Depressionen

Novemberblues

Abbildung © Tuomas Marttila / www.shotshop.com © Tuomas Marttila / www.shotshop.com

Die dunkle Jahreszeit erzeugt bei vielen Menschen eine Depression. Unabhängig davon fällt jeder Fünfte in seinem Leben in ein seelisches Tief. Zum Glück kann diese Erkrankung gut behandelt werden.

Da immer noch zu selten über die Symptome einer Depression gesprochen wird und ihre Anzeichen sehr vielfältig sind, wird sie nur bei 30 Prozent der Betroffenen erkannt. Dabei kann es jeden treffen – und zwar unabhängig von Altersgruppe, Gesellschaftsschicht und Kulturkreis.

Die Hauptsymptome einer Depression sind die niedergeschlagene Stimmung, die Freudlosigkeit und der Interessensverlust sowie die schnelle Ermüdbarkeit und der Antriebsmangel. Nachlassende Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit und verminderte Aufmerksamkeit treten häufig als ergänzende Symptome auf. Hinzu kommt ein Gefühl von Wertlosigkeit oder Schuld, das Selbstvertrauen fehlt. Depressive haben meist eine negative, pessimistische Grundeinstellung, neigen zu Selbstmordgedanken oder sogar -handlungen und leiden oftmals an Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Depression oder nur schlecht drauf? Um eine echte Depression handelt es sich, wenn über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen mindestens zwei Hauptsymptome und zwei Ergänzungssymptome vorliegen. Weitere Symptome kennzeichnen einen höheren Schweregrad. Der Verlauf einer Depression kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt Krankheitsphasen, die Wochen, Monate oder Jahre andauern, die wiederkehren oder sogar chronisch werden. Man unterscheidet unipolare Depressionen, bei der die Erkrankten dauerhaft an niedergedrückter Stimmung leiden, und bipolare Depressionen, bei denen sich entgegen gesetzte Stimmungslagen abwechseln, außerdem die Wochenbettdepression und die saisonale oder Winterdepression.

Depressionen zählen zu den am stärksten behindernden Krankheiten. Die Folgen sind Unfähigkeit den Alltag zu bewältigen, Arbeitsunfähigkeit, häufig sogar frühzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, Auswirkungen auf Partner, Kinder, Familie und soziales Umfeld sowie Suizidgefahr. Die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, steigt durch familiäre Vorbelastung, psychosoziale Faktoren, Stress, organische Ursachen und Drogenkonsum. Bei allen Depressiven liegt eine Stoffwechselstörung im Gehirn vor. Dadurch kommt es zu einem Mangel an Botenstoffen, insbesondere an Serotonin und Noradrenalin. Als Folge können Informationen nicht angemessen verarbeitet werden.

Die Säulen der Behandlung Ziel der Therapie ist das Beenden der Depression beziehungsweise die Verkürzung einer depressiven Phase. Damit soll die Wiedereingliederung ins familiäre, soziale und berufliche Leben ermöglicht und bei Selbstmordgefährdeten ein Selbstmord abgewendet werden. Zusätzlich wird der verbesserte Zustand stabilisiert, damit es nicht zu einem erneuten Ausbruch kommt. Die Behandlung gliedert sich in Akuttherapie, Stabilisierungsphase und Vorbeugen eines Rückfalles.

Therapieoptionen sind einerseits die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva und andererseits die Psychotherapie. Erfolge zeigen tiefenpsycholo gische, Verhaltens- und Fami lientherapien. Beide Behandlungsformen können auch kombiniert angewendet werden. Weitere Verfahren sind Lichttherapie, Schlafentzug und Elektrokrampftherapie. Unterstützend können die Arbeit mit Angehörigen, sozialarbeiterische Maßnahmen, Entspannung, Gestaltungs-, Musik-, Ergo- und Bewegungstherapie sowie Sport, Gymnastik und Massagen mit einbezogen werden.

Medikamentöse Therapie Antidepressiva greifen in den Hirnstoffwechsel ein, indem sie die verminderte Konzentration der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin erhöhen und damit die Informationsübertragung wieder stabilisieren. Von einer Therapie mit Antidepressiva profitieren 80 Prozent der Betroffenen. Alle Antidepressiva wirken erst verzögert, nach frühestens zwei, manchmal erst nach sechs Wochen. Eine Therapie dauert in der Regel vier bis sechs Monate und darf wegen der Gefahr eines Rückfalles auch bei Besserung nicht vorzeitig abgebrochen werden.

