Kontraindikationsstellung konnte jedoch ihr therapeutischer Nutzen gezeigt werden. Sie schirmen das Herz gegen Stresshormone ab. Bei Herzinsuffizienz sind Bisoprolol, Metoprolol, Carvedilol und Nebi - volol zugelassen. Die Aldosteron-Antagonisten Spironolacton und Eplerenon beeinflussen das kardiale Remodeling günstig. Wegen der positiv inotropen Wirkung, also der Steigerung der Kontraktionskraft des Herzens, werden auch Herzglykoside bei Herzinsuffizienz eingesetzt.
Die Wirkung des Weißdorns ist den Effekten der Herzglykoside verwandt. Die Pflanze wird bei chronischer Herzinsuffizienz der Stadien I und II eingesetzt. Weißdorn steigert einerseits die Kontraktionskraft des Herzens, andererseits erweitert er die Gefäße, insbesondere die Herzkranzgefäße, und verbessert so die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels.
Bewegung hilft Früher hieß es, man soll sich bei Herzschwäche körperlich schonen. Heute weiß man, dass sich die körperliche Leistungsfähigkeit durch Ausdauertraining um 10 bis 15 Prozent steigern lässt. Geeignet sind alle körperlichen Aktivitäten, bei denen viel Bewegung mit geringem Kraftaufwand verbunden ist, wie Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking oder Radfahren. Allerdings sollte vor dem Training beim Kardiologen überprüft werden, wie gut die aktuelle körperliche Belastbarkeit ist und wie hoch sich der Patient belasten sollte.
Da sich die Herzinsuffizienz überwiegend aus Hypertonie oder koronarer Herzkrankheit entwickelt, ist die beste Waffe dagegen, Risikofaktoren wie Rauchen, falsche Ernährung, Übergewicht oder Bewegungsmangel abzubauen. Hierzu können Sie durch ihre Beratung ganz erheblich beitragen.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 12/09 auf Seite 68.
Sabine Bender, BenderSabine@web.de
Stichworte: ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika, Herz, Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, Herzschwäche, Weißdorn, kardiales Remodeling