Pharmazeutische Betreuung

Als Diabetiker in guten Händen

Abbildung © LifeScan © LifeScan

Diesmal geht es um die Pharmazeutische Betreuung von Diabetikern. Aufklärung, Prävention und umfassende Beratung sind zur Vermeidung von Folgeerkrankungen besonders wichtig.

Die therapeutischen Bedingungen für Diabetiker werden immer besser. Neuere, noch effektivere Insuline, orale Antidiabetika, Pens, Insulinpumpen und Testgeräte kommen auf den Markt. Doch trotz des medizinischen Fortschritts an der Diabetes-Front haben die Deutschen mit den Folgeschäden der Erkrankung zu kämpfen. Jährlich werden etwa 28 000 Amputationen bei Diabetikern durchgeführt, 9000 Diabetiker werden dialysepflichtig und 7000 Diabetiker erblinden. Die intensive Pharmazeutische Betreuung von Diabetikern durch Apotheken kann das frühzeitige Erkennen der Erkrankung verbessern und das Auftreten von Folgeschäden verzögern, wenn nicht sogar verhindern.

Ziele der Betreuung Die UKPDS-Studie (United Kingdom Prospective Diabetes Study) konnte zeigen, dass eine konsequente Blutzuckereinstellung in Kombination mit einer blutdrucksenkenden Therapie das Auftreten von Spätkomplikationen bei Diabetikern Typ 2 signifikant senkt. Um das Ziel der Euglykämie zu erreichen, ist die korrekte Durchführung der medikamentösen Therapie Voraussetzung. Die Pharmazeutische Betreuung von Diabetikern in der Apotheke ist ein wichtiger Baustein im Gesundheitsnetzwerk des Kunden. Sie trägt zur Aufklärung und Förderung der Compliance bei. Im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung sollte der Patient bestimmte Lerninhalte erfahren, die dazu beitragen, langfristig Folgeschäden zu vermeiden:

  • Kenntnisse über die Erkrankung und deren Therapie
  • Korrekte Anwendung der Medikamente
  • Eigenständige Messung der Blutzuckerwerte
  • Gesunde Lebensführung (richtige Ernährung und Bewegung)

Nutzen vermitteln Um einen Diabetiker zu einer erfolgreichen Mitarbeit zu bewegen, werden ihm zunächst die Vorteile und Ziele erklärt. Dies ist besonders wichtig bei Typ- 2-Diabetikern. Sie fühlen sich in der Regel trotz ihres Diabetes nicht unwohl. Die Umstellung der Lebensgewohnheiten zur Reduktion des Übergewichtes bedeutet dagegen oft eine subjektive Verschlechterung der Lebensqualität. Daher sollte der Kunde über die möglichen Folgen der Erkrankung (Nervenschädigungen, Schäden in den großen und kleinen Gefäßen, die zu Durchblutungsstörungen, Blindheit und Herz-/ Kreislauferkrankungen führen) informiert werden.

Motivieren Sie Ihre Kunden, indem Sie ihnen in Aussicht stellen, die Krankheit zukünftig selbst managen zu können. Eine Veränderung der Lebensführung kann ein ganz neues Körpergefühl erzeugen. Die Beteiligung an Sportgruppen oder in Vereinen schafft neue soziale Kontakte.

SOAP
Nach dem Subjective-Objective-Assessment-Plan-Schema (kurz: SOAP-Schema) werden subjektive Probleme des Kunden mit den objektiven Fakten und Daten zusammengebracht. Über die Einschätzung des Apothekers wird zusammen mit dem Kunden ein Lösungsvorschlag erarbeitet, der definierte Therapieziele voranbringt. Ein Beispiel: Ein Diabetiker klagt über Zittern und Schwindel besonders am Nachmittag (subjektives Problem). Nach Rückfrage stellt sich heraus, dass der Mann seit neuestem jeden Mittag eine Runde mit dem Fahrrad fährt, um ein paar Kilos zu verlieren (objektive Fakten) und darüber in eine Hypoglykämie gerät (Assessment). Dem Kunden wird die Wirkung von Bewegung auf den Blutzuckerspiegel erklärt und empfohlen, bei Unternehmungen immer etwas Traubenzucker bei sich zu tragen. Tritt die beschriebene Symptomatik ein, kann er darauf zurückgreifen. (Plan).

Umsetzung in der Apotheke Wichtig ist, dass Kunde und Apotheker auf einer partnerschaftlichen Ebene zusammen arbeiten. Dazu gehört auch, dass der Apotheker kleine Schwächen des betreuten Diabetikers respektiert. Im Prozess der Pharmazeutischen Betreuung werden die individuellen Probleme des jeweiligen Patienten zunächst erfragt und dann nach und nach strukturiert gelöst. Primäre Lernziele bei der Betreuung von Diabetikern sollten die richtige Anwendung der Medikamente und die korrekte Messung und Dokumentation der Blutzuckerwerte sein.

Gerade für ältere insulinpflichtige Patienten ist es schon eine gute Leistung, wenn diese Primärziele erreicht werden. Erst im zweiten Schritt sollten sekundäre Ziele mit dem Diabetiker besprochen werden. Hierzu zählen die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, bewegungsfördernde Maßnahmen, Kontrolle der Füße und das Vermeiden weiterer Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck, Blutfette etc.).

Die Pharmazeutische Betreuung von Diabetikern erfolgt demnach am besten schrittweise und im Erreichen kleiner kurzfristiger Ziele. Nur wenn Sie sich dies in der Apotheke bewusst machen, werden Sie Ihre Kunden erfolgreich und motivierend betreuen.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 ab Seite 80.

Dr. Katja Renner, k.k.renner@t-online.de

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