Im Gegensatz dazu kommen die Nebenwirkungen sehr schnell zum Tragen, lassen im Rahmen der Therapie glücklicherweise nach oder verschwinden sogar ganz. Auf jeden Fall stehen sie in keiner Relation zum großen Vorteil der antidepressiven Wirkung. Lindernd kann man bei Mundtrockenheit Lutschbonbons, reichlich Flüssigkeitszufuhr oder Kaugummis einsetzen. Die Darmträgheit kann durch ballaststoffreiche Er nährung oder begleitend durch Laxanzien, wie Magrogol oder Laktulose, unterstützt werden. Müdigkeit als Nebenwirkung kann durch eine Einnahme am Abend positiv genutzt werden. Die Fahrtüchtigkeit ist vorübergehend beeinträchtigt, nach ungefähr vier Wochen jedoch wieder hergestellt.

Bleiben die Nebenwirkungen unerträglich, dann wird gewechselt auf einen anderen Wirkstoff. Antidepressiva machen nicht abhängig und es erfolgt keine Persönlichkeitsveränderung. Sie wirken gezielt gegen die depressive Störung, nicht nur dämpfend. Wegen der einschleichenden Dosierung ist eine Dosiserhöhung im Verlauf der Behandlung durchaus normal. Die Einnahme sollte stets unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden. Eine gleichzeitige Einnahme von Alkohol darf wegen Wechselwirkungen nicht erfolgen.

TIPPS FÜR ANGEHÖRIGE
Wichtig ist, Verständnis für die Situation und Hoffnung auf Linderung zu vermitteln sowie Beistand zuzusichern. Gegebenenfalls müssen die Angehörigen die Initiative ergreifen und einen Termin beim Arzt vereinbaren.
- Hilfe kann auch bedeuten, mit dem Betroffenen einen Spaziergang zu machen, Musik zu hören oder nachzufragen, was vor der Erkrankung Spaß gemacht hat.
- Keinen Urlaub oder Ortswechsel anregen, das verschlechtert die Situation.
- Körperliche Bewegung ist hilfreich, zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen.
- Sofern der Schweregrad die Angehörigen mit der Situation zu sehr belastet, ist eine Krankenhausanweisung sinnvoll.
- Der Erkrankte muss von Schuldgefühlen entlastet werden.
- Angehörige sollen Ihr eigenes Leben weiterführen und Ihren Hobbys nachgehen, damit sie dann dem Betroffenen wieder hilfreich zur Seite stehen können.
- Äußerungen von lebensmüden Gedanken sind ernst zu nehmen und bedürfen professioneller Hilfe. Mitunter ist es gut, solche Gedanken anzusprechen, sofern der Verdacht besteht und der Betroffene sich nicht selbst äußert.

Selbstmedikation Bei leichten Depressionen steht Johanniskraut zur Verfügung. Täglich werden dafür 600 bis 900 Milligramm Gesamtextrakt benötigt. Die Wirkung setzt erst verzögert nach ungefähr vier Wochen ein. Bei ungenügender Wirkung ist der Besuch beim Arzt dringend anzuraten. Aufgrund der hohen Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Arzneimitteln, wie Pille, Marcumar, Digoxin oder Zytostatika muss immer nach der aktuellen Me dikation gefragt werden. Wie Sie einen Wechselwirkungscheck durchführen, finden Sie in diesem Heft im Artikel „Leberenzymsystem- Risiken durch Wechselwirkungen“

Weiterführende Links: Kompetenznetz Depression:
www.kompetenznetz-depression.de/betroffene/frameset_betroffene.htm
Deutsches Bündnis gegen Depression: www.buendnis-depression.de

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 11/09 ab Seite 68.

Dr. Elke Knop-Schneickert, elke.apo@freenet.de

Stichworte: Antidepressiva, Depression, Johanniskraut, Noradrenalin, Serotonin

Weitere Informationen

Zur Übersicht

  • Facebook
  • Twitter
  • delicious
  • MisterWong
  • stumbleupon
  • Google
  • Reddit
  • Digg
  • Technorati
  • Newsvine
  • Windows
  • Yahoo!
  • RSS