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Impfen ist eine der wirksamsten Maßnahmen zum prophylaktischen Schutz vor Infektionskrankheiten. Wie lange ist Ihre letzte Auffrischung gegen Tetanus & Co. her?
Die von der ständigen Impfkommission (STIKO) im Kleinkindalter empfohlenen Impfungen werden noch flächendeckend durchgeführt. Doch für viele Erkrankungen gilt, dass langfristiger Schutz nur durch Auffrischimpfungen zu erreichen ist. Die Infektionskrankheiten Pertussis, Diphtherie und Tetanus geraten mehr und mehr in Vergessenheit, sodass viele Erwachsene sehr sorglos mit ihrem Impfschutz umgehen und das Risiko für Erkrankungen dank der Impfmüdigkeit steigt.
Aufklärung aus der Apotheke kann dem entgegenwirken. Immunisieren schützt nicht nur den einzelnen, sondern die Gesamtgesellschaft. Je mehr Menschen gegen eine bestimmte Erkrankung geimpft sind, desto größer ist der Herdenschutz. Auch nicht geimpfte Menschen tragen dann ein geringeres Risiko zu erkranken, weil die Wahrscheinlichkeit, mit einer infektiösen Person in Kontakt zu kommen, geringer wird.
Impfungen im Säuglingsalter Mit der Grundimmunisierung im Säuglings- und Kindesalter sollte möglichst früh begonnen werden, in der Regel mit dem zweiten Lebensmonat. Viele Infektionskrankheiten führen gerade in den ersten fünf Lebensjahren zu Komplikationen. Deshalb ist die Impfung in der frühen Kindheit besonders wichtig. Empfohlen werden von der STIKO ein Schutz gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis, Haemophilus influenzae Typ b, Hepatitis B, Pneumokokken, Masern, Mumps, Röteln, Varicella-zoster-Virus, Meningokokken und Pneumokokken. Bei jungen Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren ist es sinnvoll, gegen humane Papillomaviren zu immunisieren. Nachzulesen sind die aktuellen Impfempfehlungen auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts www.rki.de (unter „Infektionsschutz/Impfen“).
Am Ball bleiben Erinnern Sie Ihre Kunden im Beratungsgespräch immer wieder an die Auffrischimpfungen, zum Beispiel im Rahmen einer Reiseberatung. Bei den Erwachsenen über 40 Jahren sind nur noch 60 Prozent gegen Tetanus geimpft, bei den über 60-Jährigen nur noch 40 Prozent. Die Empfehlungen der STIKO für Erwachsene umfassen die Auffrischung von Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre sowie zusätzlich von Pertussis. Ab dem 60. Lebensjahr sind eine jährliche Influenza- Impfung und mindestens eine einmalige Pneumokokken-Impfung sinnvoll.
Keuchhusten Das Bakterium Bordetella pertussis ist für die schwere Infektionskrankheit der Atemwege verantwortlich. Charakteristisch ist der laute, keuchende Husten. Am häufigsten trifft es Säuglinge und Kleinkinder mit einer Letalität von einem Prozent. Da der immunogene Schutz nach einer Pertussis-Infektion, aber auch nach einer Impfung nach etwa acht bis zehn Jahren abnimmt, wird heute auch Erwachsenen, die in Kontakt mit Säuglingen und Kleinkindern stehen, geraten, diese Impfung regelmäßig aufzufrischen.
Wundstarrkrampf Tetanus wird durch das Gift des Erregers Clostridium tetani ausgelöst. Das Virus kommt überall vor, besonders im Boden. Die Infektion erfolgt über Wunden der Haut. Das Gift der Bakterien gelangt über das Blut zu den Nervenbahnen und in das Gehirn. Erst Tage bis Wochen nach der Infektion kommt es zu unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen. Später treten von Fieber begleitete Krämpfe im Gesicht und im ganzen Körper auf. Ohne entsprechende Therapie sterben 25 bis 30 Prozent der Erkrankten. Die Früherkennung ist sehr wichtig, um für den Patienten eine gute Prognose zu erreichen. Die Therapie erfolgt mit Penicillin gegen den Krankheitskeim sowie mit Tetanus-Antitoxin.
Würgeengel der Kinder Die Diphtherie ist eine lebensgefährliche, hoch ansteckende Erkrankung der oberen Atemwege. Sie wird durch das Toxin von Corynebacterium diphtheriae ausgelöst und äußert sich mit einem dramatischen Anschwellen der Rachenschleimhaut. Die Patienten klagen über akute Atemnot. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen- oder Schmierinfektion von Mensch zu Mensch. Sehr häufig kommt es unter der Erkrankung zu systemischen Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen und Lähmungserscheinungen.
Die Diphtherie verläuft zu fünf bis zehn Prozent letal – in Entwicklungsländern stirbt bis zu ein Viertel der Erkrankten. Da sowohl die Erkrankung als auch die Impfung keine lebenslange Immunität hinterlassen, sollten im Zehnjahresabstand Auffrischimpfungen erfolgen. Diese werden in der Regel in Kombination mit Tetanus und eventuell Pertussis durchgeführt. Geimpft wird ein Totimpfstoff, der detoxifiziertes Diphtherietoxoid enthält. Aufgrund der guten Durchimpfraten treten in Deutschland nur noch sehr selten Einzelfälle der Diphtherie auf. Weltweit ist die Infektion allerdings noch immer sehr verbreitet.
Grippe Die Influenza ist eine virale Infektion der oberen Atemwege. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion. Der typische Verlauf ist plötzlich auftretendes hohes Fieber, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit. Die Krankheitsdauer beträgt etwa 7 bis 14 Tage. Komplikationen können bakterielle Sekundärinfektionen sein, die zu Pneumonien, Mittelohrund Herzmuskelentzündungen führen. Deshalb wird die jährliche Influenza-Impfung besonders älteren Menschen über 60 Jahren, chronisch kranken Patienten und Kindern mit chronischen Atemwegserkrankungen empfohlen. Für Patienten über 65 Jahren werden adjuvierte Impfstoffe mit einer verstärkten immunogenen Wirkung angeboten. Die Impfung schützt bereits nach zwei Wochen. Da sich die Influenza-Antigene ständig verändern, kommt jedes Jahr ein neuer Grippeimpfstoff auf den Markt.
Pneumokokken Das Bakterium Streptococcus pneumoniae ist weltweit das Bakterium, das am häufigsten Lungen- und Hirnhautentzündungen auslöst. Infektionen können zu schweren Pneumonien, Meningitis und Sinusitis führen. Hier zu Lande sterben jährlich etwa 10 000 Menschen infolge einer Pneumokokkeninfektion. Deshalb wird die Impfung Kindern und immun geschwächten Erwachsenen, insbesondere Personen über 60 Jahren, unbedingt angeraten.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/09 ab Seite 72.
Dr. Katja Renner, Apothekerin
Stichworte: Auffrischimpfungen, Diphtherie, Grippe, Grundimmunisierung, Impfung, Impfungen, Influenza, Pertussis, Pneumokokken, Stiko, Tetanus, Wundstarrkrampf